Diese Zombie-Splatter-Komödie wollte ich unbedingt mit meiner Tochter bei unserem traditionellen Samstagabend-Horrorfilm-Ritual im Kino schauen. Doch unser heimisches Lichtspielhaus, das Cinestar in Lübeck, hat kein Herz für Horrorfans und zeigt uns derzeit immer weniger Genreware. Da auf STUDIOCANAL aber Verlass ist, habe ich die Pressescheibe zum in Kürze anstehenden Heimkinorelease von Cold Storage mittlerweile erhalten und natürlich umgehend am Vater/Tochter-Abend angeschaut (bevor Klagen kommen, sie hat das notwendige Alter bereits erreicht). Sie freute sich auf Stranger Things-Sympathieträger Joe Keery, ich mich auf Action-Opa Liam Neeson und wir beide auf jede Menge Fun-Splatter. Spoiler: Wir wurden nicht enttäuscht!

Regie: Jonny Campbell
Darsteller: Georgina Campbell, Joe Keery, Liam Neeson, Rob Collins, Lesley Manville, Vanessa Redgrave
Artikel von Christian Jürs
Auf dem Cover von Cold Storage wird damit geworben, dass der Film vom Autor von Jurassic Park, nämlich David Koepp, stammt. Der hat nicht nur das Drehbuch verfasst, sondern auch die Romanvorlage, die im Jahr 2019 bei uns erschienen ist. Auf sein Konto gehen allerdings auch die Drehbücher zu Filmen wie Indiana Jones und das Rad des Schicksals und Jurassic World: Die Wiedergeburt – Werke, die ich lieber vergessen würde. Des Weiteren steht geschrieben, dass Cold Storage vom Produzenten von Zombieland finanziert wurde. Gavin Polone ist hier gemeint, doch der ist einer von vielen, weswegen auch viele andere, bekannte Filme hätten genannt werden können. Zombieland passte thematisch natürlich bestens. Ich fühlte mich vor allem an eine frühe, kultige Zombiekomödie deutlich mehr erinnert, nämlich den großartigen Return of the living Dead aka Verdammt, die Zombies kommen, der demnächst tatsächlich ein weiteres, spätes Sequel (oder Remake?) erhalten soll.

Der Film startet vor einigen Jahren. Die Mikrobiologin Dr. Hero Martins (Sosie Bacon) erhält einen telefonischen Notruf aus dem australischen Outback. Dort ist eine Weltraumkapsel gecrasht, die einen Pilzorganismus aus dem All an Bord hatte, der alles und jeden in der Umgebung auslöscht. Umgehend reist sie, unterstützt von den Bioterrorismus-Experten Robert Quinn (Liam Neeson) und Trini Romano (Lesley Manville), an den Ort des Geschehens, wo die aber nur noch Leichen auffinden können. Beim Versuch, eine Probe des todbringenden Pilz-Organismus der hierfür verantwortlich ist, zu nehmen, infiziert sich Martins und mutiert vor den Augen der verdutzten Begleiter. Da sie sich im letzten Moment selbst richtet, ist die Gefahr aber schnell gebannt, der gefährliche Pilz eingefangen und sicher in einem Lagerraum einer US-Militärbasis in Kansas verstaut.
In der Gegenwart ist das Militärlager längst stillgelegt und eine Selfstorage-Halle darüber errichtet worden, in der der auf Bewährung befindliche Travis (Joe Keery) die Nachtwache schiebt. Als er eines Abends seine neue Kollegin Naomi (Georgina Campbell) einarbeiten soll, bricht der außerirdische Parasit aus seinem unterirdischen Gefängnis aus und beginnt, alles und jeden mit dem er in Kontakt kommt, in höchst ansteckende Zombies zu verwandeln. Travis und Naomi müssen um ihr Leben bangen – und bekommen dabei Unterstützung vom im Ruhestand befindlichen Robert Quinn. Kann das Trio die Gefahr aufhalten oder ist die Menschheit verloren?

Der von Serien-Regisseur Jonny Campbell (u.a. Dracula, Doctor Who) inszenierte Splatter-Spaß erfindet das Rad zwar nicht neu und sieht beim Großteil seiner Effekte recht digital aus, Spaß bereitet die Zombie-Sause aber trotzdem. Dies liegt sowohl am bestens aufgelegten Cast, als auch an den derben Horrorelementen, die allerdings niemals allzu eklig daherkommen, sondern zum Schmunzeln einladen. Dass dabei der alte Haudegen Liam Neeson Zombies zerfetzen darf und sogar noch Unterstützung der noch älteren, rüstigen Hollywood-Dame Vanessa Redgrave erhält, steigert den Spaß. Die Story wirkt wie eine Mischung aus dem Spiel oder der Serie The Last of Us, gepaart mit Genre-Komödien wie Return of the living Dead (ich erwähnte es) und Die Nacht der Creeps. Zwar kann er den beiden Letztgenannten nicht das Wasser reichen, für einen launigen Abend ist aber gesorgt, auch wenn es nach der Eingangssequenz ein wenig dauert, bis die Zombiehorden über die Lagerhalle hinwegfegen.
Die Horror-Komödie habe ich zwar im Kino verpasst (nochmals danke für nix, Cinestar Lübeck), auf der heimischen Couch ist er aber auch gut aufgehoben. Liam Neeson hat, so wie zuvor in Die nackte Kanone, endlich den Humor wiederentdeckt. Sein Auftritt macht Laune, ebenso wie der von Joe Keery, der erneut den sympathischen Looser gibt. Cold Storage wird mit Sicherheit kein zeitloser Genre-Klassiker werden, für einen launigen Filmabend ist er aber bestens geeignet.

Mir lag zur Rezension die Blu-ray in Rohling-Form vor. Qualität und Synchronisation sind top, lediglich im Bonusbereich wurde gespart. Hier gibt es leider nichts zu sehen, kein Trailer, keine Featurette – nix. Da wäre definitiv mehr drin gewesen für die Fans.
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