Wenn Ihr ein Geschenk sucht für jemanden in eurem Bekanntenkreis, den Ihr besonders hasst oder mit dem Ihr noch eine Rechnung offen habt, dann haben FROM THE VAULT und CARGO MOVIES hier den ultimativen Präsente-Tipp für Euch. Doll Shark – denn der ist ganz doll scheiße! Dies ist wohl der absolute Tiefpunkt in der Geschichte trashiger Hai-Horrorfilme. Mit einem Mini-Budget, vermutlich zusammengestottert aus altem Pfand-Gut, gönnte man sich eine halbe Flasche Kunstblut und schoss auf dem Jahrmarkt fix noch einen ausgemusterten Plüsch-Hai. Die Darsteller scheinen aus dem Freundeskreis der Macher zu stammen und spielen auch so. Die Krönung des Ganzen ist aber die deutsche Synchronfassung, für die kein menschliches Wesen einsprechen musste. Doll Shark? Doll Murks!

Regie: Anthony Polonia, Mark Polonia

Darsteller: Danielle Donahue, River Dalton, Kevin Coolidge, Kasey Cox, Ryan Dalton

Artikel von Christian Jürs

Zunächst einmal möchte ich erwähnen, dass ich ein Herz für Trashfilme habe. Egal ob Paul Naschy als Werwolf durchs Bild hüpft, der Infra Superman für Gerechtigkeit sorgt, Tommy Wiseau seiner untreuen Freundin hinterher trauert oder René Weller den Macho Man gibt, ich feiere Müllfilme – zumindest die, die trotz einer Vision der Macher vollends gegen die Wand gefahren wurden. Als die Hai-Welle im Trashfilmsektor mit Sharknado ihren Anfang nahm, war ich ebenfalls amüsiert, allerdings bereiteten mir diese freiwillig als Schrott produzierten Werke schon damals weit weniger Spaß als beispielsweise Enzo G. Castellaris dreiste Kopie The last Jaws – Der weiße Killer oder gar der Fischdurchfall Der weiße Hai 4 – Die Abrechnung, in der Charles Bronson, der Fisch, Rache nehmen wollte an Familie Brody.

Doch während die Sharknado-Streifen wenigstens mit ein paar abgehalfterten Stars und einer Menge Ironie punkten konnten, wurden die Hai-Filme immer abstruser, dümmlicher und langweiliger. Mit schrumpfendem Budget wurden die schwimmenden Fischstäbchen zu Zombies, Geistern, Kokainjunkies, zu mehrköpfigen Killermaschinen oder gar zu Sandschwimmern. Mit Doll Shark sind wir nun quasi im Amateurfilmbereich angekommen, auch wenn hier die Produktionsfirma SRS Cinema ihre Finger im Spiel hatte, die uns halbwegs goutierbare Trashwerke wie Night of Something Strange lieferten. Bei Doll Shark hingegen darf man schon froh sein, dass die Macher in der Lage waren, die Kamera aufzustellen.

Es geht schon kacke los mit Hai-Jäger Brock Banner, der auf einem Steg steht und mit Holzpflock einen Hai erlegt. Eine schreckliche Studioaufnahme mit schlecht hereinkopiertem Regen (siehe Bild oben). Effekte? Naja, ein echter Hai wurde ins Bild kopiert, ebenso wie der smarte Brock und es gibt einen Close Up vom Holzspieß, der in ein graues Stück Kunststoff piekst. Brock nimmt dem erlegten Raubfisch einen Zahn ab und steckt diesen in einen Plüschhai, den er seinem Sohn, der bei der Mutter lebt, schenken möchte. Denn Sohnemann ist großer Fan der Kinderserie Sea Sharks Swim (oder See Sharks Swim? Keine Ahnung), die scheinbar 24/7 ausgestrahlt wird und geistloser als eine Folge der Teletubbies ist. Wer solche Kinder hat, tut gut daran, schnell das Weite zu suchen.

So sieht das wohl auch seine Mutter, denn als Plüschi der Hai bei Sohnemann Kirby eingetroffen ist, macht sie sich flugs für mehrere Tage aus dem Staub und überlässt der äußerst sympathischen Babysitterin Lyla ihren Spross. Die ist allerdings nur so semi als Kinderaufsicht geeignet, zieht sie doch durchweg eine angepisste Fresse und betäubt den Jungen auch gerne mal mit Schlafmittel getränkter Tomatensuppe, damit sie nachts Party machen kann. Blöd nur, dass der puschelige Hai vom Geist des erlegten Killerhais beseelt wurde (dank des beigefügten Zahns) und so nach und nach alles und jeden im Umkreis von Kirby und Lyla auf die Speisekarte nimmt. Lecker, smecker.

Die Effekte bestehen aus einem handgewackelten Plüschhai, einer Tube Kunstblut und ansonsten nix weiter. Dafür gibt es bei jedem Angriff epileptische Anfälle beim Kameramann, der außerhalb dieser Action sein Aufnahmegerät einfach auf einem Stativ geparkt hat. So sahen meine ersten Gehversuche in Sachen Amateurfilm auch einst aus. Allerdings wurden meine Filme bislang nicht im Handel angeboten. Spielen kann hier wirklich niemand, auch wenn Lyla-Darstellerin Danielle Donahue laut IMDb vom gleichen Agenten wie Michelle Williams vertreten wird. Ihre Vita besteht aus weiteren Schrottwerken wie Return to Splatter Farm und Battle Bots, die ebenfalls schrecklich zu sein scheinen. Am geilsten ist noch der ermittelnde Cop, der ausschaut wie ein billiger Zuhälter mit Fett-Frisur. Doll Shark ist mit 77 Minuten recht kurz geraten, wirkt aber, aufgrund seiner belanglos heruntergekurbelten Handlungsszenen mit Menschen wie Du und ich, die über das Talent von Amateur-Porno-Darstellern verfügen, wie ein vier Stunden Epos. Da helfen auch die eingefügten Referenzen an Der weiße Hai nix. Doch der wahre Schrecken verbirgt sich auf der deutschen Tonspur.

Hier wurden aber keine schlechten Sprecher engagiert, es wurden gar keine Sprecher gecastet. Stattdessen stammt die deutsche Sprachfassung aus der Retorte, sprich, sie ist KI generiert. Das klingt schäbig, scheiße und außerdem auch noch qualitativ von der Tonqualität höchst unterschiedlich. Betonungen werden falsch gesetzt und der Satzbau ist immer wieder katastrophal. So kommt immer wieder zu Sätzen wie diesem hier: „Hat mein Sohn sein Geschenk wohl schon?“ – Ach ja, synchron sind die gesprochenen Worte natürlich auch nie. Ganz, ganz furchtbar.

Immerhin, die Veröffentlichung verfügt über ein Wendecover und ein Booklet, welches sich allerdings als Blatt mit QR-Code entpuppt. Scannt man diesen, kann man das Booklet auf dem Smartphone betrachten. Weia! Im Bonusbereich gibt es außerdem ein Making Of, Trailer und eine Audiokommentar von Regisseur Mark Polonia, der alle paar Minuten betont, wie stolz er auf die ein oder andere Kameraeinstellung ist, obwohl es hierfür keinen Grund gibt. Kurz vor Ende springt der Audiokommentar dann einige Minuten zurück – warum auch immer. Das passt allerdings bestens zum Gesamtwerk. Sagt nicht, ich hätte Euch nicht gewarnt.

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