Wenn Regisseur und Drehbuchautor Anders Thomas Jensen (Adams Äpfel) seinen Stamm-Cast, bestehend u.a. aus Mads Mikkelsen, Nikolaj Lie Kaas und Nicolas Bro, um sich schart, dann kann man sich als Zuschauer sicher sein, dass es äußerst brutal, schwarzhumorig, aber im Kern auch tragisch und absolut nicht-vorhersehbar vonstattengeht. SPLENDID FILM veröffentlicht die dänische Thrillerkomödie, in der sich zwei ungleiche Brüder auf die Suche nach einem vergrabenen Schatz begeben, jetzt im Heimkino. Begleitet von allerlei skurrilen Persönlichkeiten, wird die Suche der beiden zu einem blutigen Selbstfindungstrip, bei dem die legendären Beatles wiedervereint werden. Wie das möglich ist und welchen Bonus-Film die Mediabook-Veröffentlichung im Petto hat, verrate ich in meiner Kritik.

Originaltitel: Den sidste viking
Drehbuch & Regie: Anders Thomas Jensen
Darsteller: Mads Mikkelsen, Nikolaj Lie Kaas, Sofie Gråbøl, Søren Malling, Lars Brygmann, Nicolas Bro
Artikel von Christian Jürs
Früher war das dänische Kino international hauptsächlich für die Abenteuer der legendären Olsen Bande bekannt. Dieser Umstand änderte sich 1994, als Regisseur Ole Bornedal mit seinem Thriller Nightwatch – Nachtwache auf sich aufmerksam machte, den er sogar in den USA remaken durfte. Zwei Jahre später gelang dann auch Lars von Trier mit Breaking the Waves der internationale Durchbruch, den er bis heute, mit Werken wie Nymphomaniac, Antichrist oder Melancholia, festigen konnte. Mittlerweile konnten sich immer mehr Regie-Größen wie Thomas Vinterberg (Der Rausch), Joachim Trier (Sentimental Value), Nicolas Winding Refn (Pusher) und Susanne Bier (Nach der Hochzeit) international behaupten. Zu ihnen gehört auch Anders Thomas Jensen, bei dessen tiefschwarzen Thrillerkomödien Dänische Delikatessen und Adams Äpfel so manchem Zuschauer das Lachen im Halse stecken blieb. Bei seinem neuesten Streich, Therapie für Wikinger, dürfte es dem Großteil des Publikums ähnlich ergehen.

Fünfzehn Jahre musste Anker (Nikolaj Lie Kaas) für einen Raubüberfall mit Todesfolge im Gefängnis einsitzen. Das Geld wurde niemals gefunden, denn der clevere Dieb überließ seinem Bruder Manfred (Mads Mikkelsen) die Beute, um diese im Wald, nahe dem Haus ihrer Kindheit, zu vergraben. Jetzt ist er endlich frei und kann sich die Kohle endlich einheimsen – so denkt Anker zumindest. Doch manchmal kommt es anders als gedacht. Nicht nur, dass sein Komplize, der „freundliche“ Flemming (Nicolas Bro) auf Ankers Anteil mit extremer Gewaltandrohung besteht, schließlich habe er sein Geld bereits ausgegeben, auch der genaue Standort des Verstecks lässt sich nicht so leicht bestimmen. Denn Manfred leidet seit seiner Kindheit an einer dissoziativen Persönlichkeitsstörung. Er hält sich für John Lennon und droht stets, sich etwas anzutun, sollte man ihn nochmal Manfred nennen. Für Anker eine Spinnerei, die er aufgrund seiner rauen Art nicht durchbrechen kann. Manfred weigert sich stetig, das Versteck preiszugeben.
Auf ihrem Weg zum Elternhaus treffen sie auf den Psychiater Lothar (Lars Brygmann), der die beiden begleitet und als Therapie für Manfred einen Vorschlag an Anker unterbreitet. Seiner Meinung nach müsste man die Beatles wieder vereinen, um Manfred aka John aus der Reserve zu locken. Also suchen sie sich weitere psychisch auffällige Personen, die sich für die fehlenden Bandmitglieder Paul, George und Ringo halten. Seiner Theorie nach könnte man Manfred dadurch möglicherweise wieder aus seinem Kokon herausholen. Doch Flemming lauert der gemeinsamen Mutter Freja (Bodil Jørgensen) auf, um zu erfahren, wo sich die Beute befindet und auch die neuen Bewohner des Hauses, das Ehepaar Margrethe (Sofie Gråbøl) und Werner (Søren Malling), werden unfreiwillig in die Nummer mit hineingezogen.

Sowohl die Figuren als auch die Situationen geraten absurd komisch in Therapie für Wikinger. Wer hätte gedacht, dass spontane Selbstmordversuche so witzig wirken können? Aber auch die Nebenfiguren haben ihren Reiz, wie etwa Hamdan (Kardo Razzazi), der sich für Paul und George in einer Person hält, aber nur Abba-Songs zum Besten geben kann. Regisseur und Drehbuchautor Anders Thomas Jensen versteht es, seinen abstrusen Figuren unterhaltsames Leben einzuhauchen. Dass es dabei mitunter unangenehm brutal zugeht, gehört zum guten Ton. Allerdings, dass muss man ihm hier anlasten, verliert er bei all den Geschichten, die diese Figuren in den Film einbringen, auch ein wenig den Fokus auf die Hauptstory und so zieht sich die Erzählung hier und da ein klein wenig. Das mildert den Unterhaltungswert aber nur marginal, an Werke wie Adams Äpfel kommt Therapie für Wikinger aber nicht heran. Doch das ist Jammern auf hohem Niveau, denn die bestens besetzte Geschichte unterhält bestens und driftet gekonnt kurzzeitig in höchst tragische Bahnen ab, wenn etwa die Kindheit der ungleichen Brüder beleuchtet wird, ehe es wieder saukomisch wird.
Der Cast, allen voran Mads Mikkelsen und Nikolaj Lie Kaas, die bereits mehrfach zusammen agierten, harmoniert bestens, die Gags wurden treffsicher untergebracht. Wer es also schwarzhumorig und mitunter auch brutal mag, der sollte sich Therapie für Wikinger keinesfalls entgehen lassen. Zartbesaitete Filmliebhaber sollten sich allerdings lieber eine harmlosere Komödie suchen. Ich hatte Spaß.

Mir lag zur Rezension die Blu-ray-Variante vor. Bild, Ton und auch Synchronisation sind hervorragend. Mads Mikkelsen wurde von Matthias Klie eingesprochen, der ihn u.a. auch in Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse einsprach. Dieser wird meist im stetigen Wechsel mit Axel Malzacher (Dust Bunny) auf Mikkelsen gebucht. Beide machen aber hervorragende Arbeit. Im Bunusmaterial gibt es Interviews mit Regisseur und Hauptdarstellern, sowie Trailer. Wer zum Mediabook greift, bekommt den Hauptfilm auf 4K UHD, sowie eine Blu-ray mit Bonusfilm Helden der Wahrscheinlichkeit, ebenfalls von Anders Thomas Jensen und mit seinen üblichen Stars. Ebenfalls ein toller Film.
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