Als 2003 das Remake von Kettensägen-Massaker aka Blutgericht in Texas unter dem Titel Michael Bay´s Texas Chainsaw Massacre in die Kinos kam, waren die Fans zunächst skeptisch, der Schocker mit Jessica Biel und Full Metal Jacket-Sadist R. Lee Ermey entpuppte sich aber als höchst unterhaltsam, stylisch und einigermaßen hart. Da der Horrorfilm ordentlich Geld in die Kassen spülte, war es nur eine Frage der Zeit, bis eine Fortsetzung auf die Beine gestellt werden würde. Es wurde jedoch kein Sequel, sondern ein Prequel daraus. Die Vorgeschichte von Leatherface und Konsorten hatte dabei massive Probleme mit der Zensur hierzulande. Im Kino kastriert, auf DVD trotz Unrated-Hinweis ebenfalls geschnitten und zusätzlich noch indiziert, mussten die Fans lange warten, bis es ein Happy End für sie geben würde. PLAION PICTURES hat das Wunder wahr gemacht und den rehabilitierten Schocker jetzt endlich unzensiert und komplett mit deutscher Synchronisation im Mediabook veröffentlicht. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen und habe die Veröffentlichung genau unter die Lupe genommen.

Originaltitel: The Texas Chainsaw Massacre: The Beginning

Regie: Jonathan Liebesman

Darsteller: Jordana Brewster, Matt Bomer, Diora Baird, Taylor Handley, R. Lee Ermey, Andrew Bryniarski

Artikel von Christian Jürs

Stolze sechs Minuten an Brutalität mussten aus der damaligen, deutschen Kinofassung von Texas Chainsaw Massacre: The Beginning entfernt werden, damit die FSK ihren Freigabe-Segen erteilen wollte. Sechs Minuten, bestehend teilweise aus Sekundenschnitten, die das Kinoerlebnis zur Tortur für Splatterfans machte, alles unter dem Deckmantel des Jugendschutzes. Für den Heimkino-Release sparte sich Warner Home Video damals den Gang zur FSK, um ihren Kunden ein möglichst vollständiges Sehvergnügen zu beschaffen. Doch auch bei der SPIO/JK verwehrte man der US-Kinofassung die Absolution und stufte den Film mit der höchsten Freigabe, strafrechtlich unbedenklich, ein. Zwei Schnitte gegenüber der ungekürzten Fassung musste der Verleiher hierfür trotzdem noch vornehmen. Obwohl immer noch gekürzt, prangte der Aufdruck UNRATED fett auf der deutschen DVD-Auflage – eine freche Lüge. Denn Unrated erschien der Film hierzulande erstmal gar nicht. Stattdessen landete diese zusätzlich zensierte R-Rated-Fassung allen Ernstes auch noch auf dem Index – auf Liste B, also als potentieller Beschlagnahme-Kandidat.

In den USA war mittlerweile eine echte Unrated-Version erschienen, die noch saftiger geriet als die eh schon derbe US-Kinofassung. Hierzulande witterten windige Bootlegger das große Geld und fluteten die Filmbörsen mit ihren DVDs Marke Eigenbau. Auf derlei Schrott braucht Ihr nun aber nicht mehr zurückgreifen, denn Plaion Pictures, die die Veröffentlichungen aus dem Warner Home Video-Katalog mittlerweile übernommen haben, konnten Ende 2024 eine Listenstreichung der indizierten DVD durchsetzen. Der Weg für eine Unrated-Veröffentlichung in Deutschland war endlich geebnet. Jetzt ist es so weit, das brandneue Mediabook enthält sowohl die unzensierte Kinofassung, sowie die Unrated-Version in deutscher Sprache, jetzt zeitgemäß mit FSK-Freigabe. Es geht doch. Die fehlenden Dialoge wurden aufwändig nachsynchronisiert, wobei R. Lee Ermey in den neuen Szenen leider eine neue Stimme verpasst bekommen musste, da sein Synchronsprecher Hans-Werner Bussinger bereits im Jahr 2009 verstarb.

Texas Chainsaw Massacre: The Beginning beginnt im Jahr 1939 in Texas. Wir werden Zeuge, wie eine mies behandelte Angestellte (L.A. Calkins) einer Fleischerei während der Ausübung ihrer Arbeit plötzlich ein hässliches, missgebildetes Baby zur Welt bringt. Die Frau stirbt, das Baby wird von ihrem miesen Boss (Tim DeZarn) im Müllcontainer entsorgt, wo es von der nach Nahrung suchenden Luda Mae Hewitt (Allison Marich) entdeckt und mit nach Hause genommen wird. Das Baby bekommt den Namen Thomas Hewitt.

Dreißig Jahre später arbeitet Thomas (Andrew Bryniarski), der zu einem tumben und hässlichen, aber auch starken Erwachsenen herangewachsen ist, ebenfalls in der ortsansässigen Fleischerei. Da er sein Gesicht mit einer Maske bedeckt, bekommt er den Spitznamen Leatherface verpasst. Als der Laden schließlich geschlossen wird, rastet Thomas/Leatherface aus und killt seinen Vorgesetzten und schnappt sich auf dem Heimweg noch eine Kettensäge als Andenken.

Derweil befinden sich Eric (Matt Bomer) und sein Bruder Dean (Taylor Handley), gemeinsam mit ihren Freundinnen Chrissie (Jordana Brewster) und Bailey (Diora Baird) auf einem Roadtrip durch Texas. Ziel ist eine Kaserne, da die beiden Männer für den Militärdienst in Vietnam einberufen wurden, wobei Dean mit der Einberufung hadert. Auf ihrer Fahrt bekommt das Quartett Ärger mit einer Motorrad-Gang, wodurch es zu einem Verkehrsunfall, irgendwo im Nirgendwo, kommt. Glücklicherweise eilt der Sheriff (R. Lee Ermey) zu Hilfe. Doch bei dem handelt es sich mitnichten um einen echten Cop, sondern um den Stiefbruder von Thomas, der den echten Sheriff (Lew Temple) ermordet und sich seine Marke angeeignet hat. Die jungen Leute merken schnell, in welch gefährlicher Lage sie sich befinden und sind der Psycho-Familie Hewitt hilflos ausgeliefert.

Regisseur Jonathan Liebesman (World Invasion: Battle Los Angeles) versteht es, mehr noch als sein Regie-Vorgänger Marcus Nispel (Michael Bay´s Texas Chainsaw Massacre), die dreckige Atmosphäre des Originalfilms The Texas Chainsaw Massacre – Blutgericht in Texas auf Film zu bannen. Allerdings sehen auch hier die Twens, was Kleidung oder Frisuren betrifft, niemals wirklich aus, als würden sie aus dem Jahr 1969 stammen. Die Frisuren wirken stets zu modern, die Musik, die sie hören, entstammt der Trackliste von Captain Obvious (All Right Now von Free) und auch der obligatorische Gelbfilter darf nicht fehlen, wenn ein Film in Texas oder Mexiko spielt, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Okay, einen Minuspunkt hätte ich dann doch noch: Dadurch, dass wir hier ein Prequel, anstelle eines Sequels, haben, ist das Schicksal der jeweiligen Figuren eigentlich klar. Drückt man diesbezüglich ein Auge zu, so bekommt man mit Texas Chainsaw Massacre: The Beginning den wohl wirkungsvollsten Terrorfilm seit dem Original verpasst. Hart, dreckig, eklig – was will der Horrorfan mehr? Ach ja, R. Lee Ermey als Sheriff Hoyt ist mal wieder, wie bereits beim Vorgänger, das Sahnehäubchen des Films. Hier ist er noch fieser als in seiner Kultrolle aus Full Metal Jacket.

Auf Blu-ray Nummer eins befindet sich der Unrated-Cut in bestmöglicher Qualität mit hochwertig nachsynchronisierten Szenen. Disc Nummer zwei bietet die US-Kinofassung (keinesfalls die deutsche Cut-Fassung!), sowie einiges an Bonusmaterial. So befinden sich hier zwei Audiokommentare, geschnittene Szenen, alternative Enden (beides wahlweise mit Audiokommentar), Interviews, Trailer und eine Bildergalerie. Im Inneren des Mediabooks befindet sich ein 20-seitiges Booklet, verfasst von Benedikt Wilken, mit weiteren Hintergrund-Infos. Alles in allem ein Rundum-Sorglos-Paket.

Plaion Pictures Shop:

Mediabook – Cover A (2 Blu-rays)

Mediabook – Cover B (2 Blu-rays)

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