Bei den Fantasy Film Fest Nights hatte ich die Gelegenheit, diesen brandneuen Teenie-Horror-Streifen sichten zu dürfen, den uns LEONINE STUDIOS in Kürze offiziell in die deutschen Kinos bringen wird. Vor dem Film bekamen wir einen kurzen Clip des Regisseurs Corin Hardy (The Nun) präsentiert. Ein Fanboy der Horrorfilme aus den Achtzigern, zu dessen Favoriten (laut eigener Aussage) Werke wie Fright Night, The Lost Boys und Der Blob gehören. Nicht die schlechteste Besten-Liste. Mit Whistle hat er sich nun den Traum erfüllt, seinen eigenen US-Teenie-Horrorfilm zu inszenieren. Darin erwecken die Kids einen uralten Fluch, indem sie in eine alte, aztekische Pfeife blasen. Ob mit dieser Geschichte eine würdevolle Ehrung der Oldschool-Gruselfilme gelungen ist und ob sich der Gang ins Kino lohnt, verrate ich Euch in meiner Kritik.

Regie: Corin Hardy

Darsteller: Dafne Keen, Sophie Nélisse, Sky Yang, Ali Skovbye, Jhaleil Swaby, Nick Frost

Artikel von Christian Jürs

Ich kann Corin Hardy einfach nicht widersprechen. Auch für mich gehören Filme wie The Lost Boys und vor allem Fright Night zum Unterhaltsamsten, was die Achtziger in Sachen Horror hervorgebracht haben. Ich liebe aber auch Final Destination 2, Wahrheit oder Pflicht, Wish Upon und Smile 2 – Siehst Du es auch?. Warum ich gerade diese Werke neueren Datums hier genannt habe? Nun, tatsächlich nicht ganz ohne Grund. Doch gehen wir zunächst einmal auf die Handlung von Whistle ein.

Das Basketball-Team der Pellington Highschool hat Grund zum Jubeln, denn kurz vor dem Schlusspfiff verschafft der talentierte Spieler Mason Raymore (Stephen Kalyn), genannt Horse, seinem Team mit einem gezielten Wurf den Sieg. Zeit zum Feiern bleibt dem jungen Mann jedoch keine, denn irgendetwas Schreckliches scheint ihn zu verfolgen. Zwar wehrt sich Horse mit aller Kraft, er verendet aber trotzdem brennend auf dem Boden der Dusche in der Umkleidekabine. Was wie ein schrecklicher Unfall mit den Gasleitungen ausschaut, ist in Wirklichkeit das Ergebnis eines tödlichen Fluches, ausgelöst durch die Nutzung einer seltenen, aztekischen Pfeife.

Sechs Monate später erhält Chrys (Dafne Keen), die neueste Mitschülerin der Pellington Highschool, Masons Spind zugeteilt. Die in sich gekehrte junge Frau, die bei einem tragischen Unfall ihren Vater verloren hat, ist bei ihrem Cousin Rel (Sky Yang) untergekommen wo sie versucht, ein neues Leben anzufangen. Schnell freundet sie sich mit der an Diabetes leidenden Ellie (Sophie Nélisse) an, die ihr freundlich gegenübertritt. Ganz im Gegensatz zu Horse´ arroganten Ex-Teamkollegen Dean (Jhaleil Swaby), der mit seiner Freundin Grace (Ali Skovbye) zufällig ihren Weg kreuzt. Dean nimmt die Spind-Zuteilung lächerlicherweise zum Anlass, um sich mit der neuen Mitschülerin anzulegen. Dabei kommt es zu einem Handgemenge, welches den strengen Lehrer Mr. Craven (Nick Frost) dazu veranlasst, die Teenager gemeinsam nachsitzen zu lassen. Die merkwürdige, aztekische Pfeife, die Chrys gerade im Spind gefunden hat, konfisziert er kurzerhand gleich mit.

Als der heimlich rauchende Mr. Craven bei einer Internet-Recherche spitzbekommt, wie wertvoll die Pfeife wirklich ist, versucht er, diese über das Internet zu veräußern. Jedoch nicht, ohne sie einmal auszuprobiert zu haben, er möchte ja keine defekte Ware verkaufen. Dabei ertönt ein schrilles, unerträglich-ohrenbetäubendes Geräusch. Die Freude über seinen Fund währt nicht lange, denn Dean stibitzt dem gierigen Lehrer heimlich wieder das Artefakt. Kurze Zeit später erscheint Mr. Craven eine gruselige Gestalt, die ihm das Leben aushaucht, indem sie ihm in die Lungenflügel greift und diese mutieren lässt. Als Todesursache wird Lungenkrebs im Endstadium diagnostiziert. Denn, was niemand ahnt, die Pfeife, einmal genutzt, bringt den Tod auf den Plan und der holt sich seine Opfer auf die Art und Weise, auf die sie, laut ihrem Schicksal, später einmal sterben sollten – nur halt umgehend und nicht erst in mehreren Jahren oder Jahrzehnten. Als die Teenager abends gemeinsam die Zeit im Pool von Grace verbringen, probiert diese die gruselige Pfeife ebenfalls aus – in Gegenwart ihrer Freunde, die alle das schrecklich-schrille Pfeifen auf die Ohren bekommen. Jetzt sind sie alle dem Tode geweiht – oder gibt es doch ein Entrinnen vor dem Fluch?

Ohne viel Brimborium geht Whistle sofort in die Vollen und lässt sich erfreulich wenig Zeit, bevor es zum eigentlichen Horror kommt. Wir bekommen in der Eröffnungssequenz zu erfahren, wie gefährlich die Todespfeife wirkt, lernen kurz die Figuren kennen und nur wenige Filmminuten später ist man sich bewusst, dass etwas Schreckliches vor sich geht. Klingt doch hervorragend – Ist es nur leider nicht. Klar, die Produktion aus dem Hause Shudder punktet mit schnellem, effektvollem Grusel und ausreichend Bodycount-Material, um uns die nächsten 100 Minuten zu unterhalten, im Vergleich zu seinen Vorbildern gelingt es ihm jedoch nur so bedingt.

Natürlich kommt einem zunächst einmal die Final Destination-Reihe in den Sinn, wenn man sich die Handlung von Whistle zu Gemüte führt. Doch diese Kult-Reihe punktet, neben der knisternden Spannung und den kreativen Mordszenen, vor allem durch ihr Augenzwinkern. Dieses fehlt bei Whistle leider komplett. Immerhin sind die Todesszenen hier und da recht blutig geraten, wobei nur in einer Szene (Stichwort: Schredder) ordentlich rumgesaut wird. Eklig ist aber auch diese Szene nicht geraten. Die Figuren stammen zudem allesamt dem Malen-nach-Zahlen-Drehbuch für Einsteiger. Neben dem potenziellen Final Girl mit Trauma im Gepäck gibt es noch den Nerd, den Sport-Bully samt wunderhübscher Freundin, die schüchterne, vernünftige Freundin und obendrauf noch einen Fiesling, dem man natürlich den Tod wünscht. Selbstverständlich gibt es auch einen aus dem Hut gezauberten Lösungsvorschlag aus der Misere, der ziemlich stark an Final Destination 2 erinnert. Filme wie Wish Upon und Wahrheit oder Pflicht (aber auch hundert andere), in denen die Teenager zusammenhalten müssen, um gegen das Böse anzutreten, werden hier ebenso zitiert wie Smile 2 – Siehst Du es auch?, dem man nicht nur das Trauma der Hauptfigur entleiht, sondern auch den Schlussgag, der hier im Abspann eingebaut wurde.

Insgesamt also nix Neues an der Teenie-Horror-Front, aber immerhin kurzweilig und schnell, so lässt sich Whistle wohl am besten beschreiben, dessen originellste Idee noch eine zeitgemäß queere Liebesgeschichte ist, die jedoch auch nicht mehr als Füllmaterial ist. Als Einstiegs-Horror für zartbesaitete Zuschauer geeignet, wird Whistle alten Horror-Hasen wohl nur ein müdes Gähnen entlocken. Die Schauspieler machen einen ordentlichen Job, allen voran Dafne Keen, die einst an der Seite von Hugh Jackman in Logan Bösewichten den Kopf abschnitt. Mehr als Genre-Durchschnitt ist aber leider nicht dabei herausgekommen. Kann man machen, muss man aber nicht. Zumal es derzeit so viele Alternativen im Horrorfilm-Bereich gibt.

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