Nachschub für Oldschool-Krimifans, insbesondere für die, die Agatha Christies Geschichten zu schätzen wissen, gibt es jetzt aus dem Hause PLAION PICTURES. Doch keine Sorge wegen der Zahl 2 im Titel. Wer den ersten Teil der Einladung zum Mord-Reihe, rund um Detektivin Miranda Green nicht gesehen hat, der wird hier trotzdem keinerlei Verständnis-Schwierigkeiten haben. Ich kenne den ebenfalls nicht, fand aber sofort in die Geschichte rein. Kein Wunder, handelt es sich hierbei doch um einen völlig neuen, frischen Fall, den die Schnüfflerin mit dem fotografischen Gedächtnis, gespielt von Mischa Barton, auflösen muss. Ob der Krimi sich mit den guten, alten Hercule Poirot- und Miss Marple-Filmen messen kann, kombinieren wir gemeinsam in der Kritik.

Originaltitel: Murder at the Embassy
Regie: Stephen Shimek
Darsteller; Mischa Barton, Richard Dillane, Mido Hamada, Antonia Bernath, Kojo Attah, Josh Burdett
Artikel von Christian Jürs
Erst kürzlich habe ich die Agatha Christie-Box mit Klassikern wie Tod auf dem Nil, Das Böse unter der Sonne und natürlich Mord im Orient Express auf dieser Seite besprochen. Vor allem an diese drei Werke konnten die Neuauflagen von Kenneth Branagh, die in den letzten Jahren in den Kinos liefen, zu keinem Zeitpunkt heranreichen. Dies habe ich von Einladung zum Mord 2: Das Rätsel von Kairo selbstverständlich auch nicht erwartet, zumal die Besetzung natürlich nicht annähernd so illuster daherkommt wie anno dazumal und Regisseur Stephen Shimek, abgesehen vom ersten Einladung zum Mord-Film, ausschließlich billig heruntergekurbelte Horror- und Fantasyschinken auf die Beine gestellt hat. Meine Erwartungshaltung war also entsprechend niedrig angesiedelt.

Die Handlung, soviel verrät der Titel ja bereits, spielt in Kairo im Jahr 1934. Nachdem Hobby-Ermittlerin Miranda Green (Mischa Barton) ihren ersten Kriminalfall aufgelöst hat, erkundet sie, mit ihrem Hund im Gepäck, die ägyptische Hauptstadt. Eines Abends wird sie zum Dinner beim britischen Botschafter (Richard Dillane) eingeladen. Des Weiteren anwesend sind seine Tochter Meghan (Nell Barlow), die Schauspielerin Betty (Antonia Bernath), der Journalist Walter (Kojo Attah), die Dolmetscherin Leila (Raha Rahbari) und der Sicherheitsmann Mamoud (Mido Hamada). Das Dinner verläuft wenig herzlich, nachdem Miranda die bekannte Schauspielerin Betty vor versammelter Mannschaft aus Versehen bloßstellt. Doch schlimmer kommt es nachts, als Leila vom Gastgeber ermordet aufgefunden wird. Um kein Aufsehen zu erregen, bittet der Botschafter die Hobbyschnüfflerin um Mithilfe beim Aufklären des Mordfalls, sehr zum Missfallen des arroganten Sicherheitsmannes Mamoud.
Trotzdem muss dieser, um ihre Sicherheit zu gewährleisten, Miranda bei ihren Ermittlungen begleiten, die nicht nur durch die Botschaft, sondern auch quer durch Kairo führen. Dabei entgeht Miranda Green nicht, dass sie plötzlich verfolgt wird. Ein kniffliger und gefährlicher Fall, den sie aber natürlich zum Ende hin auflösen wird, wodurch sie letztlich auch Mamouds Respekt ernten wird.

Die gute Nachricht zuerst: Im Gegensatz zu Kenneth Branaghs katastrophaler Neuverfilmung von Tod auf dem Nil wurde Einladung zum Mord 2: Das Rätsel von Kairo nicht im Studio, sondern vor Ort inszeniert, wodurch die Kulisse begeistern kann. Auch Mischa Barton fügt sich perfekt in ihre Rolle als unterschätzte Kriminologin, die sich gegen damalige Klischees durchsetzen muss und am Ende die Riege der Verdächtigen ganz stilecht zur Ermittlungs-Präsentation zusammenkommen lässt. Die verdächtigen Figuren wurden ebenfalls treffend besetzt, wobei insbesondere Kojo Attah als charismatischer Journalist und Antonia Bernath als zickige, divenhafte Schauspielerin überzeugen können. Die kurze Laufzeit von nur 83 Minuten sorgt dafür, dass keinerlei Leerlauf zustande kommt.
Und trotzdem ragt Einladung zum Mord 2: Das Rätsel von Kairo nicht über Mittelmaß hinaus. Zu formelhaft laufen die Ermittlungen, zu klein die Liste der Verdächtigen und Schwupps ist man auch schon bei der Auflösung. Stephen Shimeks Regiearbeit bietet ebenfalls wenig optische Einfälle oder spannende Situationen (von einer kleinen Verfolgungsjagd einmal abgesehen), so dass der Film weitestgehend wie eine TV-Produktion ausschaut. Teil 1 habe ich nie gesehen, nach Teil 2 brennt es mir aber auch nicht unbedingt unter den Nägeln, den ersten Fall von Miranda Green zwingend nachzuholen. Ein typischer Fall von kann man machen, muss man aber nicht.

Mir lag zur Rezension die DVD in Rohling-Form vor. Die Bildqualität war entsprechend. Die Synchronisation ist hochwertig. In den Extras gibt es ein Interview mit Regisseur Stephen Shimek.
Wer Krimis im Stil von Agatha Christie mag und bereits alle Folgen von Mord ist ihr Hobby durchgesuchtet hat, der wird an Einladung zum Mord 2: Das Rätsel von Kairo mit Sicherheit seine Freude haben.
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