Hier einmal wieder eine Rezension zu einem der Titel, die schon ein wenig länger auf meinem Rezensionsstapel schlummern. Nachdem ich überraschenderweise vom ersten Teil der Musicalverfilmung von Wicked sehr angetan war, blickte ich dem Sequel – und damit dem Finale der Geschichte – wohlwollend entgegen. Im Kino verpasste ich meine Chance, da aber UNIVERSAL PICTURES, im Vertrieb von PLAION PICTURES, den zweiten Teil mittlerweile im Heimkino veröffentlichten, konnte ich den Film mit Cynthia Erivo und Ariana Grande, die mit ihren Interviews zum Kinorelease beinahe für mehr Aufsehen sorgten als der Film selbst, endlich nachholen. Ob meine Begeisterung weiterhin anhielt?

Originaltitel: Wicked: For Good
Regie: John M. Chu
Darsteller: Cynthia Erivo, Ariana Grande, Ethan Slater, Jonathan Bailey, Michelle Yeoh, Jeff Goldblum
Artikel von Christian Jürs
Ein volles Jahr mussten die Musical-Fans auf das Sequel zu Wicked – Teil 1 warten, ehe ihnen Wicked – Teil 2 präsentiert wurde, der im Original den deutlich interessanteren Titel Wicked: For Good trägt. Eine ganz schön lange Wartezeit für Musicalfans, die bei den Live-Aufführungen zwischen beiden Hälften maximal dreißig Minuten warten mussten. Mittlerweile kann man im Heimkino einfach beide Filme am Stück ansehen, was allerdings zu einem Mammutwerk von beinahe fünf Stunden führen würde. Auch für Nicht-Fans wie mich ein eindeutiges Indiz dafür, dass hier einiges dazu gedichtet wurde.

Nachdem die eigentlich gutmütige Elphaba (Cynthia Erivo) vom Zauberer von Oz (Jeff Goldblum) und seiner Beraterin Madame Akaber (Michelle Yeoh) als Böse Hexe des Westens diffamiert wurde, weil sie sich für die Rechte der sprechenden Tiere im Land einsetzt, lebt diese versteckt im Untergrund. Untätig bleibt Elphaba jedoch nicht und sabotiert so gut es geht den Bau der gelben Ziegelsteinstraße, zu dem die Waldbewohner als Lasttiere missbraucht werden. Derweil wird die unfähige Hexe Glinda (Ariana Grande) als Symbol des Guten propagandiert, um die Stimmung im Volk positiv zu halten. Bei der Einweihung der Ziegelsteinstraße kündigt sie ihre Verlobung mit Fiyero (Jonathan Bailey), dem neuen Hauptmann der Sturmwache, an. Der hegt aber noch Gefühle für Elphaba und macht sich auf die Suche nach ihr, nicht um sie zu einzufangen, sondern aus Sorge um ihr Wohlergehen. Die versucht derweil, die Tiere zu animieren, um ihre Rechte zu kämpfen. Hilfe erhofft sie sich von ihrer Schwester Nessarose (Marissa Bode), die mittlerweile zur Gouverneurin des Manschkinlandes ernannt wurde. Doch aus Angst, ebenfalls für eine Hexe gehalten zu werden, verwehrt sie ihre Hilfe. Elphabas darauffolgender Wutausbruch führt zu einer Katastrophe.

Hach ja, was soll ich hier schreiben? Die Fans des Musicals waren selbstverständlich begeistert von Wicked – Teil 2 und feierten, sangen und weinten gemeinsam in den Kinosälen. Ich kann nur meine neutrale Meinung zum Besten geben und die lautet: Ich war ein wenig enttäuscht von diesem zweiten Teil. Schauspielerisch und gesangstechnisch bleibt meine hohe Wertung des Erstlings bestehen. Cynthia Erivo, Ariana Grande, Jeff Goldblum und alle anderen sind hier in ihrem Element. Lediglich Michelle Yeoh bewies hier erneut, dass sie zwar toll spielen, aber mies singen kann. Doch während Wicked – Teil 1 eine echte Spaßbombe war, geht es hier deutlich ernster und düsterer zu. Das liegt bei der Geschichte natürlich in der Natur der Sache, immerhin musste in Wicked – Teil 2 der Weg zu Das zauberhafte Land aka Der Zauberer von Oz geebnet werden. Am Stück gesehen durchaus sinnvoll, doch schaut man Wicked – Teil 2 als Einzelfilm, so geht ein wenig der Spaß an der Sache abhanden. Es ist ein wenig, als hätte man zuerst Harry Potter und der Stein der Weisen geschaut und wechselt im Anschluss direkt zu Harry Potter und die Heiligtümer des Todes. Mir fehlte deutlich der spaßige Schulalltag des Erstlings. Viele der Songs im ersten Teil hatten zudem mehr Ohrwurm-Potential und die Figuren, die hier, trotz Verlängerung gegenüber dem Musical, gehetzt durch den Plot eilen, gingen mir nicht mehr so nahe. Statt eines aufgeplusterten fünf Stunden-Musicals hätte mir vermutlich ein komprimierter Einzelfilm von drei Stunden Länge deutlich besser gefallen. Trotzdem wird sich wohl jeder, der sich den ersten Teil angeschaut hat und der daran Gefallen hatte, auch den zweiten Teil geben – und die Fans werden eh um den Kauf für ihr Sammlerregal nicht umhinkommen. Letztlich bleibt es Geschmackssache. Handwerklich sind beide Filme jedenfalls gleichauf und geben ein stimmiges Ganzes ab.

Mir lag die Blu-ray in Rohling-Form zur Rezension vor. Wie auch beim ersten Teil hat man die Wahl, den Film auf deutsch, englisch oder in deutscher Sprachfassung mit englischem Gesang (meine favorisierte Wahl) anzuschauen. In den Extras findet man einen Audiokommentar von Regisseur Jon M. Chu, die englische Filmfassung als Sing-Along-Version (Karaoke), geschnittene Szenen, ein Making-of und weitere Featurettes.
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