Ursprünglich für die Theaterbühne konzipiert, konnte Extrawurst bereits deutschlandweit große Erfolge feiern, ehe im Januar dieses Jahres die Geschichte als Ensemblefilm auf die Kinoleinwand gebracht wurde. Die mit Schauspielern wie Hape Kerkeling, Christoph Maria Herbst, Anja Knauer, Friedrich Mücke und Fahri Yardim bestens besetzte Comedy-Verfilmung fand in den Lichtspielhäusern großen Anklang und bewies Ausdauer in den Kino-Charts. Jetzt bringt STUDIOCANAL die Erfolgskomödie ins Heimkino. Ob der Film wirklich so gut ist, wie allgemein behauptet, davon habe ich mich einmal selbst überzeugt.

Regie: Marcus H. Rosenmüller
Darsteller: Hape Kerkeling, Fahri Yardim, Anja Knauer, Christoph Maria Herbst, Friedrich Mücke
Artikel von Christian Jürs
Regelmäßige Leser dieser Seite wissen es bereits: Ich bin nicht der größte Fan des deutschen Films der letzten Jahre. Statt Genre-Kino gibt es eigentlich immer wieder nur dramatische Aufarbeitungen, Kinderfilme und natürlich Komödien. Daher war ich zunächst auch nicht allzu neugierig auf Extrawurst, als die Ensemble-Komödie für die Kinos angekündigt wurde. Da die Resonanz jedoch ziemlich positiv ausfiel und der Film von Marcus H. Rosenmüller (Wer früher stirbt, ist länger tot) sich wacker in den Kino-Charts halten konnte, blieb mir keine Wahl – ich musste wissen, warum ausgerechnet hier das Interesse so groß war. Letzten Samstag war es dann so weit, die per Post eingetroffene Blu-ray landete im Player.

Im kleinen Kaff Lengenheide ist mal wieder Mitgliederversammlung im hiesigen Tennisclub. Wie schon seit 25 Jahren, leitet Heribert Bräsemann (Hape Kerkeling) die Veranstaltung. Ihm zur Seite steht sein Stellvertreter Matthias Scholz (Friedrich Mücke), den Bräsemann jedoch kaum zu Wort kommen lässt. Alle Themen scheinen schnell abgehandelt zu sein, selbst die kostspielige Anschaffung eines neuen, modernen Grills für die Vereins-Feste, scheint in Windeseile abgenickt zu werden. Wäre da nicht die aus Berlin stammende Melanie Pfaff (Anja Knauer), die vor zwei Jahren mit ihrem Ehemann Torsten (Christoph Maria Herbst) zugezogen ist. Sie bildet mit dem ebenfalls dem Verein zugehörigen Erol Oturan (Fahri Yardim) das erfolgreichste Tennis-Duo in Lengenheide. Beide sind somit unverzichtbar für den Club. Melanie schlägt daher vor, für ihren muslimischen Tennispartner und seine Familie einen Zweit-Grill anschaffen zu lassen, da diese, aus Glaubensgründen, ihr Fleisch nicht neben den Schweinewürsten der anderen Vereinsmitglieder garen dürfen und somit benachteiligt sind. Zwar betont Erol, dass dies wegen ihm nicht nötig sei, doch Melanie beharrt auf ihren Punkt und löst eine Debatte aus, die immer mehr aus den Fugen gerät, bis schließlich alles im Chaos versinkt.

Was für eine Überraschung. Extrawurst ist tatsächlich eine (beinahe) rundum gelungene Komödie. Der Cast ist super und alle Darsteller überzeugen, auch wenn Christoph Maria Herbst natürlich wieder nur sein Christoph-Maria-Herbst-Ding durchzieht – allerdings deutlich witziger als im letzten Stromberg-Film. Hape Kerkeling, Fahri Yardim, Friedrich Mücke und Anja Knauer sind ebenfalls toll und auch Milan Peschel als Hausmeister Hans-Günther, eine Figur, die im Theaterstück keine Rolle spielt, unterhält bestens. Die Konfrontation erinnert ein wenig an Roman Polanskis Gott des Gemetzels, natürlich ein wenig seichter – aber ebenso lustig und entlarvend. Jeder nimmt sich hier wichtig, jeder hat Vorurteile, auch wenn er dies nicht eingestehen möchte – und niemand möchte Veränderungen. Extrawurst zeigt auf ironische Weise, was hierzulande derzeit oftmals falsch läuft. Dem Deutschen wird gehörig der Spiegel vor die Nase gehalten – und das ist gut so.
Lediglich auf der Zielgeraden stört die Abweichung zum Theaterstück ein wenig, denn in den letzten Minuten konnten sich die Macher ein kleines, turbulentes Action-Momentchen nicht verkneifen und verfallen dabei in albernen Slapstick, der nicht zum Ton des Films passen möchte. Die Schluss-Pointe reißt es dann aber wieder raus und hinterließ mich mit einem breiten Grinsen. Das hat lange kein deutscher Film mehr geschafft. Chapeau!

Mir lag die Blu-ray zum Film vor, die in einer schicken, roten Hülle ausgeliefert wird. Ein Wendecover ohne FSK-Logo ist vorhanden, im Bonusbereich befinden sich ein Making Of und der Kinotrailer.
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