Hier kommen Freunde von Horror-Anthologien und Found Footage-Streifen voll auf ihre Kosten. Die V/H/S-Reihe startete im Jahr 2012, damals noch ohne Zusatz im Titel. Mittlerweile ist die Reihe auf stolze acht Filme (Spin-offs nicht mitgerechnet) erweitert worden, wobei der neueste Teil (V/H/S – Halloween) hierzulande noch auf seine Veröffentlichung wartet. LEONINE STUDIOS veröffentlichte kürzlich diesen sechsten Teil der Reihe (man kann die Filme in wahlloser Reihenfolge schauen) ungekürzt mit FSK 18-Freigabe im Heimkino. Erneut entführen euch verschiedene, horrorerfahrene Regisseure (u.a. Scott Derrickson), in die grausame Welt des Horror auf Videoband.

Regie: David Bruckner, Scott Derrickson, Natasha Kermani, Mike P. Nelson, Gigi Saul Guerrero
Darsteller: Evie Bair, David Bruckner, Mike P. Nelson, Kelli Garner, Anna Sundberg, Jordan Belfi
Artikel von Christian Jürs
Erst Ende letzten Jahres stellte ich an dieser Stelle V/H/S/94, den vierten Teil der Anthologie-Reihe, vor. Damals bemängelte ich, dass man das Bildformat nicht adäquat umgesetzt hatte, denn VHS konnte damals zwar durchaus Breitbild-Formate aufgespielt haben, allerdings nicht anamorph, sondern stets an den Seiten zum 4:3-Format zusammengestaucht, was die Macher nicht bedacht hatten. Dieses Manko tritt in V/H/S/85 nicht auf. Hier wirkt alles ziemlich authentisch. Vom Bildformat bis hin zu Trackingproblemen und anderen Bildaussetzern. Ein echter Trip in die Vergangenheit, zumindest formal gesehen. Doch wie steht es mit dem Rest?

Wir sehen den Inhalt eines (?) VHS-Bandes, auf dem diverse Videoaufnahmen gespeichert wurden. Den Rahmen bildet dabei die Geschichte eines Teams von Wissenschaftlern, die ein merkwürdiges, passives Wesen studieren, welches seine Gestalt wandeln kann und nicht so harmlos ist, wie es scheint. Ein kleiner, im Abgang blutiger Splatter-Spaß, inszeniert von David Bruckner (Hellraiser – Das Schloss zur Hölle).
Die nächste Geschichte hinterlässt zunächst Rätsel. Eine Gruppe ausgelassener Freunde macht Camping-Urlaub am See. Doch was ein großer Spaß werden sollte, endet in einem Blutbad, welches aber nicht so tödlich endet, wie es zunächst den Schein hat. Hier war der Regisseur Mike P. Nelson (Silent Night, Deadly Night). Erinnert stark an die Floß-Episode aus Creepshow 2. Was zu diesem Zeitpunkt irgendwie unvollständig wirkt, entfaltet sich später zu einer genialen Idee.
Es folgt die meiner Meinung nach schwächste Episode, inszeniert von Regisseurin Gigi Saul Guerrero (Satanic Hispanics), in der das Team eines TV-Studios in ein Erdbeben gerät, welches eine boshafte Gottheit erweckt, die allen nach dem Leben trachtet. Found Footage-Standard von der Stange.

Der Mittelteil gehört Regisseurin Natasha Kermani (Lucky – Der Terror kommt nachts), die uns die frühe virtuelle Realität entführt. Doch das Spiel mit den Dämonen der Computerwelt entpuppt sich als großer Fehler. Cool inszeniert und geil getrickst, aber inhaltlich weder überraschend, noch sonderlich aufregend. Dank der Kürze der Geschichte aber durchaus unterhaltsam.
Dann kommt ein kleines Highlight. Eine The Purge-artige Familiengeschichte, die mit reichlich Ironie und einer genialen Pointe aufwarten kann. Erneut inszeniert von Mike P. Nelson und das auch noch ziemlich raffiniert. Mehr möchte ich aus Spoiler-Gründen hier nicht verraten.
Die letzte Geschichte ist dann das i-Tüpfelchen der Anthologie. Ein Kurzfilm, inszeniert von Scott Derrickson, der uns The Black Phone und Black Phone 2 kredenzte und hier einen wirklich gruseligen und cool inszenierten Slasher präsentiert, der mit einer wohl durchdachten Auflösung aufwartet und außerdem im gleichen Universum wie seine beiden Kino-Hits spielt (auch wenn das eigentlich egal ist).

V/H/S/85 reiht sich qualitativ dort ein, wo sich auch der Großteil der anderen Teile befindet. Eine gute Horror-Anthologie, die man aber auch schnell wieder vergessen hat. Teilweise recht gory. Damals, 1985, hätte die FSK das niemals durchgewunken. Gutes Futter für Horror-Fans. Die Synchronisation ist gut, die Bildqualität halt VHS, der Ton ist gut (besser als es VHS damals war). Im Bonusbereich gibt es Trailer. Ein Wendecover ohne FSK-Logo soll vorhanden sein, ich hatte aber nur den Rohling vorliegen.
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