Es ist nun schon zehn Jahre her, dass man im Hause TURBINE MEDIEN erfolgreich gegen die Beschlagnahme dieses deutschen (!!!) Hexen-Folter-Exploitation-Streifens vorging. Wenn ich meinen, mittlerweile fast volljährigen, Kindern heute noch erzähle, dass sowas damals hierzulande verboten war, sie schütteln nur noch verständnislos mit dem Kopf. Tja, Zeiten ändern sich halt und damals waren die Jugendschützer darauf bedacht, uns vor diesem gewaltverherrlichenden Schmutz zu bewahren. In Zeiten des Internets und der gestiegenen Medienkompetenz unserer Jugend, erscheint das natürlich nur noch wie ein schlechter Witz. Doch abseits der Zensur ist dieses, für den Heimatfilm-geprägten, deutschen Film der damaligen Zeit ein immer noch interessantes – und erstaunlich hartes – Zeitdokument. Jetzt erschien die ultimative Mediabook-Veröffentlichung als 4-Disc-Edition, inklusive 4K UHD mit HDR und Dolby Vision.

Regie: Michael Armstrong & Adrian Hoven
Darsteller: Udo Kier, Herber Lom, Olivera Katarina, Reggie Nalder, Herbert Fux, Gaby Fuchs
Artikel von Christian Jürs
Obwohl ich seit frühester Jugend großer Horrorfilm-Fan bin, habe ich mich mit dem Inquisitions-Genre lange Zeit nicht beschäftigt. Tatsächlich entdeckte ich erst vor wenigen Jahren den Vincent Price-Klassiker Der Hexenjäger aus dem Jahr 1968. Den hier vorliegenden Hexen bis aufs Blut gequält holte ich flugs nach, schon weil mich die Besetzung rund um Udo Kier, Herbert Lom und Herbert Fux neugierig machte. Inszeniert wurde der Streifen zunächst von Michael Armstrong (Das Haus der langen Schatten). Doch dessen Vision wich weitgehend von der, die Produzent Adrian Hoven hatte, ab. Ersterer wollte einen Horrorfilm drehen, doch Hoven schwebte ein normaler Hexen-Verfolgungs-Film mit Sex und Gewalt vor. Und so wurde Armstrong gefeuert und durch Hoven himself ersetzt. Vom ursprünglichen Ende des Films, in dem Udo Kiers Charakter von bereits getöteten Hexen in die Hölle hinabgezogen wird, existieren heute lediglich Fotos – und aus Hexen wurden zu Unrecht gerichtete und gefolterte Frauen.

Gleich zu Beginn werden wir Zeuge, wie barbarisch Menschen sein können, damals wie heute. Wir befinden uns am Beginn des 18. Jahrhunderts in einem Dorf in Österreich. Zur allgemeinen Volksbelustigung wird ein Mann geteert und gefedert und vom wütenden Mob gejagt, vermeintliche Hexen werden öffentlich auf dem Markt verbrannt – niemand scheint vor der Willkür der Oberen sicher zu sein. Albino, der Hexenjäger (Reggie Nalder), entscheidet, wer friedlich leben darf und wer des Teufels ist und gerichtet wird. Als die attraktive Gastwirtin Vanessa (Olivera Katarina) sich seinen sexuellen Nötigungen erwehrt und den bestialischen Tyrannen mit dem Messer verletzt, bezichtigt er auch sie als Hure Satans. Gerade, als er beginnt, unmenschliche Hexentests vor den Augen der Gäste an ihr durchzuführen, erscheint der attraktive Christian de Meron (Udo Kier) vor Ort und weist Albino in seine Grenzen. De Meron ist Lehrling beim Inquisitor Lord Cumberland (Herbert Lom), der fortan im Dorf die Schirmherschaft über die Hexenverurteilungen übernehmen wird – sehr zum Ärger von Albino, der fürchtet, dass sein schreckliches Treiben auffliegen könnte. Doch Cumberland ist nicht weniger grausam. Er lässt Albino durch seinen Henker (Herbert Fux) auspeitschen und bezichtigt Vanessa ebenfalls der Hexerei. Für Christian, der sich mittlerweile in die junge Frau verliebt hat, zerbricht eine Welt.

Im Gegensatz zum 1973er Nachklapp Hexen geschändet und zu Tode gequält, den Adrian Hoven nach dem internationalen Erfolg von Mark of the Devil, wie Hexen bis aufs Blut gequält international vermarktet wurde, inszenierte, wirkt dieser Film hier weder harmlos noch unfreiwillig komisch. Die Besetzung passt wie die Faust aufs Auge (wobei Reggie Nalder im Quasi-Sequel eine ganz ähnliche Rolle nochmals aufnehmen durfte). Für Udo Kier war es der Start in eine angesehene, internationale Karriere, die bis zu seinem Tod anhielt. Herbert Fux nimmt man den brutalen Henker ebenfalls jederzeit ab und Herbert Lom spielt den, zunächst gesittet erscheinenden, jedoch absolut kranken Inquisitor mit echter Größe. Einen legendären Auftritt bekam Gaby Fuchs spendiert, nämlich den mit der legendären Zungen-Folter. Im Folgejahr durfte sie mit der spanischen Werwolf-Ikone Paul Naschy das Bettchen in Nacht der Vampire teilen – ein kleiner Kultfilm, der dringend eine Neuauflage benötigt. Wären sie und Olivera Katarina tatsächlich Hexen, ich würde für die beiden Schönheiten ein Auge zudrücken und mich verzaubern lassen.

Der heimliche Star des Films ist aber die wunderschöne Kulisse Österreichs, die sich bis heute kaum verändert hat (wie man im Bonus-Material feststellen kann). Unterlegt mit der düdeligen Musik von Michael Holm, die auch bestens unter einen Heimatfilm mit Peter Alexander und/oder Lieselotte Pulver gepasst hätte, ergibt sich eine ganz eigene, surreale Atmosphäre. Und ja, ich meine genau den Michael Holm, dessen Tränen nicht lügen! Dabei sollte man allerdings nicht vergessen, dass der Mann auch den Soundtrack von Hobo with a Shotgun komponiert hat – crazy shit.
Die Folter- und Hinrichtungsszenen sind erstaunlich hart geraten, aber natürlich auch leicht zu durchschauen. Die unfreiwillige Komik, die man dem Film hier und da nachsagt, konnte ich allerdings nicht ausmachen. Hexen bis aufs Blut gequält ist ein tolles Beispiel dafür, dass in Deutschland (bzw. Österreich) eben doch Genre-Ware entstehen kann. Es müssen sich nur Produzenten finden, die den Mut hierzu besitzen.

Farbenfroh und trotzdem mit Filmkorn kommt die neue 4K-Restaurierung daher. Den Ton gibt es sauber auf Deutsch und Englisch wahlweise in 5.1 oder 2.0. Trailer, sowie drei Audiokommentare, davon zwei auf Englisch von Michael Armstrong und einen auf Deutsch mit Gaby Fuchs, Percy Hoven, Udo Kier, Dieter Menz, Wigbert Wicker und Uwe Huber gibt es obendrauf. Die beiden Bonus-Discs sind prall gefüllt mit diversen Interviews (Bonus-Disc 1), den Dokumentationen Mark of the Times und Hallmark of the Devil, sowie einer Location-Tour, Radio-Spots und knapp 40 Minuten an Outtakes (Bonus-Disc 2). Wem das an Bonus noch nicht ausreicht, der kann sich am ausführlichen Booklet, verfasst von Christoph N. Kellerbach, sattlesen. Sammler haben die Qual der Wahl bei sechs verschiedenen Cover-Varianten (oder kaufen gleich das ganze Set).
Turbine Shop:
Mediabook – Cover A (4K UHD & 3 Blu-rays)
Mediabook – Cover B (4K UHD & 3 Blu-rays)
Mediabook – Cover C (4K UHD & 3 Blu-rays)
Mediabook – Cover D (4K UHD & 3 Blu-rays)
Mediabook – Cover E (4K UHD & 3 Blu-rays)
Mediabook – Cover F (4K UHD & 3 Blu-rays)