Mittlerweile ist auch der Mittelteil der geplanten, neuen Horror-Trilogie von Danny Boyle und Alex Garland im Heimkino erschienen. SONY PICTURES, im Vertrieb von PLAION PICTURES, servieren uns den blutrünstigen Endzeit-Schocker, der beim Kinoeinspielergebnis hinter den Erwartungen zurückblieb, in mehreren Editionen, inklusive Steelbook. Die Geschichte rund um den Jungen Spike, der den durchgeknallten Jimmys in die Hände gefallen ist, wird ebenso fortgeführt wie die Storyline rund um Dr. Kelson, der eine unerwartete Entdeckung macht, die die Zukunft der verbliebenden Menschheit bedeutend beeinflussen könnte. Ob sich 28 Years Later: The Bone Temple trotz des schwachen Einspielergebnisses lohnt, verrate ich euch jetzt in meiner Kritik.

Regie: Nia DaCosta

Darsteller: Ralph Fiennes, Alfie Williams, Jack O´Connell, Erin Kellyman, Maura Bird, Chi-Lewis Parry

Artikel von Christian Jürs

Achtzehn Jahre lagen zwischen dem zweiten Teil 28 Weeks Later und dem lang erwarteten 28 Years Later, den Danny Boyle, nach einem Drehbuch von Alex Garland, letztes Jahr in die Kinos brachte. Die ausgehungerten Fans belohnten das Ende der langen Wartezeit mit einem weltweiten Box-Office von gut 150 Millionen Dollar, wodurch der Film einen lukrativen Gewinn einspielte. Das offene Ende sollte die Fans neugierig machen auf den zweiten Teil der als Trilogie geplanten Fortsetzung. Doch der von Nia DaCosta (The Marvels) inszenierte Streifen floppte gnadenlos und spielte, bei einem Budget von 63 Millionen Dollar, gerade einmal 58 Millionen Dollar wieder ein. Zum Glück von Garland und Boyle gab Sony Pictures bereits vor dem Kinostart grünes Licht zum finalen dritten Teil, den Herr Boyle wieder höchst selbst inszenieren möchte. Doch hier soll es nun erstmal um 28 Years Later: The Bone Temple gehen.

Warnung: Wer 28 Years Later noch nicht gesichtet hat, sollte den Handlungs-Block überspringen aufgrund massiver Spoiler!

Nachdem Spike (Alfie Williams) seine Mutter verlor und auf sich allein gestellt, ohne die Hilfe von Dr. Ian Kelson (Ralph Fiennes), seines Weges ging, fiel er den Jimmys in die Hände. Die sind eine brutale, sektenartige Gang, angeführt vom sadistischen Sir Lord Jimmy Crystal (Jack O´Connell). Der zwingt sein Gefolge, hellblonde Perücken zu tragen, verpasst ihnen den Einheitsnamen „Jimmy“ und zieht mit ihnen mordend durch das öde Land. Spike muss sich zunächst in einem tödlichen Zweikampf behaupten und wird danach unfreiwillig in der Bande aufgenommen.

Parallel macht Dr. Ian Kelson, der seinen eigenen Knochentempel errichtet hat, eine sensationelle Entdeckung. Einen „Alpha“-Zombie, bzw. Infizierter, der ihn regelmäßig aufsucht, tauft er Samson (Chi Lewis-Parry). Dr. Kelson sediert den Infizierten und beginnt, temporär wieder menschliche Züge in ihm zu wecken. Zwischen den beiden Außenseitern entwickelt sich eine bizarre, friedliche Bindung. Doch dann entdecken die Jimmys den Knochentempel und Sir Lord Jimmy Crystal ist sich sicher, seinen Gebieter in Kelson entdeckt zu haben.

28 Years Later: The Bone Temple entfernt sich weitestgehend von der ursprünglichen Zombie-Thematik. Wobei wir es hier ja eh nie mit Zombies zu tun hatten, darauf legt Danny Boyle seit 28 Days Later bereits wert. Diesmal aber tauchen die rasenden Verrückten nur noch am Rande auf. Im Zentrum des Geschehens stehen die beiden oben erwähnten Geschichten, wobei die Story zwischen Dr. Kelson und Samson ein wenig an die Beziehung zwischen Bub und Dr. Logan in Zombie 2 – Das letzte Kapitel aka Day of the Dead erinnert. Alex Garland geht in seinem Drehbuch aber einen Schritt weiter – was das bedeutet, verrate ich hier natürlich nicht. Der Part zwischen den beiden ist der stärkere Teil des Films, denn Regisseurin Nia DaCosta, die übrigens auf Spielereien wie das Filmen mit Smartphones verzichtet, gelingen hier einige erstaunlich intime Szenen über Vereinsamung und Annäherung. Zumal Ralph Fiennes einmal mehr richtig stark aufspielt.

Der andere Teil mit den Jimmys, die ihre eigene, brutale Religion leben, ist da eher Standard im Endzeit-Film-Genre. Dies haben wir zur Genüge bereits in der Serie The Walking Dead mit dem Gouverneur und anderen Völkern gesehen. Das heißt nicht, dass die Nummer nicht spannend ist, schließlich fiebert man mit dem Jungen Spike mit und hofft, er möge irgendwie aus der Nummer herauskommen. Immerhin, Jack O´Connell spielt herrlich ekelhaft und man wartet quasi jede Minute darauf, dass ihm jemand die Eingeweide aus dem Leib reißen möge.

Apropos Gewalt: Hier wird, obwohl der Film eher ruhig angelegt ist, nochmal eine ordentliche Schippe gegenüber den Vorgängern draufgelegt. Die Jimmys gehen nicht zimperlich zu Werke, gleiches gilt für die Menschen, die sich gegen diese erwehren. Hier und da erfreute ich mich am Leiden besagter Blondschöpfe, wenn es mal einen von ihnen an den Kragen geht. Man sollte also eine ordentliche Blutsuppe vertragen können, wenn man sich zu 28 Years Later: The Bone Temple eine Schüssel Nachos mit Salsa-Dip gönnt.

Insgesamt ist 28 Years Later: The Bone Temple ein durchaus gelungenes Sequel, dessen End-Szene Lust auf mehr macht. Angeblich sollen 2027 die Dreharbeiten zum finalen Teil stattfinden. Mal sehen, ob der Abschluss überzeugen wird. Wer zur physischen Veröffentlichung greift, bekommt obendrauf einen Audiokommentar von Regisseurin Nia DaCosta, drei kleine Featurettes, Outtakes und kurze, geschnittene Szenen.

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