Dies ist nicht der letzte Schrei! Kein Wunder, schließlich spielte Scream 7 weltweit mehr als 200 Millionen Dollar ein, trotz eher mäßiger Kritiken. Jetzt veröffentlichte PARAMOUNT PICTURES, im Vertrieb von LEONINE STUDIOS, die Rückkehr von Neve Campbell aka Sidney Prescott (jetzt Sidney Evans) im hiesigen Heimkino. Regie übernahm diesmal Franchise-Erfinder Kevin Williamson, der durchweg bemüht war, alte und neue Fans zufriedenzustellen. Dabei war die Entstehungsgeschichte des siebten Teils mehr als abenteuerlich und für so manchen Beteiligten der wahre Horror.

Regie: Kevin Williamson
Darsteller: Neve Campbell, Isabel May, Courteney Cox, Mason Gooding, Matthew Lillard, Anna Camp
Artikel von Christian Jürs
Eigentlich sollte Scream 7 an seinen Vorgänger anschließen und die Geschichte der beiden Carpenter-Geschwister weitererzählen. Gerüchten zufolge sollte, die in Scream VI äußerst brutal gegen Ghostface vorgegangene, Sam im siebten Teil selbst unter der Maske des Killers stecken. Dann aber wurde Hauptdarstellerin Melissa Barrera gefeuert und auch Jenna Ortega nahm ihren Hut, schließlich hat sie mit der Serie Wednesday ausreichend zu tun. Dies bewog schließlich den vorgesehenen Freaky-Regisseur Christopher Landon ebenfalls dazu, die Segel zu streichen. Das Projekt stand also wieder am Null-Punkt. Ein Notfall-Plan musste her – und der klang erstmal vielversprechend.

Kevin Williamson, Drehbuchautor von Scream – Schrei, Scream 2 und Scream 4 wurde für Regie und Drehbuch verpflichtet und mit ihm ebenfalls Neve Campbell, die in Scream VI aufgrund von Unstimmigkeiten zwischen ihren Gagen-Forderungen und dem Angebot, welches ihr unterbreitet wurde, ausgesetzt hatte. Courteney Cox, die in allen Vorgängern auftrat, ist auch diesmal mit an Bord und um den Bogen zu den beiden Vorgängern zu spannen, kehren diesmal auch Mason Gooding und Jasmin Savoy Brown als Chad und Mindy zurück. Zwei Charaktere, die im fünften Teil mit dem irreführenden Titel Scream noch gut in den Cast eingegliedert wurden, im Nachfolger jedoch bereits zu reinen Comic-Relief-Charakteren mutierten. Insbesondere Mindy mit ihrem ständigen Franchise-Gelaber ging zumindest mir dermaßen auf den Geist, dass ich ihr ein frühes Ableben gewünscht hätte. Doch Pustekuchen, sie ist wieder da und leider immer noch nur zur reinen Belustigung wieder dabei. Doch bevor ich weiter kritisiere, kommen wir erstmal zur Handlung.
Sidney hat sich fernab von Woodsboro mit ihrem Ehemann Mark (Joel McHale) und ihrer Teenager-Tochter Tatum (Isabel May), sowie einer kleineren Tochter, die allerdings gerade bei Oma Urlaub macht, ein neues Leben aufgebaut. Als Chefin eines kleinen Cafés verdrängt sie die Vergangenheit und weicht stets den Fragen ihrer Tochter aus, damit die ein sorgenfreies, sicheres Leben führen kann. Doch mit der Ruhe ist es aus, als sich ein neuer Ghostface-Killer bei ihr meldet und sich ausgerechnet als Stu Macher (Matthew Lillard) ausgibt, einem der beiden Original-Killer, der eigentlich mit einem Fernseher auf dem Kopf zu Tode gebrutzelt wurde. Lebt Stu etwa noch, oder handelt es sich um einen üblen Scherz? Zum Lachen ist Sidney jedenfalls nicht, denn plötzlich geschehen die ersten Morde im Bekanntenkreis ihrer Tochter und das Grauen beginnt erneut.

Scream 7 geht den sicheren Weg und strotzt nur so vor Fanservice. So steigt der Freund (Sam Rechner) von Tatum, deren Name ebenfalls eine Anspielung ist, heimlich durchs Fenster in ihr Zimmer und erzählt, welchen gekürzten Horrorfilm er gerade im Fernsehen gesehen hat. Unterlegt natürlich von Don´t fear the Reaper. Natürlich gibt es auch wieder eine Ausgangs-Sperre, unterlegt mit Nick Cave und auch der alte „Du musst ihm in den Kopf schießen„-Gag wird bis aufs Maximum ausgereizt. Gähn! Alles nach dem Motto: Kennste, kennste, verstehste?
Kevin Williamson geht stets auf Nummer sicher – und verzettelt sich trotzdem. Zwar wissen die Atmosphäre und auch einige blutige Morde zu gefallen und auch die Riege der Verdächtigen ist groß, aber gerade hier gibt es viele Mankos. So werden mögliche Täter eingeführt, nur um in der zweiten Hälfte einfach aus dem Film zu verschwinden. Die Idee, Stu wieder auferstehen zu lassen sollte ursprünglich schon in Teil 3 stattfinden und gefällt, die eigentliche Auflösung ist aber ein echter Downer. Noch in keinem Teil zuvor war die Demaskierung egaler und banaler (und das nach dem Blödsinn im direkten Vorgänger). Man merkt, dass hier einfach jemand aus dem Hut gezaubert wurde, eine echte Idee existierte diesmal definitiv nicht. Emotional gibt es auch einige Fehlentscheidungen. Während der Moment, in dem Gale auf den verstorbenen Dewey angesprochen wird, gelungen ist, ist es den Überlebenden gegen Ende ziemlich wumpe, dass gerade so ziemlich jeder aus ihrem Bekanntenkreis das Zeitliche gesegnet hat. Alles an hier möglicher Emotionalität wird zugunsten eines coolen Spruchs geopfert. Das ist zwar kein Ärgernis, aber eine vertane Chance.

Im Großen und Ganzen werden Scream-Fans bekommen, was sie sich erhoffen, nicht mehr und nicht weniger. Für einen siebten Teil ist die Nummer immer noch hochwertig produziert. Andere Reihen waren hier schon bei kleinen Budgets und merkwürdigen Plot-Entscheidungen, wie etwa die Telekinese-Nummer in Freitag der 13. Teil VII – Jason im Blutrausch. Scream 7 ist da deutlich hochwertiger und auch durchaus unterhaltsam, sofern man Fan des Genres ist und den ein- oder anderen Blödsinn ignorieren kann. Trotzdem ist es natürlich ärgerlich, dass talentierte Darstellerinnen wie Mckenna Grace (Ghostbusters: Frozen Empire) quasi gar nichts zu tun bekommen, außer den Titelsong singen zu dürfen. An die Qualität der ersten Teile wird das Franchise vermutlich nie wieder anknüpfen können. Ein großer Mist, wie das Legacy-Sequel Ich weiss, was Du letzten Sommer getan hast aus dem letzten Jahr ist er aber auch nicht geworden.
Mir lag zur Rezension die Blu-ray in Rohling-Form vor. Bild- und Tonqualität sind über jeden Zweifel erhaben, die Synchronisation ist sehr gut (und beinhaltet alle noch lebenden Sprecher des Originals). Im Bonusbereich befinden sich diverse Featurettes, entfallene Szenen und das Musik-Video zu Twisting The Knife von Ice Nine Kills featuring Mckenna Grace.
Amazon Partner Links: