Regisseur Park Chan-wook bezeichnet den vorliegenden Film als sein wahres Regiedebüt und würde seine ersten beiden Filme von 1992 und 1997 am liebsten vergessen machen. Sein wahres Debüt Daleun scheiterte kläglich und auch der zweite Film Saminjo war in jeder Hinsicht ein Rohrkrepierer. Der Meister brauchte etwas Anlauf und bessere Produktionsbedingungen, um endlich so arbeiten zu können, wie er es sich vorstellte. Das war bei JSA – Joint Security Area der Fall und endlich kam Park Chan-wook zu einer Arbeit, die er als sein wahres Debüt bezeichnete. Zwischen JSA und seinen beiden Erstlingen müssen kreative Welten liegen, gänzlich andere Universen, denn plötzlich strotzen seine Filme vor Qualität und JSA wurde der Abräumer an der Kinokasse in Korea. Plötzlich hatte man Park Chan-wook ein Durchstarter, der neue Mann am Regiehimmel, und die Produzenten öffneten den Geldbeutel für Parks Vengeance-Trilogie. Der Rest ist Filmgeschichte. 26 Jahre ist es nun her, dass Park das neue, koreanische Kino international nach vorne brachte, flankiert von einer aufbrechenden Filmlandschaft, die nun nach und nach einen qualitativ hochwertigen Kinofilm nach dem nächsten produzierte. Plötzlich wurde in den 2000er-Jahren das koreanische Kino ein begehrter Filmtipp in der Videothek. Bei uns zumindest. Und JSA zählte als Geheimtipp dazu. Es wird also Zeit, dieses kleine-große Krimidrama, angesetzt in der faszinierenden Kulisse der am schwersten bewachte Grenze der Welt in der Nähe des 38. Breitengrades, erneut zu sichten. PLAION PICTURES brachte den spannenden Klassiker des koreanischen Kinos jetzt im Mediabook heraus.

Originaltitel: Gongdong gyeongbi guyeok JSA

Regie: Park Chan-wook

Darsteller: Lee Yeong-ae, Lee Byung-hun, Song Kang-ho, Kim Tae-woo, Shin Ha-kyun, Christoph Hofrichter

Artikel von Kai Kinnert

Die Grenze zwischen Nord- und Südkorea gleicht einem Pulverfass. In der Sicherheitszone kam es zu einem Schusswechsel, bei dem drei Menschen ums Leben kamen. Die Wachposten auf beiden Seiten werfen sich gegenseitig vor, den Vorfall provoziert zu haben. Sophie, eine Schweizerin mit koreanischen Wurzeln, wird damit beauftragt, den Fall zu untersuchen. Es ist ihr erster Besuch in ihrer Heimat – und sie muss schnell feststellen, dass hier niemand ein Interesse an der Wahrheit zu haben scheint.

Park Chan-wook deutet im Audiokommentar den Grund an, warum JSA – Joint Security Area so „anders“ geworden ist als die damals üblichen Kinoproduktionen. „Es ist das Licht. Kein Filmemacher interessierte sich damals für das Licht, das war egal“, meinte er im Audiokommentar, hier zusammengefasst zitiert. Das koreanische Kino war bis zu diesem Zeitpunkt fast immer wie ein TV-Film ausgeleuchtet, was mir schon damals den Film Phantom: The Submarine von 1999 versaute. Den Bildern fehlte Tiefe, es fehlte eine Einteilung in Vorder-, Mitte und Hintergrund, was, in Verbindung mit dem „flachen“ Licht, ein langweiliges Bild produziert. Park Chan-wook hatte dies irgendwie entdeckt und trat nun an, das alles besser zu machen. Und ohne seine beiden Frühwerke gesehen zu haben, vermute ich, dass Park Chan-wook einen Quantensprung nach vorne machte und sich JSA – Joint Security Area qualitativ grundlegend vom Rest abhob. Drehbuch, Bildgestaltung, Schnitt, Kameraführung und die stramme Inszenierung lassen JSA – Joint Security Area auf mich nicht wie ein „Debüt“ wirken, sondern wie der Film eines gestandenen Filmemachers, der weiß, was er tut. Park Chan-wook hat ein Gespür für Kino, für Geschichten. Für Bilder. Für Tempo und für Atmosphären. Also alles, was man für ein Kinobild benötigt. Und Atmosphäre hat JSA – Joint Security Area genug. Mag der Film im Grunde auch nur auf kleiner Fläche spielen und nur wenig wechselnde Drehorte haben, so ist dies, dank der Umgebung der Grenzsicherungen und des Schilfmeeres, von maximaler Atmosphäre. Und gerade im Schilfmeer scheinen gerne mal ein paar Patrouillen unterwegs zu sein, doch man muss aufpassen, nicht in die Minenfelder zu geraten. Manchmal fackeln die südkoreanischen Posten das Schilf ab, um besseren Blick auf den Feind zu haben. Das lässt dann stets die Minenfelder als Feuerwerk des Todes am nächtlichen Himmel funkeln.

Die „gemeinsame Schutzzone“ (JSA) ist ein Abschnitt am 38. Breitengrad, die unter der Aufsicht der NNSC steht, der Neutralen Überwachungskommission in Korea, welche sich aus der Schweitz, Polen und Schweden zusammensetzt und die nun herausfinden soll, wie es zu zwei toten nordkoreanischen Soldaten im Grenzposten kommen konnte. Dabei ist JSA weniger ein Thriller, sondern mehr ein Drama. Entgegen aller Ideologie haben sich – per Zufall – nord- und südkoreanische Soldaten angefreundet und es wird deutlich, dass in Nord und Süd die gleichen Menschen leben, mit den gleichen Bedürfnisse, Sorgen und Wünschen. Man vergisst den politischen Unterschied und man versüßt sich die Dienstzeit mit gemeinsamem Tee trinken und Zigarette rauchen. Bis ein Offizier die Szene sprengt und die Ideologie sich nun in die kleine Gruppe hineinfrisst. Die Lage eskaliert. Menschen sterben. Doch wer ist der Täter, was wurde aus der Freundschaft?

Park Chan-wook bringt alles auf einen Punkt. Zu Anfang zeigt er diverse Möglichkeiten, was da im kleinen Wachhäuschen passiert sein könnte und dröselt dies im Laufe der Spielzeit nach und nach auf.  Dabei gelingt ihm eine schöne Klammer, die mit dem fotografierenden Touristen am berühmten Grenzübergang beginnt und in der letzten Einstellung aufgelöst wird: hier zeigt Park Chan-wook das Foto, das dort entstand. Was soll man sagen, das ist eine fantastische Idee gewesen, ein runder, schöner Moment, der diesen Film sauber und satt in sich ruhend abschließt. Zugleich ist dies auch alles ein Hinweis darauf, wie gut und durchdacht Park Chan-wook seine Filme plant und dreht.

Es gibt sicher einige sehenswerte Filme aus dem „Aufbruch“ des koreanischen Kinos in die moderne, internationale Kinowelt zu entdecken, dieser hier gehört in jedem Falle dazu. JSA – Joint Security Area ist bis heute ein zeitlos gutes Krimidrama, mit dem Park Chan-wook schon mal eine ganz große Duftmarke in die Filmlandschaft setzte. Und wir wissen, dass er dieses angedeutete Versprechen der Qualität auch halten konnte.

Das Bild der gesichteten Blu-ray ist sauber, satt und klar, der Ton ist gut. Als Extras gibt es einen Audiokommentar von Regisseur Park Chan-wook, Audiokommentar von Cast & Crew, sowie dem Autor der Buchvorlage „DMZ“, Park Sang-yeon, Isolierter Musik- und Effekte-Track JSA: Jenseits der Grenze (ca. 53 Minuten), Making-of Featurette (ca. 54 Minuten), Making the Film (ca. 14 Minuten), Interview mit Regisseur Park Chan-wook und Darsteller Song Kang-ho (ca. 24 Minuten), Interview mit Darsteller Shin Ha-kyun (ca. 6 Minuten), Einführende Worte zu JSA von den Darstellern (ca. 2 Minuten), Hinter den Kulissen (ca. 13 Minuten), Aufnahmen von der Zeremonie zum Drehbeginn (ca. 3 Minuten), Aufnahmen von der Demilitarisierten Zone (ca. 13 Minuten), Musikvideo “Letter from a Private” (ca. 5 Minuten), Musikvideo “Take the Power Back” (ca. 4 Minuten), Originaltrailer und TV-Spot Trailer, sowie ein 20-seitiges Booklet mit einem Text von Stephan Fasold.

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