Der Schwabe Roland Emmerich war Ende des 20. Jahrhunderts der gewinnbringendste, deutsche Regie-Export. Nach seinem Sommer-Hit-Blockbuster Independence Day standen ihm alle Tore weit offen. In den kommenden Jahren mauserte er sich zum verlässlichen Science Fiction- und Katastrophen-Film-Spezialisten. Einen Ausbruch aus diesen Genres wagte er zur Jahrtausend-Wende mit diesem Historien-, Kriegs- und Abenteuer-Film-Hybriden, in dem Mel Gibson und Heath Ledger im Unabhängigkeits-Krieg für Gerechtigkeit kämpfen. Zwar war der Streifen eher mäßig erfolgreich und auch weitestgehend aus meiner Erinnerung wieder gelöscht, doch jetzt hat SONY PICTURES, im Vertrieb von PLAION PICTURES, ein 4K-Steelbook veröffentlicht und ich habe, nach Jahren, wieder einen Blick riskiert – und war durchaus überrascht.

Originaltitel: The Patriot

Regie: Roland Emmerich

Darsteller: Mel Gibson, Heath Ledger, Jason Isaacs, Joely Richardson, Chris Cooper, Tchéky Karyo, Tom Wilkinson

Artikel von Christian Jürs

Wenn Roland Emmerich einen neuen Blockbuster ins Kino brachte, dann war ich meist zur Stelle. Egal ob Universal Soldier, Independence Day, Godzilla, Day after Tomorrow oder 2012 – er war ein Garant, um sich anspruchslos, laut und kitschig unterhalten zu lassen. Lediglich 10.000 BC und den hier vorliegenden Der Patriot ließ ich damals links liegen und lieh die Filme erst später auf VHS aus der hiesigen Videothek. Tatsächlich konnte ich mich auch überhaupt nicht mehr an Letzteren erinnern, lediglich eine blutige Szene mit einer Kanonenkugel hatte ich noch vor Augen. Ich war also gespannt, wie Der Patriot bei mir heute, 26 Jahre später, wirken würde.

Zwischen 1775 und 1783 fand der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg statt, bei dem sich die dreizehn Kolonien gegen ihre Abhängigkeit von der britischen Kolonialmacht wehrten. Unterstützung erhielten sie dabei von den Franzosen, die maßgeblich am Erfolg der Unabhängigkeitsbewegung beteiligt waren. Die entscheidende Schlacht bei Yorktown im Jahr 1781 war es schließlich, die die Kampfhandlungen beendete und die Briten in die Knie zwang und zur Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika führte. Die Handlung von Der Patriot setzt im Jahr 1776 ein, also mitten in die bereits stattfindenden Kampfhandlungen.

Die Bevölkerung von South Carolina wird aufgerufen, sich am Unabhängigkeitskrieg zu beteiligen. Doch der Plantagenbesitzer Benjamin Martin (Mel Gibson) weigert sich, an den Kampfhandlungen aktiv teilzunehmen. Zum einen, da er als Witwer seine sieben Kinder großziehen möchte, zum anderen, da seine eigenen Taten aus dem Siebenjährigen Krieg tiefe Narben hinterlassen haben. Diese Einstellung teilt sein ältester Sohn Gabriel (Heath Ledger) jedoch nicht. Er schließt sich, gegen den Willen seines Vaters, der Kontinentalarmee an.

Zwei Jahre ziehen ins Land, als Gabriel plötzlich schwer verwundet vor der Tür seines Vaters steht. Überglücklich, seinen Sohn wieder zu haben, pflegen Benjamin, seine Kinder und die Arbeiter auf dem Hof, ihn und weitere, verwundete, amerikanische Soldaten gesund. Leider erreicht kurz darauf eine britische Dragonereinheit unter dem berüchtigten Colonel William Tavington (Jason Isaacs) die Farm. Dieser kennt keine Gnade und lässt die verwundeten Soldaten hinrichten. Als er außerdem das Anwesen niederbrennen und Gabriel als Spion abtransportieren lässt, um diesen ebenfalls hinrichten zu lassen, greift sein fünfzehnjähriger Bruder Thomas (Gregory Smith) ein. Dies bleibt nicht ohne Folgen, denn Tavington erschießt den Jungen daraufhin kaltblütig. Für Benjamin ist damit der Moment gekommen, wieder zu den Waffen zu greifen und das zu tun, was er am besten kann. Er befreit Gabriel und zieht erneut in den Krieg – getrieben vom Gedanken an Rache.

Heute ist Roland Emmerich nur noch ein Schatten seiner selbst. Moonfall war sein mit Abstand schlechtester, weil langweiliger, Weltuntergangs-Film und jetzt liebäugelt er auch noch mit KI. Schade, denn in den Neunzigern bis hin zu seinem ultimativen Kaputt-Mach-Streifen 2012 galt er als Wunderkind in Hollywood. Klar, seine Filme waren oft kitschig, unrealistisch und vorhersehbar – jedoch zumeist beste Popcorn-Ware. So auch Der Patriot, der uns eine fiktive Abenteuer-, Kriegs- und Rache-Geschichte präsentiert, die wie ein Mix aus Braveheart, Fackeln im Sturm, Vom Winde verweht und Mad Max (!) wirkt. Ja, es wird hier und da kitschig und trieft vor Pathos (wer hätte das bei einem Film, der den Titel Der Patriot trägt, auch anders erwartet?). Ja, die freundschaftliche Behandlung der Farbigen Angestellten („Wir sind keine Sklaven, wir sind freie Männer!“) ist Schönfärberei. Wenn man das aber schluckt, dann bekommt man hier ein knapp dreistündiges Epos mit großen Massenszenen, ein wenig Splatter und noch größeren Emotionen geboten. Mel Gibson spielt souverän wie immer, der junge Heath Ledger überzeugt als aufsässiger Sohn und Jason Isaacs ist herrlich hassenswert. Doch auch der Rest des Casts, bestehend aus hochkarätigen Mimen wie Tchéky Karyo, Tom Wilkinson, Joely Richardson und Chris Cooper weiß zu gefallen. Hinzu kommt, dass niemand geringerer als John Williams den tollen Score komponiert hat. Insgesamt ist Der Patriot also großes, klassisches Abenteuerkino, wie man es heute nur noch selten bis gar nicht zu sehen bekommt.

Bislang waren Kinofassung und Extended-Cut separat erhältlich, jetzt bekommt Ihr das Double-Feature (wobei der Extended-Cut wenig Mehrwert hat) in einer Edition. Mir lag die Scheibe mit der Kinofassung zur Rezension vor. Bild- und Tonqualität sind großartig. Bei den Extras findet man einen Audiokommentar mit Regisseur Roland Emmerich und Produzent Dean Devlin, diverse Featurettes, Trailer und eine Fotogalerie.

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