Ich war mal wieder auf dem Holzweg. Als Der Babadook damals in den Kinos anlief, ließ ich den Horrorfilm links liegen, da ich hier just another Conjuring– / The Nun- / Insidious-Movie vermutete. Auch in der Videothek (ja, die gab es damals noch) entschied ich mich stets für andere Filme – bis heute. Denn jetzt hat CAPELIGHT PICTURES ein brandneues Mediabook mit 4K-Version auf den Markt gebracht und ich habe mal wieder die Gunst der Stunde genutzt und eine weitere Bildungslücke geschlossen. Dabei wurde ich von einem Gruselfilm überrascht, der weit mehr ist als ein simpler Schocker. Es ist der erste Langfilm der australischen Regisseurin Jennifer Kent, die später mit The Nightingale ebenfalls einen Gruselfilm inszenierte, der mehr dem Genre Drama als Horror zugehörig ist.

Originaltitel: The Babadook

Drehbuch & Regie: Jennifer Kent

Darsteller: Essie Davis, Noah Wiseman, Daniel Henshall, Hayley McElhinney, Barbara West

Artikel von Christian Jürs

Eltern werden ist nicht schwer, Eltern sein dagegen sehr. Dieser neunmalkluge Spruch kam mir bei Sichtung von Der Babadook umgehend in den Sinn, denn was die alleinerziehende Mutter hier an Stress durch ihren Sprössling ertragen muss, ist schon harter Tobak. Zwar ist der Junge nicht ganz so schlimm wie Helena Zengel in Systemsprenger, ein entspanntes Mutter-Kind-Verhältnis sieht aber trotzdem anders aus.

Als Amelia (Essie Davis) damals in den Wehen lag, kam es auf dem Weg ins Krankenhaus zu einem schrecklichen Autounfall, bei dem ihr Mann (Benjamin Winspear) sein Leben verlor. Amelias Leben ist seither von einer bleiernen Erschöpfung geprägt. Die alleinerziehende Mutter versucht verzweifelt, den Alltag zu bewältigen und gleichzeitig ihre tiefsitzende Trauer zu verdrängen. Erschwert wird dies von den Eigenarten ihres Sohnes Samuel (Noah Wiseman), dessen siebter Geburtstag gerade vor der Tür steht. Der Junge wird von extremen Verlustängsten und chronischer Schlaflosigkeit geplagt, baut bizarre und durchaus gefährliche Waffen zur Monsterabwehr, an die er felsenfest glaubt, und treibt sein Umfeld damit zunehmend in den Wahnsinn. Die Schulleitung ist ebenso empört über das Verhalten Samuels, der immer wieder ausrastet, wie seine Tante Claire (Hayley McElhinney), deren Tochter Ruby (Chloe Hurn) ihren gleichaltrigen Cousin nicht ausstehen kann.

Als Amelia eines Abends ein mysteriöses, rotes Pop-up-Buch namens „Mister Babadook“ von ihrem Sohn aus dem Regal zum Vorlesen überreicht bekommt, nimmt das Grauen seinen Lauf. Unheimliche Reime über eine schattige Gestalt mit Zylinder und Klauen machen dem Jungen Angst und nisten sich in seine Psyche ein. Doch schon bald muss auch Amelia feststellen, dass das unheimliche Klopfen an den Wänden und das Flüstern in der Dunkelheit keine Einbildung ist. Der Babadook hat Besitz von ihrem Haus ergriffen – und er nährt sich von dem psychischen Schmerz, den Amelia so lange zu verstecken versuchte. Mehr und mehr übernimmt er Amelias Verstand, die immer aggressiver ihrem Sohn gegenübertritt. Wird der Babadook die Oberhand übernehmen?

Der Babadook von Jennifer Kent funktioniert als Horrorfilm so semi. Das Monster erscheint erst spät und ist nur mäßig gruselig geraten. Hier mal ein Geklopfe, da mal ein Gepolter und ein nicht allzu ausuferndes Finale, bei dem ich im ersten Moment dachte: Das war´s jetzt? – Ja, das war´s – und das ist gut so, denn spannend ist Der Babadook trotzdem – und dazu auch noch weitaus mehr als nur ein Horrorfilm. Das Kernstück der Geschichte ist nicht das Monster, sondern Mutter und Sohn, die ihre Schwierigkeiten miteinander haben. Dabei erscheint zunächst der kleine Samuel als Ausgeburt der Hölle, der herumschreit, als wäre er der kleine Bruder von Damian auf dem Weg in die Kirche. Doch der Schein trügt und mehr und mehr wandelt sich das Blatt. Wie ich bereits schrieb: Eltern werden ist nicht schwer, Eltern sein dagegen sehr – im wahrsten Sinne des Wortes.

Gleich mehrere Preise konnte Jennifer Kents Spielfilm-Debüt in Australien einheimsen. Vollkommen zurecht, denn dass, was der Film uns sagen möchte, bleibt, zumindest bei Eltern, durchaus im Gedächtnis haften. Dass die beiden Hauptdarsteller so gut und intensiv spielen, ist ein echter Pluspunkt. Insbesondere Noah Wiseman bewies hier als Jungdarsteller echtes Ausnahmetalent. Doch auch Essie Davis, die zuletzt in der Serie Alien: Earth zu sehen war, agiert äußerst intensiv. Regisseurin und Drehbuchautorin Jennifer Kent bewies, dass sie eine Vision hatte. Sie hält bis heute die Rechte an Der Babadook und wird einer Fortsetzung, nach eigener Aussage, niemals zustimmen. Sehr sympathisch.

Wie gewohnt ist an der technischen Umsetzung aus dem Hause capelight pictures nichts auszusetzen. Das Bild, insbesondere auf der 4K-Scheibe, ist krass-scharf und am DTS-HD 5.1-Ton ist natürlich auch nichts auszusetzen. Das Mediabook ist zudem optisch ansprechend und schmückt jedes Sammlerregal. Die Scheibe startet mit einem liebevoll animierten Clip und im Bonusmaterial gibt es ebenfalls einiges zu entdecken. Neben einem längeren Making-of und diversen Featurettes befinden sich hier noch diverse Interviews, Trailer und der Kurzfilm Monster (OmU), der quasi als Vorlage zu Der Babadook diente. Abgerundet wird das Ganze mit einem Booklet, in dem ein Interview mit Jennifer Kent abgedruckt wurde. Saubere Arbeit mal wieder, capelight pictures.

Amazon Partner Links:

Mediabook (4K-UHD & Blu-ray)

Steelbook (Blu-ray)

Collectors Edition (Blu-ray & DVD)

DVD

Prime Video

Zurück zur Startseite