Zugegeben, als mir der Titel Mutilator 2 erstmalig angeboten wurde, war mein Interesse nicht sonderlich groß – auch wenn der Regisseur des Originals am Werk war, welches ich eigentlich sehr schätze. Als mir jedoch bewusstwurde, dass Regisseur Buddy Cooper ansonsten nichts anderes gedreht hatte als eben jenen Slasher in den 80ern, fand ich das Ganze schon wieder vielversprechend. Wenn ein Filmemacher nach gut 40 Jahren eine Fortsetzung zu seinem einzigen Film macht, dann ist das schon etwas Besonderes und könnte durchaus interessant werden. Und tatsächlich: Mutilator 2 ist keineswegs der Totalausfall geworden, den die allerorts schlechten Kritiken befürchten lassen – so viel kann ich an dieser Stelle schon mal verraten. Ich war sogar positiv überrascht, gerade auch deshalb, weil Mutilator 2 so gar nicht das ist, was ich erwartet hatte. Nachdem der Streifen letztes Jahr auf Amazon Prime veröffentlicht wurde, sicherte sich LUCKY 7 schnell die Rechte für eine deutschsprachige Veröffentlichung, die am 30. April 2026 auf Blu-ray und DVD in einer Scanavo-Doppel-Box erschienen ist. Das Ganze kommt im Hochglanz-Schuber mit Spotlack-Veredelung und ist limitiert auf 777 Stück.

Regie: Buddy Cooper

Darsteller: Eva Hamilton, Damian Maffei, Mark Francis, Terry Kiser, Ruth Martinez, Bill Hitchcock

Artikel von Holger Braasch

Im Grunde greift Buddy Cooper hier dieselbe Grundidee auf, der sich Ulli Lommel schon 1983 für seine Fortsetzung von The Boogey Man (1980) bediente. Er macht einfach die Entstehungsgeschichte der Fortsetzung zum Thema derselben und dichtet noch eine ordentliche Horror-Story hinzu. Doch während Ulli Lommel damals überhaupt keine Fortsetzung drehen wollte, hatte Buddy Cooper ganz offensichtlich richtig Bock auf Mutilator 2. Und ich finde, das überträgt sich auch auf den Zuschauer. Über durchaus vorhandene inszenatorische und inhaltliche Schnitzer sehe ich da wohlwollend hinweg und genieße einfach die Show. Kommen wir also zum Inhalt von Mutilator 2.

Fast 40 Jahre nach dem Überraschungserfolg von The Mutilator (1984), will es Regisseur Buddy Cooper noch einmal wissen und trommelt einen Teil der damaligen Filmcrew zusammen, um eine Fortsetzung des berühmt-berüchtigten Slashers zu drehen. Wie schon der erste Film, spielt auch die Fortsetzung am Küstenstrand von North Carolina. Doch die Regie führt Cooper diesmal nicht selbst, sondern der etwas überambitionierte Jon (Mark Francis), dem am letzten Drehtag der Kragen platzt. Kurz darauf kommt er unter mysteriösen Umständen ums Leben – ein blutiger Tod, wie ihn sich Jon nicht besser hätte ausdenken können. Nun tritt Inspector Columbo (Damian Maffei) auf den Plan – jupp, der heißt wirklich Columbo, aber dieser Gag wird nicht unnötig ausgeschlachtet, so dass man es schnell als gegeben hinnimmt. Jedenfalls hat Columbo schon die gesamte Crew auf dem Kieker und würde am liebsten sofort mit der Befragung beginnen. Doch die anstehende Filmdreh-Abschluss-Party am Strand macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Es versteht sich von selbst, dass die Party schnell zum Blutbad ausartet, denn der Killer läuft nun erst recht zur Höchstform auf und macht seinem Vorbild aus The Mutilator alle Ehre.

War der Killer im Original schon von Anfang an bekannt, kommt die Fortsetzung mit einem Whodunit-Plot um die Ecke, der zwar relativ schnell die Identität des Killers erahnen lässt, aber um Spannung ging es Buddy Cooper hier auch nicht wirklich, sondern vielmehr um den Spaß am Genre. Natürlich darf man hier keine überragenden schauspielerischen Leistungen erwarten und Buddy Cooper ist sicherlich auch kein Meister seines Fachs (eigentlich war er Anwalt), doch er hat seine Hausaufgaben gemacht und legt mit Mutilator 2 fast schon eine Parodie aufs Filmbiz vor, die durchaus witzig und unterhaltsam mit den Meta-Ebenen spielt. Zugleich ist der Film auch ein ironischer Kommentar zur heutigen Zeit, denn in den knapp 40 Jahren hat sich einiges geändert. Musste man sich damals eher mit Zensurproblemen herumschlagen, so sind es heute selbsternannte Kritiker, nerdige Filmfans und nicht zuletzt die Gewerkschaften, welche die Produktion von Mutilator 2 zu einer Herausforderung machen. Und was geht überhaupt so alles hinter den Kulissen ab? Hier tritt der schmierige Produzent Henry (Carl J Grasso) voll ins Fettnäpfchen, was für so manch herrlich komischen Moment sorgt. Carl J Grasso verkörpert hier quasi Harvey Weinstein, was ihm sichtlich Spaß macht. Doch mit Maskenbildnerin Sandy (Cody Renee Cameron) hat sich Henry die Falsche ausgesucht, was ihn sogleich in eine ziemlich verzwickte Lage bringt. Das ist urkomisch umgesetzt und Cody Renee Cameron erinnert mich in ihrer Rolle irgendwie an P. J. Soles – ein Name, der besonders Horrorfilm-Kennern ein Begriff sein dürfte. Überhaupt wirken die Darsteller gut aufgelegt und Regisseur Buddy Cooper ist als Executive Producer auch mal kurz im Film zu sehen, glänzt aber ansonsten durch Abwesenheit.

Ganz kurz ist auch Jack Chatham zu sehen, der damals den Killer in The Mutilator spielte. Man achte nach 23:52 Min. (Blu-ray-Laufzeit) auf den alten Mann am Tisch im Cafe. In seinem Alter wollte sich Chatham aber nicht mehr groß schauspielerisch betätigen. Aus diesem Grund wird er im Film von Terry Kiser gespielt, der seine Sache sehr gut macht. Am 14. April dieses Jahres verstarb Jack Chatham mit 97 Jahren. Den Kult um The Mutilator konnte er noch miterleben. Möge er in Frieden ruhen.

Im letzten Drittel wird der Film seinem reißerischen Titel dann auch endlich voll gerecht. Wie schon im Original, gibt es auch diesmal ausschließlich praktische Effekte, die nicht selten als solche zu erkennen sind. Aber die Illusion entsteht trotzdem und die Morde sind auch durchaus originell in Szene gesetzt. Wenn zum Beispiel ein Mann beim Sex eine Harpune (oder etwas Ähnliches) durch den Hintern geschossen bekommt, die Haken anschließend aus seinem Mund wieder austreten und er schließlich damit von seiner Sexpartnerin gezogen wird, dann bekommt man durchaus ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Sehr garstig ist auch das Angelhaken-Facelifting im Stil von Michele Soavis The Sect (1991).

Der Inszenierungsstil ist mitunter etwas holprig und mit der Logik (hust) sollte man es ohnehin nicht so genau nehmen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass eine Filmcrew unter diesen Umständen noch eine große Abschluss-Party veranstalten würde. Und im letzten Drittel gibt es eine Szene, die ich zunächst nicht so recht einordnen konnte (der Koch mit dem Tranchiermesser). Erst beim erneuten Anschauen hat sich für mich der Sinn dieser Szene erschlossen. Das hätte ich als Filmemacher anders montiert, damit es nicht so verwirrend wirkt. Aber wie gesagt, bei diesem Film war nicht unbedingt ein Meister seines Fachs am Werk und insgesamt hat Buddy Cooper schon einen ganz ordentlichen Streifen abgeliefert, der aus der Masse angenehm hervorsticht, wie ich finde. Die fast durchweg vernichtenden Kritiken hat Mutilator 2 wirklich nicht verdient.

Am Drehbuch haben unter anderem Jen und Sylvia Soska mitgearbeitet, die mit American Mary (2012) und ihrer Neuinterpretation von Rabid (2019) zwei ebenso ungewöhnliche wie grandiose Genre-Streifen abgeliefert haben. Mutilator 2 wurde auf Digital-Video gedreht, und man sieht auch hier wieder, dass Digital-Video heutzutage nicht mehr trist und kalt aussehen muss, sondern lebendige und natürliche Farben hervorbringen kann, die richtig Sommerstimmung verbreiten – passend zum Setting des Films. Bei den Rückblenden auf The Mutilator, der damals noch auf Film gedreht wurde, hat man allerdings geschludert. Da sind nämlich so einige Frames auf der Strecke geblieben, was zu ruckeligen Bewegungen führt. Hier unterscheidet sich die Blu-ray übrigens nicht von der DVD. Auf beiden Medien ruckelt das Bild an diesen Stellen gleich schlimm, was ganz offensichtlich auf die Postproduktion zurückzuführen ist und nicht auf das Authoring der Veröffentlichung von Lucky 7. Da sich die Rückblenden größtenteils auf die ersten 5 Minuten von Mutilator 2 beschränken, fällt das aber nicht allzu störend ins Gewicht.

Richtig gut gelungen ist die deutsche Synchronisation. Im Gegensatz zur Neusynchro von Tanz der Dämonen (1990), der ebenfalls von Lucky 7 neu veröffentlicht wurde, sind die Dialoge diesmal gut verständlich. Bei den Ausschnitten aus The Mutilator hat man sogar die Original-Synchro aus der deutschen Videofassung verwendet. Und an dieser Stelle muss ich unbedingt noch einmal an Lucky 7 appellieren, ob sie vielleicht doch noch die alte deutsche Synchro von Tanz der Dämonen lizenzieren können. Denn dann hätte dieser Streifen endlich eine rundum perfekte deutsche Veröffentlichung bekommen. Aber zurück zu Mutilator 2.

Bei den Extras sieht es leider ziemlich mau aus. Hier hätten mich Hintergrundinfos und Anekdoten durchaus interessiert. Mehr als zwei Trailer (deutsch und englisch) waren aber offenbar nicht drin. Dafür bekommt man eine ordentliche deutsche Veröffentlichung in schöner Verpackung mit ein paar schönen Beilagen. So liegen ein DIN-A4-Poster und ein Bierdeckel mit dem Covermotiv mit bei.

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