Filme, die das Thema Zeitschleife behandeln, mag ich äußerst gerne. Wenn Personen in einem bestimmten Zeitraum gefangen sind und nicht mehr aus diesem herauskommen, dann wird es in der Regel höchst unterhaltsam. Ob Bill Murray, der in Punxsutawney dem Schneesturm und dem Murmeltier nicht entkommen kann, ob Jessica Rothe, die anstelle ihres Geburtstags einen Happy Deathday erleidet oder Andy Samberg, der eine Ewigkeit in Palm Springs abhängt – all´ diese Filme kommen unglaublich kurzweilig daher und wir lernen, gemeinsam mit den Protagonisten, ihre Umwelt erst so richtig kennen und zu schätzen. So ergeht es auch Emily Browning (Sucker Punch) am Silvesterabend im Jahr 1999. Doch der Unterschied zu den anderen Werken ist, dass sie freiwillig den Abend immer und immer wiederholt. Auslöser hierfür ist, der schreckliche, deutsche Titelzusatz macht dies schnell klar, eine magische Flasche Tequila. PLAION PICTURES spendierte dem Fantasy-Streifen eine Heimkino-Auswertung, die ich mir einmal, ganz ohne Tequila, angeschaut habe.

Originaltitel: One More Shot
Regie: Nicholas Clifford
Darsteller: Emily Browning, Sean Keenan, Ashley Zukerman, Fiona Harris, Olivia Piplios, Hamish Michael
Artikel von Christian Jürs
Wir Deutschen brauchen immer den Erklär-Bär-Untertitel. Da reicht es nicht aus, dass auf dem Cover ein Presse-Zitat bereits auf einen Zeitreise-Film hindeutet, uns muss man an die Hand nehmen. Und so prangt auf dem Cover noch der Titelzusatz: Der Tequila ist ´ne Zeitmaschine. Warum? Das Titelbild mit der mehrfachen Emily Browning, die auch mal eine Flasche Tequila und ein Shot-Glas in der Hand hält, hätte man auch selbst interpretieren können. Dass der Titel verdächtig an Hot Tub Time Machine – Der Whirlpool… ist ´ne verdammte Zeitmaschine (uff) erinnert, ist natürlich Absicht. Doch Vorsicht, auch wenn´s hier ebenfalls lustig zugeht, an den wilden Humor des bislang letzten, guten John Cusack-Films ragt One More Shot – Der Tequila ist ´ne Zeitmaschine zu keiner Zeit heran.

Plaion Pictures möchte ich aber gar nicht anlasten, dass das Marketing sich mal für einen Zusatztitel entschieden hat. Diese haben in Deutschland schließlich eine lange Tradition. Bereits während meiner Kindheit und Jugend liefen Filme mit sonderbaren Zusatztiteln, die allerdings heute quasi vergessen sind. Oder erinnert Ihr euch noch an Top Gun – Sie fürchten weder Tod noch Teufel (!!!) oder, noch besser, an Beverly Hills Cop – Ich lös‘ den Fall auf jeden Fall (Doppel-!!!)? Vermutlich haben das die meisten verdrängt. Also Schwamm drüber und auf zur Inhaltsangabe.
Es ist der letzte Tag des Jahres 1999. Minnie (Emily Browning), die als Anästhesistin im Krankenhaus arbeitet, hat eine besonders miese Schicht, als sie erfahren muss, dass ihr Ex-Freund Cameron (Oliver Coleman) gerade im Begriff ist, Vater zu werden. Dies schmerzt umso mehr, da er ihr immer wieder sagte, dass er keine Kinder haben möchte. Wie sich herausstellt, wollte er lediglich keine Kinder mit Minnie haben. Erschöpft begibt sie sich heim, genauer gesagt in die Wohnung des befreundeten, lesbischen Pärchens Flick (Anna McGahan) und Max (Contessa Treffone), bei denen sie sich schon viel zu lange eingenistet hat. Die beiden legen ihrer Hausbesetzer-Freundin nahe, sich endlich eine eigene Wohnung anzuschaffen.

Doch dafür ist später noch Zeit, denn heute Abend findet die große Millenniums-Silvesterparty unter Freunden bei ihrem anderen Ex-Freund Joe (Sean Keenan) und seiner neuen Freundin Jenny (Aisha Dee) statt, zu der die alte Freundes-Clique aus vergangenen Tagen eingeladen ist. Eigentlich eine Kostümparty, kann sich Minnie lediglich aufraffen, eine seltsame Flasche Tequila, die ihr vor Jahren einmal geschenkt wurde, als Mitbringsel mitzunehmen. Eigentlich sollte es ein schöner Abend unter Freunden werden, doch Minnie eskaliert, als sie erfährt, dass Joe, für den sie immer noch Gefühle hegt, seiner schwangerin (!) Freundin einen Heiratsantrag machen möchte. Als Minnie, die immer noch Gefühle für Joe hegt, die Party mit ihrem Benehmen sprengt, greift sie aus Verzweiflung zum Tequila und nimmt einen kräftigen Schluck als der Pulle.
Dies führt zu einer äußerst merkwürdigen Situation, denn plötzlich steht Minnie wieder vor der der Eingangstür und wird von Joe begrüßt. Zunächst glaubt sie, verrückt zu werden und ein Déjà-vu zu haben. Doch sie findet schnell heraus, dass der Abend sich tatsächlich wiederholt und die magischen Kräfte des Tequilas damit zusammenhängen. Also nutzt sie die Gunst der Stunde und versucht, Joes und Jennys Verlobung zu verhindern. Dies gelingt allerdings nicht auf Anhieb und so nimmt sie immer wieder einen neuen Schluck aus der Flasche, der zwar die Uhr wieder zurückstellt, doch Minnie wird auch stetig betrunkener und damit die Varianten des Abends kurioser.

Wie bereits eingangs erwähnt, liebe ich Filme, die sich in Zeitschleifen abspielen. Auch One More Shot – Der Tequila ist ´ne Zeitmaschine hat mit seiner Laufzeit von nur 88 Minuten einen gewissen Unterhaltungswert und legt ein hohes Tempo vor. Doch bei aller Kurzweil will der Funke nicht so recht überspringen. Emily Browning spielt zwar gut und weitestgehend auch sympathisch. Doch die angetrunkene Chaotin, die man ihr nachsagt, kann man ihr nur schwer abkaufen und es wird zunehmend schwerer, Sympathien für Minnie, aufgrund ihres durchaus zunehmend toxischen Verhaltens aufzubauen. Nichtsdestotrotz unterhält One More Shot – Der Tequila ist ´ne Zeitmaschine über seine Laufzeit hinweg und ist zumindest einen Blick wert.
Die Synchronisation ist gut und auf der Blu-ray (lag mir in Rohlingform vor) findet man in den Extras noch vier Featurettes und Trailer. Wie üblich, wird bei Plaion Pictures aber auch ein Wendecover ohne FSK-Logo bei den physischen Exemplaren an Bord sein.
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