Mit John Woo, dem asiatischen Heiligtum westlicher Actionfans, ist das so eine Sache. Dem Mann verdankt die Welt die stilistische Definition des Heroic Bloodsheds, dem Zerballern von Mensch und Umgebung mit Handfeuerwaffen, gerne beidhändig und mit gestreckter Hechtrolle durch den Raum fliegend, dabei stets ein großes Ziel im Schusswechsel abgebend – so inszenierte sich John Woo in die Herzen des weltweiten Actionpublikums. Andere Hongkong-Filme machten das schon vor John Woo, doch er fand eine angemessen elegante Inszenierung dafür, gespickt mit blutigen Effekten, die hierzulande der FSK die Tränen in die Augen trieben. Und fortan war John Woo gefangen in den Actionerwartungen dieser Welt und bewies mit seinen weiteren Filmen, dass auch der Stil eines Woos seine Grenzen hat. John Woo blieb jahrelang einem gewissen SchickiMicki-Laufsteg-Inszenierungsstil mit viel Gleiten und Rumgeschwenke in halbnahen Einstellungen treu, ohne sich dabei nennenswert in irgendeine Richtung, filmisch wie auch inhaltlich, zu entwickeln. Er machte, was man von ihm erwartete. Mal blutiger, mal zurückgenommener, aber immer irgendwie gleich. Für mich änderte sich das erst mit seinen letzten Filmen, Silent Night und dem Neuansatz von The Killer, in denen er zwar auch nur Action variiert, hier jedoch plötzlich einen gereiften Stil vorweisen kann, der mich neugierig machte. Gerne würde ich auch sein Drama The Crossing (Teil 1 und 2) sehen, es wäre wahrlich spannend zu sehen, wie John Woo das historische Drama um zwei Paare in der chinesischen Revolution inszenierte. Blackjack ist Ende der 1990er entstanden, einer wahrlich fiesen Zeit des Kabelfernsehens, in der man mit viel glossy Unsinn und einer jazzigen Gedöns-Inszenierung den fehlenden Aufwand kaschieren wollte, hier gerahmt von einem andauernd eingespielten Jazz-Saxofon, das wohl großstädtische Eleganz und zeitgleiches Zitat aus Hard Boiled sein sollte. Während heutzutage asiatische Schlachtplatten ungekürzt auf einem der Kanäle unseres Vertrauens laufen, machte man sich damals noch gründlich ins Höschen und verzichtete bei diesen Kabelfernsehen-Events auf die Konfrontation mit Schnittauflagen. Doch John Woo wäre nicht John Woo, würde es nicht trotzdem irgendwie bunt „krachen“. So würde ich den Film Blackjack – Der Bodyguard dann auch eher unter kulturhistorischen Gesichtspunkten betrachten und weniger als enthemmtes Actionspektakel. Inszeniert in einer Zeit, in der man sich nichts traute, wohl aber einen Actionmarkt exklusiv bespielen wollte, ohne zu viel Geld auszugeben. John Woo stellte sich der Aufgabe. ASTRO RECORDS brachte den Gruß aus der Pre-Streaming-Zeit mit einigen Extras nochmal auf Blu-ray heraus.

Originaltitel: Blackjack

Regie: John Woo

Darsteller: Dolph Lundgren, Kate Vernon, Kam Heskin, Fred Williamson, Phillip MacKenzie

Artikel von Kai Kinnert

Jack Devlin, wegen seines Kartenticks auch „Black Jack“ genannt, ist Sicherheitsexperte für Personenschutz. Der Ex-US-Marshall wird damit beauftragt, die einzige Tochter eines milliardenschweren Casinobesitzers aus den Fängen russischer Entführer zu befreien. Devlin fährt sämtliche Geschütze auf und es gelingt ihm, die zu allem entschlossenen Kidnapper in einem Kampf zu eliminieren. Jahre später, Devlin hat sich bereits aus seinem Job zurückgezogen, steht Jack eine erneute Herausforderung bevor. Es geht um das Leben der hochdotierten Laufstegprinzessin Cinder James, die von einem hartnäckigen Psychopathen bedrängt wird. Dummerweise kennt der Bösewicht auch die einzige Schwäche seines Gegners: Der „Schwarze Jack“ kann kein Weiß sehen. Dieses Mal soll es die härteste Herausforderung seines Lebens werden.

Die Story ist wirklich an den Haaren herbeigezogener Unsinn, der zu keinem Zeitpunkt überzeugen kann, wohl aber mit einen smarten Dolph Lundgren charismatisch besetzt wurde. Dolph leidet allerdings unter einem denkbar beknackten Trauma, einer Phobie: Seit seinem Blick in den Blitz einer Blendgranate kann er kein „Weiß“ mehr ab und trägt seitdem Sonnenbrille. Die arme Sau. Doch sobald es wieder „weiß“ wird, bedrohlich „weiß“ also, wie zum Beispiel als Kleopatra in Milch(seen) baden oder in weiße Bäche fallen, in riesige weiße Pfützen stürzen, weiße Wände, weißes Wasser, weißes Licht, what ever…nur „weiß“ muss es sein, Schnee, Zuckerguss, Sperma – und schon wird aus Dolph Lundgren eine orientierungslose Heulsuse, die nix mehr sieht und nach ihrer Mutter jammert. Na gut, ganz so schlimm ist es nicht, aber doch kurz davor.

Diese Kampfmaschine braucht natürlich eine Schwäche, als würde die Eleganz eines jungen, schlanken Dolph Lundgrens und seine tänzerischen Fähigkeiten nicht schon ausreichen, lässt sich Lundgren also vom weißen Licht ins Bockshorn jagen, nur um so Sekunden seiner Menschlichkeit aufzuzeigen. Und, ja, Dolph Lundgren wagt sogar ein kleines intimes Tänzchen mit dem Gelegenheitsmodell Cinder (Kam Heskin) und man fragt sich, warum Dolph Lundgren eigentlich in fast allen seiner Filme so sympathisch rüberkommt, selbst als Universal Soldier. Das mit den Ohren war doch super! Ich mag Dolph und zur Zeit der Dreharbeiten war er topfit, schlank und smart – es wäre spannend, diesen Schauspieler, jetzt wo er älter ist, in komplexeren Rollen zu sehen. Von mir aus auch als Tänzer. Das eigene Image brechen, so wie es van Damme streckenweise schon vormachte, birgt großes Potenzial.

Aber lange Rede, kurzer Sinn: John Woo inszenierte diesen Film fürs Kabelfernsehen natürlich arg heruntergebrochen, geizt aber immerhin nicht mit den Details im Shoot-Out. Blut spritzt zwar keines mehr, dafür aber weiterhin alle möglichen Partikel, Qualm und Splitter, sowie schwarze Einschusslöcher in der Kleidung der Stuntmen. Und ein Motorrad im Zeitlupen-Feuerball gibt es auch, so gesehen bedient Woo alle Knöpfe aus dem Action-Baukasten. Fehlten nur noch die Tauben, die durchs Bild flattern. Es wird geschossen, aber nicht so recht getroffen, dafür gibt es eben dann mehr Handlung.

Blackjack – Der Bodyguard ist in Gänze ein Kind seiner Zeit und damit schon wieder interessant. So bunt, so drüber, so verspielt und mit gespreizten Mätzchen in der Inszenierung, versucht der Film irgendwie alles gleichzeitig zu erreichen. Action, wie man es erwartet, nur ohne dabei zu viel zu riskieren. Ob dieser geschmalzten Inszenierung, gewandet im dünnen Drehbuch, konnte ich meinen Blick nicht mehr abwenden. Heute würde man solche Drehbücher nicht mehr durchwinken. Und John Woo würde heute so nicht noch einmal inszenieren, da bin ich mir sicher.

Blackjack – Der Bodyguard schließt die Lücke in der John Woo Sammlung und zeigt was passiert, wenn man ihm die Blutbeutel wegnimmt. Damit ist dann eigentlich auch schon alles gesagt. 

Das Bild der gesichteten Blu-ray war gut und klar, der Ton war es ebenso. Als Extras gibt es diverse Trailer zum Film, eine Bilder-Galerie, aber auch die TV-Fassung, eine Artwork-Galerie, einen Schnitt-Vergleich und die 4:3 Fassung.

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