Der alte Mann und das Meer. Jason Statham blickt mit seinem Hund von seiner abgelegenen, schottischen Insel in die Ferne. Ein Kutter kommt. Er bringt ihm Lebensmittel. Jason ist Elite-Agent und offiziell im Einsatz gestorben. Nur sein ehemaliger Kamerad, der mit dem Kutter, weiß von ihm. Ebenso ein alter Kollege, der damals mit der digitalen Spurenbeseitigung den Rückzug Stathams in den Untergrund vorbereitete. Und die junge Nichte des Kutter-Kapitäns, die allerdings keine Ahnung von Stathams Black Ops Einsatz hat und ihm die Kiste mit den Lebensmittelns vor die Tür stellt. Das sind die ersten Minuten des Films, dessen Drehbuch sich hier mit seiner gesamten Entwicklung schon am schottischen Horizont deutlich ankündigt: Die Nummer wird gründlich in die Hose gehen, Stathams Undercover-Leben wird in den nächsten Minuten enden. Alles, was folgt, erkennt der erfahrene Actionfilm-Gucker schon anhand Stathams Seemannsmütze und seinem akkuraten Bart. Er wird das Mädchen durch die Action schleppen müssen, wie einst in Transporter, was dem Raubein wahrlich nicht liegt. Er ist Einzelkämpfer. Regisseur Ric Roman Waugh kommt vom Actionfilm (Angel Has Fallen, Shot Caller) und schafft es, trotz der sich schon in den ersten 60 Sekunden am Horizont abzeichnenden Vorhersehbarkeit des Drehbuchs, einen atmosphärischen Anfang zu inszenieren: Er verzichtet auf große Dialoge. TOBIS FILM GMBH, im physischen Vertrieb von LEONINE STUDIOS und digitalem Vertrieb von PLAION PICTURES, brachten den aktuellen Statham-Klopper frisch im Heimkino heraus.

Regie: Ric Roman Waugh

Darsteller: Jason Statham, Bodhi Rae Breathnach, Bill Nighy, Bryan Vigier, Daniel Mays, Naomi Ackie, Michael Shaeffer

Artikel von Kai Kinnert

Der ehemalige Elite-Agent Michael Mason (Jason Statham) lebt auf einer abgelegenen Insel in Schottland. Als er in einem schweren Sturm ein Mädchen vor dem Ertrinken rettet, setzt er damit eine Kette von Ereignissen in Gang, die ihn zurück in die Welt zwingt, der er einst für immer entkommen wollte. Dort muss er nicht nur um das Überleben der Teenagerin kämpfen, sondern sich auch den Dämonen seiner Vergangenheit stellen.

Dank des eher schweigenden Anfangs, getragen durch eine unaufgeregte Inszenierung, einer atmosphärischen Musik und einer ruhigen Kameraführung, schafft Waugh einen lauernden Anfang, der die militärische Professionalität Stathams ohne große Erklärungen spürbar macht. Von mir aus hätte der gesamte Film so reduziert bleiben können, das wäre sogar perfekt gewesen, aber der Film geht nach seinem minutenlangen ruhigen Anfang inhaltlich in die Breite und schiebt Erklärungen nach, die den Film ein wenig gefährden (könnten). Es kommt nämlich digitaler Schnick-Schnack ins Spiel, super-hyperaktuelle Fahndungssoftware mit Nerd-Abkürzungen und einem Super-Special-Killeragenten-Programm, bei dem, Überraschung(!), Statham Best-Agent-Number-One war und den damaligen Einsatz verkackte, weil er plötzlich Empathie zeigte. Und wir wissen alle, wohin Empathie in unserer Gesellschaft führen kann. So kommt dann Bill Nighy ins Spiel, schlank, fast dürr, als Hornbrillen gewandeter MI6-Chef, der mit aller Macht Mason aus dem Wege geräumt sehen will. Denn Mason sollte eigentlich tot sein, was er nun aber augenscheinlich nicht mehr ist, als er nach einem Sturm von seiner abgeschiedenen Insel ans schottische Festland fährt, da das Mädchen, das in den ersten Minuten dank eines Sturmes bei ihm stranden wird, medizinisch versorgt werden muss. Die dramaturgische Albernheits-Gefahr, die durch Schnick-Schnack-Software in Filmen ausgelöst wird (da solche „Software“ stets als dramaturgischer Lösungsansatz für alle Story-Probleme herhalten muss) erfüllt sich hier – dem Drehbuch sei Dank – nicht. Englang ist ja tatsächlich in jeder Ecke vollgestopft mit Überwachungskameras, so dass es dann auch nur wenige Minuten dauert, bis der Geheimdienst eine Meldung bekommt: Verdächtige Person ins Schottland, Terrorgefahr Stufe 1! Masons Gesichts ist nämlich mit einem anderen Gesicht verknüpft, einem ehemals harmlosen Lagerarbeiter aus Syrien, oder sonst woher, der nun allerdings Terrorist geworden ist. Klar, dass beim Geheimdienst die Alarmglocken losgehen und man ein „Team Alpha“ auf die kleine Insel schickt.

Zurück auf seiner Insel verarztet Mason das Mädchen. Das kurze, aufmerksame Winseln seines Hundes lässt Mason dann auch aufhorchen. Tatsächlich. Ein Blick durchs Fenster zeigt, dass die Action gerade in Form von sechs oder acht Agents mit dem Schlauchboot anlandet. Mason warnt das Mädchen und gibt ihr noch zwei Tipps die tatsächlich Sinn machen und bereitet dem Trupp eine angemessene Begrüßung. Ohne das sich die Action und der Schnitt in dümmliche Tempo-Inszenierungen mit Schnittgewitter zurückziehen muss, agiert Jason Statham mit seiner Kampf-Choreographie souverän. Er hat zwei, drei Fallen für die Jungs am Strand vorbereitet und macht den Rest per Hand, was recht präzise, trocken und ohne dämliches Rumgefuchtel über die Bühne geht. Shelter ist ein Film der zurückgenommenen und dennoch übersichtlichen und trockenen Actionchoreografie mit einigen coolen Blocks und Kombinationen, wobei man sich auch nur dann der Action hingibt, wenn es wirklich sein muss. Hier wird also nicht über Gebühr und schon gar nicht aus selbstzweckhaften Gründen agiert.

Nachdem der Trupp auf der Insel erledigt wurde, muss Mason mit dem Mädchen aufs Festland überwechseln und es ist klar, dass beide die Sache nur überleben werden, wenn Mason es schafft, sich bis zu seinem ehemaligen Boss, Bill Nighy, vorzukämpfen. Der versucht dies natürlich mit allen Mittel zu verhindern und aktiviert Workman, dargestellt von Bryan Vigier, einen französischen Stuntman und Schauspieler. Und, ehrlich gesagt, ist der Typ ein ziemlich cooler Gegenspieler. Ich glaube, er hat nicht eine einzige Dialogzeile, dafür aber ein extrem entschlossenes Gesicht und in Sachen Kampf hat er einiges drauf. Der Mann ist ein Torpedo mit Zielvorrichtung und bringt sich mit ein paar Kaliber-50-Schüssen auf Mason fett ins Spiel. Mit ihm wird Mason ein paar harte Fights haben.

Shelter ist, für mich, einer der besten Jason-Statham-Filme der letzten Jahre. Das Setting ist wahrlich das ewig gleiche Genre-Abziehbildchen, doch es wurde von Ric Roman Waugh recht erdig inszeniert und verliert sich auch nicht in zu großes Gedöns. Zwar gibt es, gerade in der zweiten Hälfte des Films, immer wieder mal kurze Dialog-Unterbrechungen zwischen dem Mädchen und Mason, die die Situation und das weitere Vorgehen erklären, aber ich fand das alles erträglich und auch durchaus nachvollziehbar, dort die Inszenierung etwas ruhen zu lassen. Waughn bettet den Film ansonsten in einer atmosphärischen Inszenierung, die durchaus in sich ruht und durch diese Dialoge („Ich habe Angst um dich, Mason! so das Mädchen) nicht aus der dramaturgischen Kurve geworfen wird. Die Action selber ist nicht übertrieben, Mason macht nur was nötig ist, und er achtet auch darauf, dass er keine normalen Polizisten tötet. Die kriegen nämlich alle nur ins Bein geschossen. Ansonsten ist die Martial Arts durch kurze, knackige Kombos mit Übersicht geprägt. Insgesamt ist Shelter ein überraschend kurzweiliger und auch spannender Actionfilm, der dank seines brachial harten Gegenspielers (Bryan Vigier als Workman) kleinere Schwächen im späteren Dialogverlauf vergessen lässt. Für mich war das ein guter Actionfilm!

Das Bild der gesichteten DVD war für eine DVD angemessen, eben etwas flach in den Farben und einer typischen SD-Unschärfe, der Ton war gut. Als Extras gibt es Trailer, Interviews und ein sehr seltsames Making Of. Hier sitzt der Regisseur nur vor der Kamera und erzählt, unterschnitten vom Trailer, was Statham in dem Film machen wird. Selbst südkoreanische Standart-Making-Ofs, die auch immer nur ein 4minütiger Kommerz-Zusammenschnitt aus den Schnipseln der Dreharbeiten sind, haben mehr Informationsgehalt zu den jeweiligen Dreharbeiten als Waughns Trailer-Kommentar. Strange!

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