Linda Blair erlangte mit ihrer Rolle der Regan in Der Exorzist Weltruhm. Doch daran anschließen konnte sie niemals. Eine maue Fortsetzung plus Verurteilung wegen Drogenbesitzes später wandte sie sich dem B-Film zu, um ihre Karriere wieder in Schwung zu bringen. Sex und Gewalt standen also an der Tagesordnung. In diese Kategorie fällt auch Savage Streets, der sich bei uns damals, trotz Zensurkürzungen, zu einem beliebten Videotheken-Hit mauserte (und vorher sogar in den Kinos lief). Nach langen Jahren auf dem Index schenkte man dem Rape and Revenge-Schocker letztes Jahr endlich die Freiheit. Entsprechend erschien der Film in ungekürzter Form, was für die Leute bei SHOCK ENTERTAINMENT natürlich eine Selbstverständlichkeit ist.

Originaltitel: Savage Streets

Regie: Danny Steinman & Tom DeSimone

Darsteller: Linda Blair, John Vernon, Robert Dryer, Linnea Quigley, Kristi Somers, Lisa Freeman

Artikel von Christian Jürs

Ursprünglich war Tom DeSimone als Regisseur von Savage Streets – Die Straße der Gewalt vorgesehen. Mit Filmen wie Mädchen hinter Gittern schien er die perfekte Wahl für einen schlüpfrigen Rape and Revenge-Streifen zu sein. Doch aufgrund kreativer Differenzen, die möglicherweise in Zusammenhang mit der ungesicherten Finanzierung standen, verließ er das Projekt nach nur wenigen Drehtagen wieder und übergab das Regie-Zepter an Danny Steinman. Mit DeSimones Abgang verließ auch Cherie Currie, Leadsängerin der Band The Runaways, das Projekt. Sie wurde durch Linda Blair ersetzt, die beweisen durfte, dass sie seit ihrer Performance in Der Exorzist erwachsen geworden ist. Vor allem körperlich, dafür hat Danny Steinman in einer, für die Handlung existenziell wichtigen (hust) Badewannen-Szene, netterweise gesorgt. Maestro Steinman, der leider 2012 im Alter von 70 Jahren verstarb, inszenierte Zeit seines Lebens leider nur vier Filme.

Da wäre als erstes der 1973 entstandene Hardcore-Streifen High Rise, gefolgt vom 1982´er Slasher The Unseen, den ich unbedingt nachholen muss. 1984 folgte dann der hier besprochene Savage Streets – Die Straße der Gewalt und zu guter Letzt kam dann sein Opus Magnum: Freitag der 13. Teil 5 – Ein neuer Anfang. Wer jetzt meint, ich hätte Lack gesoffen, dem sei verraten, dass ich das vierte Sequel der Kult-Slasher-Reihe mitnichten für einen guten Film halte, aber durchaus für einen zutiefst unterhaltsamen. Es ist äußerst bedauerlich, dass die MPAA diese Liebe nicht teilte und dem durchgeknallten Streifen den Großteil der Gewalt- und Sexszenen herausstrich. Das Material gilt als verloren, was mehr als schade ist. Savage Streets – Die Straße der Gewalt hingegen geizt nicht mit nackten Tatsachen und blutiger Gewalt. Nicht umsonst hatte der Film damals massige Zensurprobleme, auch hierzulande. Doch Schnitte und Indizierung gehören der Vergangenheit an. Shock Entertainment hat den Film unzensiert und in den geschnittenen Szenen aufwändig nachsynchronisiert im Programm.

Die kalifornische Highschool-Schülerin Brenda (Linda Blair) ist ein taffes Mädchen, die unter dem, mit harter Hand für Ordnung sorgenden Schulleiter Underwood (John Vernon) leidet. Nicht, weil er vergeblich versucht, Ordnung in die von Kriminellen unterwanderte Schule zu bekommen, sondern wegen seiner, den Mädchen gegenüber, aufdringlichen und übergriffigen Art. Doch auch unter den Mitschülerinnen hat Brenda nicht nur Freunde. So liegt sie im Dauerstreit mit Cindy (Rebecca Perle), der arroganten Anführerin der Cheerleader. Die ist überzeugt davon, dass Brenda ein Auge auf ihren Loverboy Wes (Brian Frishman) geworfen hat. Tatsächlich aber hat Brenda ganz andere Sorgen. Sie ist die Anführerin der Mädchen-Gang The Satins und die legt sich eines Abends mit den brutalen The Scars an, einer reinen Männergang, die unter der Führung des brutalen Wes (Robert Dryer) nicht nur mit Drogen dealt, sondern auch vor Gewalt nicht zurückschreckt.

Nachdem sich die Mädels das Auto der Jungs aufgrund eines Disputs ausborgen und mit Müll verzierten, sinnt Wes auf Rache. Die Gang schnappt sich Heather (Linnea Quigley), die taubstumme Schwester Brendas, vollzieht eine Gruppenvergewaltigung an ihr und prügelt sie anschließend ins Koma. Brenda ist außer sich vor Schmerz und Trauer. Als Wes auch noch ihre schwangere Freundin Francine (Lisa Freeman) ins Visier nimmt, ist für Brenda die letzte Grenze überschritten. Was folgt, ist ein blutiger Rachefeldzug.

Savage Streets – Die Straße der Gewalt ist durch und durch ein echter Danny Steinman. Der weibliche Cast ist entweder knapp bekleidet (die Kleiderordnung im Highschool-Sportunterricht betont recht auffällig die weiblichen Vorzüge) oder gleich komplett nackt. Die Rape-Szene ist (in der unzensierten Fassung) ausufernd lang. Kein Wunder, dass jemand wie Linnea Quigley hier gecastet wurde. Eigentlich wollte ihre Freundin Brinke Stevens für die Rolle vorsprechen, mit der sie auch in Nightmare Sisters zu sehen ist, doch letztlich bekam Linnea den Zuschlag und Brinke darf sich, zu ihrem und unserem Trost, kurz nackig unter der Dusche zeigen. Danny Steinman sorgte sich halt um seine Darstellerinnen.

Savage Streets – Die Straße der Gewalt ist Exploitation at it´s best – durch und durch. Es gibt ´ne Menge Sex, Gewalt und affiges Overacting, wobei insbesondere Robert Dryer so richtig vom Leder ziehen darf. Aber auch Linda Blair zeigt, vor allem im letzten Drittel, dass eine Oscarnominierung nicht zwangsläufig bedeutet, dass man fortan in eine Riege mit Leuten wie Jodie Foster gezählt werden darf. Wer aber Spaß an fragwürdiger Rape and Revenge-Unterhaltung zu schätzen weiß, der wird sich hier heimisch fühlen. Ich hatte Spaß.

Dies ist nicht die erste Veröffentlichung von Savage Streets – Die Straße der Gewalt aus dem Hause Shock Entertainment. Da die limitierten Erstauflagen aber mittlerweile gar selten sind, gibt es jetzt eine Neuauflage im Scanavo-Case. Bild- und Tonqualität sind für einen 80´er-Cheese-Streifen beeindruckend gut. Die deutsche Tonspur ist, wie bereits erwähnt, vollständig. Im Bonusbereich gibt es Interviews, eine Bildergalerie und Trailer.

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