Trotz der Top-Besetzung soll dies ein eher durchschnittlicher Chang Cheh-Klopper sein. Ehrlich gesagt, kenne ich mich bei Chang Cheh kaum bis gar nicht aus, meine Hongkong Film-Sozialisierung begann mit dem Produktionsjahr 1984. Die Choreografien der alten Filme waren mir stets zu sehr die Flickflack-Nummer aus dem Zirkus mit Schwertern aus Dosenblech. Aber es gibt auch Ausnahmen. Es gibt zwei Lo Lieh Filme, die ich ziemlich gut finde. Auf die Titel komme ich jetzt nicht mehr, aber ich erinnere mich, dass es dort ziemlich heftig aufs Maul gab. Da war irgendwas mit einem Teehaus und dem Vermöbeln von gefühlt 45 Stuntmen, die Lo Lieh in längeren Einstellungen deutlich sichtbar unsanft zu Boden brachte. Angeblich war er bei so manchem Dreh recht unbeherrscht. In der vorliegenden Nummer gibt es zwar auch aufs Maul, aber eben auch jede Menge „Komik“ im Dialog, was damals zu weiträumigen Kürzungen führte. Chang Cheh baute wohl gerne ein paar Gewaltspitzen in seine Filme ein, hielt sich aber hier, trotz der absoluten Top-Besetzung, ungewöhnlich stark zurück. Da Chang Cheh sich gerne am Italo-Western orientierte, könnte er sich für diesen Film Inspiration bei den Trinity-Filmen geholt haben. Warum nicht auch hier das Genre, nach allerlei Gewalt, mal mit Komik auflockern? Hätte klappen können. LUCKY 7 brachte den Film nun ungeschnitten als limitierte Auflage heraus. Hier die Kritik und der Blu-ray-Check von Playzocker Reviews.

Originaltitel: Jiang hu han zi

Regie: Chang Cheh

Darsteller: Fu Sheng, David Chiang, Chi Kuan-Chun, Phillip Kwok, Jamie Luk

Artikel von Kai Kinnert

Während der Qing-Dynastie beginnt eine mysteriöse Mordserie, bei der immer wieder Leichen in einem Wald gefunden werden. Dies zieht die Aufmerksamkeit verschiedener Schwertkämpfer an, die entschlossen sind, die Täter zu finden und Gerechtigkeit walten zu lassen.

Waren die Chang Cheh-Filme so etwas wie eine Art Pre-Miami Vice? In der Serie Miami Vice fanden viele Karrieren ihren Anfang. Wer sich die Serie heute ansieht, kann mindestens fünfzig Namen von Schauspielern und Musikern notieren, die in der Serie ihre ersten Auftritte hatten. Der filmische Anspruch durch Michael Mann sorgte für viel Prominenz vor und hinter der Kamera. Im weitesten Sinne ist es auch bei Chang Cheh so. Irgendwie. Wen haben wir hier dabei?  Der coole Titeltrack zu dem Film, aber auch der Rest der Musik, kam aus Frankie Chans Feder. Der Mann ist bis heute im Geschäft und wurde so etwas wie der Stammkomponist für Wong Kar -Wai, neben seinen Arbeiten für andere Hongkong Filme, wobei auch Schauspiel und Regie dazu gehörten. Dann natürlich David Chiang, der mich in seinen jungen Jahren immer irgendwie an Stephen Chow erinnert und noch immer dick im Geschäft ist. Neben allerlei TV-Serien waren es Filme wie der grandiose Election (2005), Born Hero 2 (1988) oder Kung Fu Killer (2014). Dann Shaw Brothers Haudegen Chi Kuan-Chun (Die sieben Schwerter, 2005) und Fu Sheng, der ob seines Todes im Jahr 1983 nicht mehr zu einer Karriere im modernen Hongkong Film kam. Die Karriere machte dann Phillip Kwok, der in vielen Filmen die Stunts übernahm. Am bekanntesten ist seine Stunt-Arbeit später durch Hard Boiled (1992) geworden, aber auch in Pakt der Wölfe (2001) oder sein Auftritt in James Bond 007 – Der Morgen stirbt nie (1997). Auch Chang Cheh machte bis in die 1990er-Jahre weiter und blieb seinem Genre treu.

Im Grunde also beste Voraussetzungen für krachende 70er-Jahre-Akrobatik, die der Film dann auch liefert, sich dabei aber immer wieder in stotternden Dialogwitz versteigert, der einfach nicht witzig ist. Komik war damals nicht die große Stärke aller Beteiligten, da hilft auch kein Rollen mit den Augen und kein staunendes Gezappel. Das sind die Momente, wo ich insgeheim hoffte, dass David Chiang nicht vielleicht doch ein Verwandter von Stephen Chow sein könnte und er sicher bald seinen komischen Genen freien Lauf lassen wird. Aber nein, die beiden sind nicht miteinander verwandt. Der Witz krepiert schon im Ansatz, schon beim Luftholen. Das erkannte auch der damalige Verleiher für den deutschen Markt und schnitt großzügig die marginale Handlung auf das absolut Nötigste herunter. Vielleicht ist das die bessere Fassung? Für Puristen sicher nicht, für alle anderen schon, denn die Action blieb weitestgehend unberührt und war eh nur selten brutal, da die Basis hier ja das launige Action-Abenteuer sein sollte, gespickt mit nicht ganz so ernsten Momenten. Dafür gibt es viele Stürze und eine ganze Reihe an klassischen Kampf-Choreografien, die viel mit Drehen, Salto, Springen und Hüpfen, sowie dem Verschießen von goldenen Kugeln arbeitet. Wie immer bewegt sich dabei Chang Cheh im altbekannten Kulissen-Setting und bedient dabei seinen etwas opernhaften Inszenierungsstil.

Es ist und bleibt wie beim Italo-Western. Da hat man irgendwann auch nicht mehr aufgehört zu drehen, blieb mit dem stets weniger werdenden Budget oft in den gleichen Kulissen und bemühte nur noch ähnliche Rollenmuster, ohne dem Genre noch eine Überraschung oder Innovation beizufügen. Vielleicht spürte Chang Cheh, dass die Komik nicht so gut funktioniert, der Film durch die längeren Dialoge aus dem Fluss kommt und konzentrierte sich schon bei seinem nächsten Streifen wieder ganz auf die Action.

Auch wenn ich die Leute vom deutschen Anbieter Lucky 7 mag, hat mich dieser Film nicht erreicht. Chang Cheh inszeniert routiniert, ebenso arbeitet seine Besetzung gänzlich routiniert ihre Action-Szenen ab und scheitert dabei am witzfreien Witz. Statt Stottern wären mir Ströme aus Kunstblut lieber gewesen. Oder so ein prügelnder Tornado wie Lo Lieh, bei dem es auch nur wenig Budget gab – aber dafür hat er dann seine Stuntmen ganz ordentlich verprügelt.

Die unbesiegbaren Zwei (die eigentlich zu dritt sind) ist ein Klopper alter Schule, dem damals weiträumig Szenen rausgeschnitten wurden. Meines Erachtens hätte das auch so bleiben können. Ein Film für Fans.

Die Bildqualität der gesichteten Blu-ray ist gut, sauber und klar, der Ton ist gut. Fehlende Stellen wurden deutsch untertitelt. Als Extras gibt es Trailer und eine Bildergalerie. Die Hülle steckt erneut in einem Pappschuber, innen befindet sich der traditionell bedruckte Bierdeckel und ein kleines Filmplakat.

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