Was für ein Name! Eastwood Allen heißt einer der beiden Filmemacher, die diese beeindruckende Dokumentation gestemmt haben. Der Mann mit den zwei Nachnamen im Namen hat filmbegeisterte Eltern, soviel wird nach Sichtung dieses umfassenden Werkes schon mal deutlich. Und diese Begeisterung für Film kondensierte sich in die Produktion ausführlicher Dokumentationen, zuvor ging es um Pennywise und Robert Englund. Und nun eine Dokumentation zu einem seiner Lieblingsfilme, die er als Kind schon sehen durfte (wenn auch durch die elterliche Hand auf VHS gekürzt): RoboCop. Zusammen mit seinem Freund Christopher Griffiths begannen die beiden Briten mit der Produktion ihrer Dokumentation über die spannenden Dreharbeiten zu diesem absoluten Klassiker des Actionkinos. Ihre, anfangs erst kleiner gedachte Dokumentation, begann von selbst im rasenden Umfang zu wachsen, da die 16 Schauspieler und Crew-Mitglieder, die für die Doku ihre Teilnahme zusagten, im stetigen Kontakt mit den anderen Mitgliedern aus der Crew in Verbindung standen und so nach und nach immer mehr Leute begeistert dazu kamen, um von ihren Erfahrungen zu berichten. Am Ende waren eigentlich alle dabei, jeder hat mitgemacht – und das alles wurde nur durch die Begeisterung der beiden Dokumentarfilmer ausgelöst. Als klar wurde, dass sie kein anonymes Filmteam sind, das für irgendeinen Sender eine der üblichen Wegwerf-Dokumentationen drehen wollte, brachen die Dämme. Doch Begeisterung hin oder her, die große Frage ist: Kann man zu RoboCop überhaupt eine vierstündige Dokumentation drehen, ohne das man sich wiederholt? Gibt es überhaupt so viel zu berichten? Ja, kann man. Die beiden Dokumentarfilmer haben ihre Mini-Serie gut im Griff. FREEWIND MEDIA hat diese Dokumentation nun als limitiertes Mediabook herausgebracht.

Regie: Eastwood Allen, Christopher Griffiths

Darsteller: Paul Verhoeven, Edward Neumeier, Peter Weller, Nancy Allen, Michael Miner, Ray Wise, Kurtwood Smith, Mark Goldblatt uvm.

Artikel von Kai Kinnert

RoboCop – ein Film, der das Publikum damals schockierte und die Fantasie einer ganzen Generation prägte. Mit seiner einzigartigen Mischung aus Satire, Humor und spektakulären Special Effects wurde er schnell zu einem Popkultur-Phänomen. Doch der Weg zu diesem dystopischen Sci-Fi-Klassiker war alles andere als einfach. Von Problemen mit dem Anzug über die extrem gewalttätigen Effekte und den eigenwilligen Regiestil bis hin zu Konflikten mit den Filmprüfstellen – die Produktion von RoboCop war geprägt von zahlreichen Herausforderungen. RoboDoc beleuchtet als vierteilige, in sich abgeschlossene und fast fünfstündige Serie dabei jeden Aspekt des Films: Von den Ursprüngen des Drehbuchs über Casting und Produktion bis hin zu den visuellen Effekten, Konzeptdesigns, Soundeffekten, praktischen Effekten, Geschichten vom Set und dem außergewöhnlichen Vermächtnis, das bis heute Filmfans weltweit beeinflusst.

Wow. Ich weiß nun alles über RoboCop. Der Film stammt aus einer Zeit, in der man noch alles von Hand erarbeiten musste, was man dort auf der Leinwand sieht. Dementsprechend viel gibt es im Detail zu berichten, und was soll ich sagen: Das war interessant! Making Ofs interessieren mich sowieso, ich liebe diesen Kram, aber es gibt auch sehr viel Mist in diesem Bereich, der einfach kein Making Of ist – sondern nur eine andere Art des Teasers. RoboDoc hingegen ist nun wahrlich kein Teaser, kein kommerzielles Produkt der Flankierung, sondern ein leidenschaftliches Fanprojekt, das mit großer Professionalität umgesetzt wurde. Das in RoboCop viel Handarbeit zu bewundern ist, sah man ja schon an ED-209, der im Stop-Motion-Verfahren animiert wurde, oder an den Blut-Effekten und den Explosionen. Meine Güte, sogar die Zielerfassung von RoboCop war Handarbeit, die Aufnahmen der Wärmebildkamera während der berühmten Geiselnahme ebenso. Das waren angemalte Neoprenanzüge, die über einen optischen Printer in den Film kopiert wurden (man berichtet hier neidisch von der Wärmebildkamera aus Predator, die man gerne gehabt hätte). Peter Wellers Maske, die ihm täglich stundenlang ins Gesicht geklebt wurde – und am Ende des Tages wieder stundenlang abgenommen wurde. Die Schwierigkeiten mit dem Anzug, das Schwitzen, die Oreo-Kekse, nach denen „Robo“ während der Dreharbeiten oft rief (nicht Peter Weller rief nach Keksen, es war „Robo“), die Stunts, die Drehorte, die ganzen vielen handgemachten Effekte, über all´ das wird berichtet. Auch das Paul Verhoeven immer mehr Blut wollte, seine Crew richtig anschrie, dass sie nichts können, dass ihre Effekte alles scheiße sind, nur Hollywood-Müll ohne Wumms und Druck. Das hat die Amerikaner fast ausflippen lassen, aber Verhoeven schrie immer: „Mehr Blut, mehr Blut ihr Penner!“ Mehr Gas, mehr Wumms – und bitte alle dichter an die Explosion heran gehen! Als die Tankstelle in die Luft flog, flog fast die ganze Straße mit in die Luft. Man hatte nämlich nur die eine Straßenseite gemietet, auf der anderen wohnten ganz normale Leute, die sich alle von den Fenstern fernhalten sollten, da ganze Reihen mit Propangasflaschen in die Luft gejagt wurden und mit echtem Kaliber-50 herumhantiert wurde. Der Knall war derart heftig, dass Polizei und Feuerwehr panisch anrückten, die Klamotten der Darsteller Rauch fingen und echte Splitter durch die Gegend ballerten. Das Team musste sich für den Rest zurückhalten.

Paul Verhoeven war wohl ein anstrengender Kerl am Set, denn er hatte genau Vorstellungen zu RoboCop, den er als eine Art Jesus-Geschichte sah, da Murphey als RoboCop Wiederaufersteht. Sein Hang zum Realismus in der Action stellte Verhoeven schon in seinen kleineren Filmen unter Beweis, hier jedoch wollte er die ganz große Nummer und verlangte den Amerikanern ungewöhnlich viel ab. Alles talentierte Vollprofis – und keiner war es gewohnt, von Verhoeven als Depp beschimpft zu werden, nur weil sie ihre gewohnten Hollywood-Effekte anwenden wollten, die Verhoeven aber scheiße fand. „Mehr Blut!! Das ist alles zu wenig!!“ und schon war man beim X-Rating angekommen. Alles wird in dieser Dokumentation im Detail besprochen. Auch das mit der MPAA und dem X-Rating und wie man den Film am Ende zwar etwas entschärft, aber dennoch blutig durch die Zensur bekam. Man kochte das Gremium einfach weich, in dem man von den beanstandeten Szenen nur noch Einzelbilder entfernte und immer wieder den gleichen Film vorlegte. Da man Filme aber nicht beliebig oft zur Kontrolle vorlegen konnte, wurde der Film irgendwann im bekannten Kino-Cut durchgewunken. Spannend auch die Berichte des Waffenmeisters und es kommt sogar der Typ von OCEAN zu Wort, der RoboCop für die damaligen Spielekonsolen lizenziert bekam. Und nicht jede Anekdote lässt Paul Verhoeven gut aussehen, ein paar Leute hatten während des Drehs einige Probleme mit ihm. Völlig entfallen war mir, dass Jost Vacano die Kameraführung in RoboCop übernahm. Er war der Kameramann für Wolfgang Petersens Das Boot und drehte den kompletten RoboCop mit seiner Boot-Kamera, die Lärm wie eine Nähmaschine machte. Es ist dieser europäische Einschlag, der dem Film seine Ecken und Kanten gab.

In RoboDoc – The Creation of Robocop wird so ziemlich jede wichtige Szene im Detail besprochen. Alle Gewerke erzählen von ihrer Arbeit und den Herausforderungen, die so ein handgemachter Film mit sich bringt. Angefangen vom Dreh der TV-Beiträge, den Videoeffekten, die keine waren, gelungene und misslungene Spezialeffekte, Prothesen, Waffen und Autos, Gebäude, Musik und Geräusche, Schnitt, alternative Aufnahmen, Marketing und Zensur. Alles kommt hier auf den Tisch, über alles wird gesprochen. Und als wäre es nicht genug, gibt es auch noch Extras zur Dokumentation, die einige Themen noch einmal länger besprechen. Ich habe mir die Dokumentation an zwei Abenden angesehen und war sehr angetan davon, dass keine Langeweile aufkommt und sich die Sache nicht wiederholt. Hier und da werden zwar schon einmal angesprochene Dinge erneut aufgegriffen, aber es ist keine Wiederholung, sondern eine Vertiefung des Themas. Wer sich für Film interessiert, darf hier unbedingt zuschlagen, denn diese Dokumentation gibt nicht nur einen Einblick in die Entstehung dieses Filmklassikers, sondern erzählt auch vom Filmemachen an sich. Genau mein Ding. Ich fand die Dokumentation „bombe“!

Das Bild der gesichteten Blu-ray ist sauber, satt und klar, der Ton ist gut. Der Film wurde mit guten Stimmen qualitativ hochwertig auf Deutsch eingesprochen. Als Extras gibt es ein 16-seitiges Booklet, Die Macher hinter RoboDoc, Das Roboteam: Meister der Effekte, Major Firepower: Die Waffen von RoboCop, Call to Action: Die Entstehung von RoboCop, Robo-Cast: Ikonische Zitate, Kunst aus Stahl mit Peter Weller, Part Man, Part Machine, All Videogame: Das RoboCop-Game, Guns! Guns! Guns! – Das Waffenarsenal aus RoboCop, Deutscher Trailer und den Originaltrailer.

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Mediabook (2 Blu-rays)

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