Sie wird im Dezember gerade einmal 25 Jahre jung und doch gehört Billie Eilish jetzt schon zu den wichtigsten und bemerkenswertesten Künstlern der Moderne. Die irischstämmige Sängerin aus Kalifornien begann ihre Karriere von zuhause aus, wo sie gemeinsam mit ihrem Bruder Finneas O’Connell ein paar Songs aufnahm, die er auf Soundcloud hochlud – Der Rest ist Geschichte. Zusammen mit Regie-Legende James Cameron veröffentlichte sie dieses Jahr einen sensationellen Konzertfilm in 3D in den Kinos, den uns PARAMOUNT PICTURES im Vertrieb von LEONINE STUDIOS jetzt im Heimkino präsentieren, wenn auch nur in 2D. Ich habe die Heimkinoanlage einmal auf Anschlag gedreht und mir das Ereignis einmal im abgedunkelten Raum reingezogen. Hier mein Erfahrungsbericht.

Regie: James Cameron & Billie Eilish

Artikel von Christian Jürs

Zunächst einmal der Hinweis, dass ich mit meinen 51 Jahren nicht zur Zielgruppe der Billie Eilish-Fans gehöre und mich auch nie wirklich mit ihrer Musik beschäftigt habe. Klar, No Time to Die, den Bond Song, kenne ich natürlich und habe ihn auch auf meiner Spotify-Playlist. Ansonsten kannte ich bislang aber nur wenige Lieder aus ihrem Portfolio. What Was I Made For? kannte ich noch, ansonsten sieht es mit meiner Vorbildung eher düster aus. Ich ging also recht blauäugig an diesen Konzertfilm heran, den ich vor allen Dingen aus Neugierde, wie es James Cameron gelingen würde das Konzertfeeling einzufangen, sichten wollte.

Konzertfilme gehören nicht erst in den letzten Jahren zum guten Ton auf den Kinoleinwänden. Bereits 1972 entstand beispielsweise Pink Floyd: Live at Pompeii, den ich mir erst vor wenigen Monaten neu remastered im Kino anschauen durfte. Auch der tragische Nachruf Michael Jackson: This is it lockte die Scharen ins Kino. In den letzten Jahren durften Teenie-Mädchen durchdrehen, als Taylor Swift: The Eras Tour auf der Leinwand zu sehen war und jetzt folgte Billie Eilish – Hit Me Hard and Soft: The Tour.

Gleich zu Beginn sehen wir im Zeitraffer, wie die spektakuläre Bühne in der Mitte des Saals aufgebaut wird, die es Billie Eilish ermöglichen wird, sich allen Seiten der Zuschauer-Ränge zu widmen, da sie später oftmals wie ein Wirbelwind über die optisch beeindruckende Stage hetzen und hier und da, ganz Fan nah, Kontakt zu ihren Zuschauern suchen wird. Danach wird Frau Eilish heimlich unter die Bühne gefahren, um aus dem Nichts plötzlich zu erscheinen.

Chihiro lautet der Titel ihres ersten, performten Songs und der heizt das Publikum ordentlich ein. Musikalisch top, ist die Nummer auch optisch ein krasser Overkill in blau. Sieht geil aus und wurde von James Cameron und seinem Team technisch perfekt eingefangen. Hier blitzt und blinkt es im Dauerfeuer, was die Epilepsie-Warnung zu Beginn erklärt. Nach dem Song springt der Konzertfilm ein paar Stunden zurück und zeigt uns die Vorbereitungen und das Warm Up. Dies geschieht im Laufe des Konzerts immer mal wieder. Hier sehen wir Cameron und Eilish hin und wieder im kurzen, intimen Gesprächsaustausch, aber auch ihre liebevolle Interaktion mit wartenden Fans und viele Einblicke mehr hinter die Kulissen.

Diese Einblicke sind jedoch nur kurz und sie nehmen zum Ende hin auch ab, damit wir als Publikum das Konzertfeeling genießen können. Und das kommt cool rüber. Wie gesagt, ich bin und war kein Fanboy von Billie Eilish, zumal die meisten Songs für mich auch unbekannt waren. Doch muss ich zugeben, dass ich hier niemals das Verlangen hatte, einen Song zu skippen oder vorzuspulen. Die Musik ist abwechslungsreich, reicht von Hip-Hop und Rock bis zur Pop-Ballade und auch das Bühnenbild rockt gewaltig. Vor allem aber sind es Momente wie die, in denen Billie Eilish, zwecks Aufnahme eines Loops, die ausverkaufte Halle bittet, mucksmäuschenstill zu sein – und tatsächlich nicht mal ein Huster zu hören ist. Diese Form von Publikumskontrolle ist schwer beeindruckend, ebenso wie die vielen Fans, die immer wieder zu Tränen gerührt sind, wenn die teils persönlichen Songs zum Besten gegeben werden. Billie Eilish, die aufgrund ihrer Tourette- und ADHS-Erkrankungen selbst oft zu kämpfen hat, unter anderem mit teilweise starken Schmerzen, singt sich in ihre Herzen – und das ist nicht nur musikalisch beeindruckend.

Möglicherweise wird sich der ein- oder andere Fan einen tieferen Einblick in die private Billie Eilish gewünscht, doch was James Cameron und sie hier auf die Leinwand, bzw. auf den TV-Bildschirm gezaubert haben, das ist schon eine Wucht. Leider beinhaltet die Disc keinerlei Bonusmaterial. Wozu aber auch, schließlich bietet der Film an sich ja hier und da intime, kleine Einblicke. Nicht nur für Fans empfehlenswert.

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