An den Filmen RoboCop und Aliens – Die Rückkehr ist man wahrscheinlich in den späten 1980ern nicht vorbeigekommen. Filmtitel wie Markennamen, da konnte kein Filmfan „Nein“ sagen. Bei RoboCop habe ich stets den Ed-209 vor Augen und das „Er hat das Waffen-fallenlassen nicht gehört!“, kurz bevor der Typ von ED-209 im X-Rated-Kaliber zerschossen wurde. Oder wenn in Aliens der Tracker verdeutlicht, dass die anrückenden Aliens eigentlich schon lange vor einem stehen müssten, so dicht sollen sie sein. Da begreift man dann zögerlich, dass die Aliens nicht vor einem, sondern über einem sind – und sich gerade durch die Decke ätzen. Alles Gute kommt von oben! Dieses Actionkino hat Generationen geprägt, noch heute zählt Aliens – Die Rückkehr für viele als der Actionfilm schlechthin. James Cameron hat ganze Arbeit geleistet, definitiv. Wie viel Arbeit wirklich hinter dem Projekt steckte, verdeutlicht die kurzweilige und extrem ausführliche Dokumentation von Ian Nathan, der sich hier quasi szenenweise durch den Film arbeitet und sich von den Beteiligten die Entstehung des ikonischen SF-Kriegsfilms im Detail erklären lässt. Das dauert dann knapp fünf Stunden am Stück, liefert tatsächlich neue Einsichten über die Entstehung des Kino-Klassikers und bleibt in jeder Minute kurzweilig. FREEWIND MEDIA brachte die Dokumentation nun im limitierten Mediabook heraus.

Regie: Ian Nathan
Mit: James Cameron, Sigourney Weaver, Lance Henriksen, William Hope, Alec Gillis, Michael Biehn, Jenette Goldstein, Paul Reiser u.v.m.
Artikel von Kai Kinnert
Von Fans für Fans gemacht – Aliens Expanded ist möglicherweise der tiefgründigste Deep-Dive zu einem einzigen Film, der je erstellt wurde. Über vier Stunden lang beleuchtet die epische Dokumentation die Entstehung des Films, basierend auf mehr als 30 brandneuen Interviews mit James Cameron, Sigourney Weaver, Michael Biehn, Lance Henriksen, Paul Reiser – dem gesamten Hauptcast – sowie wichtigen Crewmitgliedern, Experten und Fans. Von der visionären Idee Camerons bis zum triumphalen, oscarnominierten Release nimmt Aliens Expanded die Zuschauer mit auf eine außergewöhnliche Reise durch ein perfektes Sequel. Casting, Charaktere, Training, legendäre Dialoge, dramatische Todesszenen, der Kampf mit der Königin – alle Triumphe und Herausforderungen werden beleuchtet. Bewegende Hommagen an Al Matthews und Bill Paxton runden das Werk ab. Mit faszinierenden Einblicken in Technologie, Genre-Geschichte, Filmindustrie und die weltweite Fangemeinde eines Films, der niemals altert, ist Aliens Expanded von Fans für Fans gemacht.

Oh wie schön, Ian Nathan hat sich nach Aliens Expanded an einen weiteren Klassiker des Science-Fiction-Horror-Kinos gemacht: The Thing Expanded. Da hoffe ich auf eine Veröffentlichung im deutschsprachigen Raum, denn Ian Nathan hat auch mit der vorliegenden Dokumentation ganze Arbeit geleistet. Nach der kurzweiligen und sehr informativen Vier-Stunden-Dokumentation RoboDoc – The Creation of RoboCop, bei der es en détail um eben RoboCop geht, nun also Aliens – Die Rückkehr und es stellt sich bei solchen überlangen Fan-Dokumentationen stets die Frage: Gibt es denn überhaupt so viel Neues zu berichten? Kennt man nicht alles schon aus den Making-Ofs der Veröffentlichungen, hat man noch irgendwo eine unerzählte Anekdote gefunden? So wie bei Francis Ford Coppola oder Sergio Leone. Irgendwo hat man noch 65 Frames unter dem Schneidetisch hinterm Mülleimer gefunden, die nun in 8K restauriert wurden, was dem Film eine komplett neue Aussage gibt.

Doch ich kann Entwarnung geben. Aliens Expanded ist kein Aufkochen alt-bekannten Materials, sondern ein frisch-fröhlicher Bericht, bei dem sehr viele Beteiligte deutlich tiefer aus dem Nähkästchen berichten als zuvor. Eine der schönsten Anekdoten war James Camerons Überraschung, ob der ernsthaft eingehaltenen Tea-Time-Zeiten des Filmteams, denn Cameron drehte in England. Und dort trinkt man Tee zu festen Zeiten. Cameron fiel das Monokel ins Champagnerglas, als er sich über die Abwesenheit seiner Crew wunderte, die schlichtweg alles stehen und liegen ließ, um sich am Catering-Wagen mit Tee und Gebäck einzudecken. Erst danach ging es weiter. Und nicht nur das: Man verehrte dort auch Ridley Scott und beäugte dementsprechend skeptisch James Cameron, der zwar zuvor Terminator drehte, den sich aber kein einziger des britischen Filmteams angesehen hatte. Es dauerte etwas, bis Team und Regisseur zusammenfanden. Und dann passierte auch noch die Sache mit Lance Henriksen und der schlechten Sahne aus dem Kännchen beim Catering. Man drehte gerade die Szene mit dem Zerreißen von Henriksen und brauchte dementsprechend viel weiße, schmierige Flüssigkeit, die irgendwann ausging. Und da griff man eben auf die Sahne des Tees zurück und vergaß, dass die da schon eine ganze Weile stand. Vollprofi Lance Henriksen zuckte nicht mit der Wimper und erzählt die genauen Sahne-Details mit einem Schmunzeln. Es gibt viel zu berichten.

Aliens Expanded schiebt sich stückweise durch den Film und hält an etlichen seiner berühmten Szenen inne, um im Detail die Entstehung des Filmmoments zu erläutern. Dabei gibt es viel zu erzählen, alle Beteiligten haben etwas zu berichten. So sind die Wortbeiträge dann auch länger als das Making-Of-Material an sich, hier griff man auf eher bekannte Ausschnitte zurück. Im direkten Vergleich hatte die RoboDoc-Dokumentation mehr ungesehenes Material verarbeitet als bei Aliens. Interessant bleibt es dennoch. Aliens Expanded richtet sich an absolute Fans von Aliens – Die Rückkehr und an Filmfans insgesamt. Man bekommt man einen spannenden Einblick in die Entstehung dieses handgemachten Klassikers des Actionkinos, einen Film, der heute wahrscheinlich komplett am Computer entstehen würde. Damals hatte das, was man auf der Leinwand sieht, auch echt existiert und musste mit viel Einfallsreichtum gebaut werden. Eine Dokumentation für Freunde des analogen Kinos – sehenswert, informativ und kurzweilig. Gerne mehr davon.

Das Bild der gesichteten Blu-rays ist sauber, satt und klar, der Ton ist gut. Der Film wurde mit guten Stimmen auf Deutsch eingesprochen- Als Extras gibt es eine 100-Minuten-Fassung der Dokumentation und Trailer.
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