Don´t dance to Disco! Ursprünglich wollte Produzent Roger Corman einen Film namens DISCO HIGH auf das zahlende Kinopublikum loslassen. Doch Regisseur Allan Arkush wollte lieber Rock´n´ Roll zum Thema machen, da diese Musik deutlich rebellischer war (und auch immer noch ist). So kamen die RAMONES ins Spiel, die sich in dieser anarchischen Komödie selbst verkörpern, in der es am Ende SCHOOLS OUT FOREVER heißt. Doch wie wirkt der Film fast vierzig Jahre nach seiner Entstehung, den Anolis Entertainment jetzt auf Blu-ray veröffentlicht?

Regie: Allan Arkush, Joe Dante (ungenannt), Jerry Zucker (ebenfalls ungenannt)

Darsteller: P.J. Soles, Dey Young, Vincent Van Patten, Clint Howard, Dee Dee Ramone

Artikel von Christian Jürs

Immer wenn man glaubt schon alles gesehen zu haben, kommt irgendein eigentümlicher Klassiker ins Haus geflattert, der mich als Schreiberling zunächst etwas ratlos dastehen lässt. Anolis sei Dank ist es mal wieder soweit. ROCK´N´ROLL HIGH SCHOOL stammt aus der Zeit, als ich noch im Vorschulalter war, weswegen der Film folglich an mir vorbei ging. In meiner Jungend trugen die Teeniekomödien eher Titel wie FERRIS MACHT BLAU (gut), AMERICAN EISKREM (schlecht) oder auch SUMMER SCHOOL (genial).

Doch welches Prädikat gebührt ROCK´N´ROLL HIGH SCHOOL? Gelungen oder eher nicht, dass ist hier die Frage. Und die ist gar nicht so leicht zu beantworten, weswegen ich erstmal zur Story komme.

Ort der Handlung ist die Vince Lombardie High School, an der die Schüler lieber zu lauter Rockmusik tanzen, als im Musikunterricht Beethovens fünfter Symphonie zu lauschen. Die Lehrkräfte sind am verzweifeln und der ehemalige Rektor mittlerweile ein sabbernder Pflegefall. Ja, so schlimm kann sich Rockmusik auf unsere Gesellschaft auswirken. Doch ein Ende von Sodom und Gomorrha ist in Sicht in Form einer neuen Direktorin. Miss Togar (Mary Woronov), die wirkt, als wäre sie die Schwester von Ilsa, will ein für allemal schluß machen mit dem Rowdiehaften Benehmen der Rockfans. Doch eine Schule ist kein Konzentrationslager und so stößt sie auf allerlei Gegenwehr. Insbesondere die rebellische Riff Randell (P.J. Soles), ihres Zeichens Schulsprecherin und erklärter THE RAMONES-Fan, sagt der Despotin in Schuluniform den Kampf an. Als Miss Togar der flippigen Riff den Konzertbesuch ihrer Lieblingsband untersagt, sind die Messer endgültig gewetzt…

Was inhaltlich nach einer „normalen“ Teenagerkomödie klingt, ist eigentlich nur gefilmter Wahnsinn. Gute oder gar subtile Gags gibt es wenige, wenn nicht gar keine. Trotzdem kann man an ROCK´N´ROLL HIGH SCHOOL sehr wohl seine Freude haben. Zum Einen natürlich wegen der Musik. Neben den RAMONES bekommen wir noch Songs von Paul McCartney and the Wings, Bryan Eno, Alice Cooper und vielen mehr geboten. Oben drauf gibt es einen Cast, der sichtlich Spaß an der Arbeit hatte. Insbesondere P.J. Soles als Riff Randell ist voller Elan dabei und darf sogar singen („Rock, Rock, Rock, Rock, Rock´n´Roll Highschoooooool…“).

„Tom Roberts ist so langweilig, dass sich sein Bruder wie ein Einzelkind fühlt!“

Das Mädchen mit der frechen Klappe und den zwei neckischen Zöpfen (*rrrrr*) ist es dann auch, die den Film so richtig sehenswert macht. Ein Jammer, dass sie nach ICH GLAUB MICH KNUTSCHT EIN ELCH eigentlich keine nennenswerte Einträge mehr in ihrer Vita hatte. Immerhin soll sie im neuen HALLOWEEN einen Cameo als Lehrerin bestreiten. Ick freu mir.

Aber auch der restliche Cast ist klasse. Ob Clint Howard (mit Haaren!) als schmieriger Dealer für alles auf der Schultoilette (inklusive Empfangsdame und roter Alarmlampe für eilige Fälle) oder Vincent Van Patten als oben erwähnter, frauenunerfahrener Tom Roberts, alle sind spitze. Auch Dick Miller gibt sich als Polizeichef die Ehre. Was will man mehr?

Schauspielerisch dafür komplett für die Tonne sind die RAMONES selbst. Unfassbar, wie die ums verrecken nicht spielen können. Selbst zum Playback ihrer (zugegeben tollen) Songs wirken die Jungs unglaubwürdig. Hätten sie mal vor Drehbeginn die Drogen weggelassen. Lol.

Zusammenfassend haben wir hier einen Film, der wie ein Werk von TROMA ENTERTAINMENT wirkt. Nur viel harmloser. Quasi ein CLASS OF NUKE´EM HIGH ohne Titten und Gewalt. Eigentlich schade. Insbesondere ein wenig nackte Haut wäre doch drin gewesen, immerhin zog P.J. im Jahr zuvor in Carpenters HALLOWEEN noch blank. Naja, man kann nicht alles haben. Spaßig doof ist der Film trotzdem.

Qualitativ hat ANOLIS hier alles rausgeholt, auch wenn man natürlich keine Wunder bei einem so alten und günstig produzierten Film erwarten kann. Dafür gibt’s dann in der Bonusecke die volle Breitseite. Mir lag die Softbox-Variante zur Rezension vor. Ganze vier Audiokommentare, unter anderem mit P.J. Soles, Roger Corman oder auch Jörg Buttgereit, bekommt man hier. Eine Featurette, die zurück blickt auf damals, ein Corman Interview, Trailer (auch in der „Trailers From Hell“-Variante präsentiert von Eli Roth), ein Audiofile „Ramones live im Roxy“ und vieles mehr.  Hier wurde echter Fanservice betrieben um dieses schräge Fossil von einem Teeniefilm zu würdigen. Apropos Fossil, im Mediabook soll sich außerdem ein 24-seitiges Booklet befinden, welches von Horror-Blogger Dietmar Westerteicher verfasst wurde. Eine kluge Wahl, denn der war damals noch jung und im Saft und weiß sicher einiges aus dem Nähkästchen zu erzählen.

Abschließend nochmal die abscheuliche Vorstellung in den Raum geworfen, der Film wäre wirklich in der Discovariante entstanden. Hätte Riff Randell dann zu ABBA und BONEY M abgehottet? THE WINNER TAKES IT ALL anstelle von BLITZKRIEG BOP *schüttel*

Trailer:

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