Während der das nächste John-Wick-Abenteuer mit Keanu Reeves noch auf sich warten lässt, beglückt Tiberius Film die hungrigen Actionfans demnächst mit einem knallharten Reißer, der dem Kinohit mindestens ebenbürtig sein dürfte. Nicht weil er unbedingt besser produziert ist, sondern weil BECKMAN – IM NAMEN DER RACHE (2020) im Auftrag des Allmächtigen seinen Weg in die Filmwelt gefunden hat. Was dabei herauskommt, wenn Hardcore-Christen einen beinharten Rache-Actioner auf die Menschheit loslassen, erfahrt ihr in unserer Kritik!

Originaltitel: Beckman

Drehbuch: Gabriel Sabloff, Steven Keller, Tommy Blaze

Regie: Gabriel Sabloff

Darsteller: David A.R. White, Brighton Sharbino, William Baldwin, Jacob Melton, Kira Reed Lorsch, Burt Young, Jeff Fahey…

Artikel von Christopher Feldmann

Habt ihr schon mal von Pure Flix gehört? Der 2015 an den Start gegangene Streamingdienst, der von der Produktionsfirma Pinnacle Peak Pictures entwickelt und im vergangenen Jahr von Sony erworben wurde, hat es sich zur Aufgabe gemacht, seine Abonnenten mit gesegnetem Content zu versorgen. So gehören vor allem christliche Erbauungsfilme zum Portfolio, die seit Jahren für durchaus respektablen Absatz sorgen. Co-Gründer und Chef des Ladens ist David A.R. White, dessen Vita solch große Werke wie FAITH OF OUR FATHERS (2015) und GOD’S NOT DEAD 1-3 (2014-2018) zu bieten hat. White schien irgendwann genug von seichten Familienfilmen zu haben und beschloss, wohl angetrieben von einer höheren Macht, sich als Actionstar zu versuchen. Was würde da besser passen, als einfach das bereits mehrfach erprobte John-Wick- bzw. Taken-Konzept zu kopieren und mit schmalem Budget umzusetzen, natürlich mit einer christlichen Botschaft? Herausgekommen ist dabei BECKMAN – IM NAMEN DER RACHE (2020), ein abstrus stümperhafter Rache-Reißer für den Grabbeltisch, den man nun versucht, dem einschlägigen Genre-Publikum unterzujubeln.

Handlung:

Aaron Beckman (David A.R. White) war einst der gefürchtetste Auftragskiller seiner Zunft. Präzise und eiskalt schickte er viele Menschen über den Jordan. Nach einer Schussverletzung und der Zuflucht in die Kirche des Priesters Philip (Jeff Fahey) hat Beckman jedoch seinen Glauben gefunden und dem Töten abgeschworen. Jedoch wird seine Ziehtochter Tabitha (Brighton Sharbino) eines Tages von dem durchgeknallten Sektenführer Reese (William Baldwin) entführt und so muss Beckman noch einmal seine alten Kontakte reaktivieren, um mit reichlich Kugeln in den Kampf zu ziehen und das Mädchen zu retten.

Ich sollte die Hintergrundinformationen zu Filmen, die ich für Rezensionen aussuche wirklich gewissenhafter lesen. Im Falle von BECKMAN – IM NAMEN DER RACHE (2020) dachte ich, dass ein B-Actionfilm, der relativ offensichtlich ein Rip-Off solcher Kassenerfolge wie JOHN WICK (2014) und TAKEN (2008) darstellt, für das DVD-Regal bestimmt nicht verkehrt sein dürfte. Erst später kam ich zu der Erkenntnis, dass es sich hierbei um einen christlichen geprägten Streifen handelt, der mit seiner Agenda auch nicht gerade hinter dem Berg hält. Das verursachte mir zwar direkt gewisse Bauchschmerzen aber schlussendlich geht es ja um die filmische Qualität, doch die erwies sich leider als unzulänglich.

BECKMAN klopft so ziemlich jeden Baustein ab, den man in solch einem Film erwartet. Der knallharte Profikiller, der geläutert wird aber dann doch nochmal zur Waffe greifen muss, um diejenigen zu retten, die er liebt. Einen Preis für Originalität gewinnt die Billig-Produktion schon mal sicher nicht aber das muss ja nicht bedeuten, dass das Ganze nicht unterhaltsam sein kann. Und tatsächlich, wer etwas empfänglich für einschlägigen B- und C-Movie-Quatsch und bescheuerte Drehbücher ist, der könnte vielleicht seine diebische Freude an dem diesem Streifen haben. Wir begleiten unseren Protagonisten, der übrigens aussieht wie der Schwippschwager von Chuck Norris, bei seiner Mission, von der wir aber bis auf einen mittelprächtigen Fight reichlich wenig mitbekommen, nur um dann einen Häuserblock weiter in einer Kirche zu landen, in der Jeff Fahey gerade am beten ist. Leser, die sich jetzt gerade über den versierten B-Recken freuen, sollte gesagt sein, dass der Gute nach einer Szene schon das Zeitliche segnet. Danach gibt es Cringe-Deluxe, wenn Beckman zu Gott findet, kraftvolle Predigten von der Kanzel schmettert und seine Ziehtochter, die gerade noch als flüchtige Nutte eingeführt wurde, mit Zöpfchen die Klampfe schwingt und erbauliche Songs durch das Gotteshaus schmettert.

Dabei springt die Handlung sofort um ein Jahr und die schnuckelige Tabitha wird von William Baldwin gekidnappt, der als Charles-Manson/Christian-Anders-Verschnitt irgendetwas mit ihr vor hat. Um was es sich dabei genau handelt, wird im Rahmen der Handlung nicht ersichtlich, wahrscheinlich hat es mit Sex und ritueller Tötung zu tun aber das sind nur Vermutungen. Prompt und ohne nachzudenken ruft unser Action-Priester die Auftragskiller-Hotline an (kein Scherz!) und greift zur Knarre, um Baldwin aufzuspüren. Seinen Weg kreuzen dann schließlich noch andere Killer, gegen die er kämpfen muss. Das ist im Grunde genommen der Plot des Films. Generischer geht es kaum, wirklich Spaß macht das Ganze aber leider auch nicht.

Das liegt in erster Linie daran, dass sich BECKMAN richtig ernst nimmt. Hätten die Macher einen Pfiff darauf gegeben, möglichst bodenständig zu Werke zu gehen und stattdessen maßlos zu übertreiben, hätte das hier wahrscheinlich keinen guten aber zumindest spaßigen B-Knaller zur Folge gehabt. Aber wir haben es hier ja mit einer Christen-Produktion zu tun, die sich anschickt ihre Werte und Glaubensvorstellung möglichst sichtbar kundzutun. Das hat moralische und bibelgeschwängerte Dialoge zur Folge und dass der Baddie einen anderen Glauben verfolgt und dafür folgerichtig sterben muss, ist dabei nur das Sahnehäubchen dieses Machwerks. Was hinter dieser Sekte steht und welchen Antrieb der weirde Anführer hat, wird nicht klar, es deckt sich aber nicht mit der Auffassung Beckmans. Das Ganze Drehbuch fühlt sich ziemlich zusammengenagelt an, als hätten die Autoren JOHN WICK (2014) und TAKEN (2008) gesehen und sich gedacht: “Das machen wir auch!”. Dabei waren Charakterentwicklung und Spannungsbögen völlig egal, man hat lediglich die Versatzstücke mehr schlecht als recht aneinandergereiht.

Auch inszenatorisch ist BECKMAN ziemlich dürftig. Zwar erkennt man in den Kampfszenen, dass zumindest eine Choreographie vorhanden war, allerdings hätten die Darsteller diese noch etwas besser üben sollen, denn so ziemlich jeder Fight sieht extrem gestellt aus. Man kann förmlich die inneren Stimmen der Beteiligten hören: “Jetzt muss ich zuschlagen, jetzt lass ich mich fallen…”. Das ist schon in gewisser Form witzig aber auch schlussendlich auch irgendwie scheiße, zumal der Kameramann wirklich motiviert gewesen sein muss, denn der gibt sich sichtlich Mühe das Ganze dynamisch einzufangen. So ist die Linse immer am Geschehen und geht auch schön mit, allerdings ist der Schnitt nicht wirklich gut. Darstellerisch ist hier ebenso wenig zu holen. David A.R. White ist vollkommen frei von Charisma und seine Co-Stars ebenso. Lediglich William Baldwin, der das Geld anscheinend auch nötig hat, bringt etwas Präsenz mit, bekommt aber wenig zu tun. Weitere bekannte Namen wie Jeff Fahey oder unser liebster “Paulie” Burt Young haben lediglich undankbare Gastauftritte.

Tiberius Film verhökert den Film vorerst als Video on Demand. Die physische Auswertung erfolgt erst im Juni. Als Bonus gibt’s lediglich den Trailer.

Fazit:

Wer Interesse daran hat wie ein christlich motivierter Actionthriller aussehen könnte, der kann sich BECKMAN – IM NAMEN DER RACHE (2020) durchaus mal antun, auf eigene Gefahr natürlich. Alle anderen, die einfach Bock auf knackige Rache-Kost haben, sollten zu einem der zigfach erhältlichen B-Reißer greifen. Die machen in der Regel deutlich mehr Spaß und sparen sich auch eine religiöse Agenda. Amen!

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