Aktuell sorgt Schauspielerin und Model Milla Jovovich in der Videospiel-Verfilmung MONSTER HUNTER (2020) wieder für reichlich Kopfschütteln bei Kinozuschauern wie Kritikern. Wer allerdings nicht genug von der Kampfamazone und Ehefrau von Regie-Verbrecher Paul W.S. Anderson bekommen kann, findet in der chinesischen Actionkomödie THE ROOKIES (2019) vielleicht einen würdigen Nachschlag. Eurovideo hat das überdrehte Agentenspektakel jüngst im Heimkino veröffentlicht und lässt sogar 1x Blu-ray springen. Wie ihr diese gewinnen könnt und ob der Film etwas taugt, erfahrt ihr im Artikel.

Originaltitel: Su ren te gong

Drehbuch: Yun Cheung Kong, Xu Lei, Alan Yuen

Regie: Alan Yuen

Darsteller: Talu Wang, Sandrine Pinna, Milla Jovovich, Timmy Xu, David Lee McInnis, Meitong Liu…

Artikel von Christopher Feldmann

Seit einigen Jahren ist Hollywood nicht mehr alleiniger Vorherrscher im Blockbuster-Game, auch China mischt immer stärker im Kampf um das Publikum mit. Das hat vor allem damit zu tun, dass das mehr als 1,4 Milliarden Einwohner starke Land zum wichtigen Faktor in Bezug auf Einspielergebnisse westlicher Produktionen geworden ist. So ergänzen Studios ihre Besetzungslisten gerne mit asiatischen Darstellern oder drehen gleich vermehrt in Fernost, um ihre Filme für den dort hiesigen Markt attraktiv zu machen. Chinesischen Kinogängern dürstet es nach großem Popcorn-Spektakel, das haben aber auch die Produzenten der Volksrepublik längst selbst erkannt, weswegen auch diese auf das erprobte Rezept setzen. Zuletzt haben wir dies bei dem Katastrophen-Spektakel SKYFIRE (2021) gesehen, der zwar mit flacher Story aber dafür mit einer ganzen Wagenladung an mondänen CGI-Effekten zu Felde zieht. Als kleines Schmankerl gab es noch den britischen Schauspieler Jason Isaacs in einer Nebenrolle zu bewundern. THE ROOKIES adaptiert dieses Konzept und bietet vorzugsweise asiatische Darsteller, die in einer abstrusen, hyperaktiven Actionsause agieren und dabei von Milla Jovovich unterstützt werden, so dass sich der Streifen dann auch an ein westliches Publikum verhökern lässt. Die Rechnung ging allerdings nicht auf, THE ROOKIES floppte im eigenen Land und auch im Rest der Welt reicht es größtenteils nur für den Heimkino-Markt und das VoD-Geschäft. Das liegt in erster Linie wohl daran, dass das fertige Produkt den Sehnerv seiner Zuschauer ziemlich strapaziert.

Handlung:

Draufgänger und Extremsportler Zhao Feng (Talu Wang) hat schon immer ein Leben am Limit geführt. Doch als er versehentlich in einen illegalen Handel verwickelt wird, ändert sich sein Schicksal. Er wird von der mysteriösen Spezialagentin Bruce (Milla Jovovich) rekrutiert, um einem geheimnisvollen Orden beizutreten. Ab sofort bildet er zusammen mit der miesen Polizistin Miao Yan (Sandrine Pinne), dem Wissenschaftler Ding Shan (Timmy Xu) und der arbeitslosen Ärztin LV (Meitong Liu) die neueste Amateureinheit zur internationalen Verbrechensbekämpfung. Mit Unterstützung von Agentin Bruce begeben sich die vier Rookies auf ihre erste Mission, um die Welt vor dem Untergang zu retten…

THE ROOKIES ist eine ziemlich harte Packung, die definitiv nicht für meine Bedürfnisse produziert wurde. In knallbunter Optik wird man mit Absurditäten, CGI-lastigen Actionszenen und komödiantischen Einlagen förmlich zugeschissen, so dass keine Zeit zum Luft holen bleibt. Das ist für eine temporeiche Agentenklamotte nicht unbedingt etwas schlechtes, immerhin kommt hier selten Langweile auf. Leider dient die Reizüberflutung in erster Linie dazu, das unterdurchschnittliche Skript zu kaschieren, dass sich recht schamlos bei sämtlichen Franchises bedient, die in den letzten 20 Jahren im Actiongenre zu Tage gefördert worden. Man nehme eine Prise xXx-Triple X (2002), mischt eine gehörige Portion FAST & FURIOUS (zumindest ab dem fünften Teil) dazu und verfeinert dies mit einer groben Kelle JAMES BOND aus der Brosnan-Ära. Dann würzt man dies mit so ziemlich Allem, was Jackie Chan in seiner Hollywood-Phase verbrochen hat und fertig ist der Cocktail für Action-Junkies mit ADHS-Syndrom.

THE ROOKIES ist eine einzige Reizüberflutung, für die sich Regisseur und Co-Autor Alan Yuen nicht zu schade war, so ziemlich jedes Stilmittel einzusetzen, Hauptsache es knallt auf audiovisueller Ebene. Da klettert der Protagonist Zhao Feng einen Wolkenkratzer hinauf, um kurz darauf abzustürzen und in einen Gangster-Deal zu platzen, der schließlich von einer Geheimagentin mit akrobatischen Einlagen aufgemischt wird. Ehe sich der Zuschauer versieht, ist man schon per Animations-Sequenz in Budapest gelandet, frönt selten witzigem Humor, den man wahrscheinlich aus irgendwelchen Animes entnommen hat, und wohnt einem durchgeknallten Heist bei, der in einer wilden Autoverfolgungsjagd mündet, die konsequent die Gesetze der Physik missachtet. Ab diesem Punkt war mein Hirn restlos überfordert. Wer bin ich? Wo bin ich? Was sehe ich da gerade? Fragen über Fragen, die der Film gar nicht erst zu beantworten versucht. Maßlos überfrachtet, hangelt sich das maue Drehbuch von einer Actionszene zur nächsten, die oftmals derart viele Schnitte aufweisen und so auffällig zusammenmontiert wirken, dass Liam Neeson glatt vor Ehrfurcht erstarren würde.

Die eigentliche “Story”, die sich um eine ominöse biochemische Waffe dreht, bleibt ebenso im Hintergrund wie die Motivation des Bösewichts, bei dem man sich fragt, was jetzt eigentlich genau sein Plan ist. Vorherrschendes Element ist die Gruppendynamik der Anfänger-Agenten, die aber kaum zum Tragen kommt, da sich diese vornehmlich auf flachen Slapstick konzentriert. Und wenn es dann zu einem bestimmten Ereignis kommt, dass sogar tragische Folgen nach sich zieht, verpufft dieses und wirkt sogar ziemlich deplatziert, da sich der Film ansonsten zu keiner Sekunde ernst nimmt und auch keine Spannung bietet, die den Zuschauer dazu verleiten, die knapp zwei Stunden Lebenszeit zu opfern.

Die Darsteller geben ihr Bestes, auch wenn die letztendlich kaum haften bleiben. Talu Wang wirft sich mit viel Motivation in die Rolle des Spions wider Willen, verkommt aber schlussendlich zur Witzfigur. Auch die restlichen Darsteller, allen voran seine Co-Stars Sandrine Pinna, Timmy Xu und Meitong Liu, kann man eine gewisse Mühe nicht absprechen, sie verkommen aber lediglich zu Stichwortgebern in einem unübersichtlichen Brei aus Ideen und bleiben daher farblos. Die westliche Zugabe Milla Jovovich stellt dabei auch keinen Mehrwert dar. Der RESIDENT-EVIL-Star ist nicht unbedingt für gutes Schauspiel oder eine große Leinwandpräsenz bekannt und auch hier spielt die Aktrice ihre Rolle als Geheimagentin mit einem Gesichtsausdruck herunter, pendelt dabei optisch zwischen Fetisch-Domina und Gestapo-Offizierin. Immerhin wird ihre Figur schnell in die zweite Reihe gedrückt, so dass ihr Part ab der Hälfte des Films kaum ins Gewicht fällt, wenigstens eine positive Sache.

Die Blu-ray aus dem Hause Eurovideo punktet mit guter Bild- und Tonqualität, bis auf ein Wendecover ohne FSK-Flatschen muss man aber auf Bonusmaterial verzichten. Auch an anderer Stelle hat man gespart. Zwar ist die deutsche Synchronisation durchaus solide, deutsche oder auch englische Untertitel fehlen aber, so dass man es als Liebhaber von Originalversionen schwer hat, falls man der englischen und der chinesischen Sprache nicht mächtig ist.

Fazit:

THE ROOKIES (2019) ist eine überdrehte Actionkomödie, die lediglich für Fans ähnlicher Kost aus Fernost geeignet sein dürfte. Das maue Skript, die knallbunte Optik, das Schnittgewitter und der unpassende Humor sorgen zumindest bei mir dafür, dass ich erstmal eine Verschnaufpause benötige, brachten mich die knapp zwei Stunden doch ziemlich an die Grenzen des Erträglichen. Wer genau so etwas sucht oder mit reichlich bewusstseinserweiternden Substanzen nach dem nächsten Hardcore-Trip Ausschau hält, kann hier bedenkenlos zugreifen!

GEWINNSPIEL:

Zusammen mit der freundlichen Unterstützung von Eurovideo verlosen wir 1x Blu-ray des Films, ihr müsst lediglich folgende Frage beantworten:

WELCHE VIDEOSPIELVERFILMUNG MACHTE MILLA JOVOVICH WELTWEIT BEKANNT?

Sendet eure Antwort mit dem Betreff Rookies an christian@die-medienhuren.de, Einsendeschluss ist am Freitag (23. Juli) um 18:00 Uhr. Der Gewinner wird per Mail benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Glück!

Christopher auf Letterboxd – Your Life in Film folgen

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