Die erfolgreichen Jahre des Nicolas Cage liegen schon eine ganze Weile zurück, verdingte sich der Hollywood-Star und Oscar-Preisträger in der letzten Dekade vor allem in preiswerten Direct-to-Video-Produktionen. Nun aber erlebt die Karriere extrovertierten des Schauspielers mit dem Hang zum Overacting eine Art Renaissance, die in dem Meta-Spaß MASSIVE TALENT (2022) mündete, in dem Cage eine fiktionalisierte Version seiner Selbst verkörpert und in ein explosives Abenteuer gerät. Leonine hat die Actionkomödie nun im Heimkino veröffentlicht und ob Fans des Hauptdarstellers hier den lang ersehnten Kultfilm bekommen haben, erfahrt ihr in unserer Kritik.

Originaltitel: The Unbearable Weight of Massive Talent

Drehbuch: Tom Gormican, Kevin Etten

Regie: Tom Gormican

Darsteller: Nicolas Cage, Pedro Pascal, Paco Léon, Tiffany Haddish, Ike Barinholtz, Sharon Horgan, Neil Patrick Harris…

Artikel von Christopher Feldmann

Nicolas Cage zählte zu den größten Kinostars der 1990er und frühen 2000er Jahre. Der durch Komödien wie ICH GLAUB‘, ICH STEH‘ IM WALD (1982), PEGGY SUE HAT GEHEIRATET (1986), MONDSÜCHTIG (1987) und 2 MILLIONEN DOLLAR TRINKGELD (1994) bekannt gewordene Schauspieler avancierte spätestens nach seiner, mit dem Oscar prämierten, Performance in LEAVING LAS VEGAS (1995) zum Blockbuster-Zugpferd und Actionstar. mit THE ROCK (1996), CON AIR (1997) und FACE/OFF (1997) war Cage in drei der prägnantesten Actionkracher der 1990er Jahre zu sehen. Es folgten weitere erfolgreiche Filme wie etwa die NATIONAL-TREASURES-Reihe (2004/2007), LORD OF WAR (2005) oder KICK-ASS (2010). Private Probleme, Steuerschulden und ein verschwenderischer Lebensstil sorgten im Zusammenspiel mit einigen kommerziellen Misserfolgen allerdings für den Abstieg in den B- und C-Movie-Sumpf. So drehte Cage in den letzten zehn Jahren überwiegend schnell und preiswert produzierte Direct-to-Video-Streifen, meist im Action- oder Thriller-Genre angesiedelt. Zwar schlichen sich hier und da auch mal Perlen wie JOE (2013) oder MANDY (2018) in den stetigen Output ein, den Großteil bildete aber reizlose und vergessenswerte Stangenware für den Grabbeltisch. Durch seine Performance in dem von Kritikern hochgelobten Drama PIG (2021) zeigte Cage, dass in ihm noch immer ein guter Schauspieler steckt, der bereit ist Alles zu geben. Mit der Meta-Actionkomödie MASSIVE TALENT (2022) setzte Regisseur und Co-Autor Tom Gormican seinem Hauptdarsteller nun ein filmisches Denkmal, in dem dieser sich selbst als gefallener Kinostar mit Geldnöten portraitiert. Dieses Konzept sorgt zwar für keinen neuen filmischen Meilenstein, ist aber eine kleine, durchaus unterhaltsame Ode an ein echtes Ausnahmetalent.

Handlung:

 Einst war Nicolas Cage (Nicolas Cage) ein Superstar. Aber dann er hat einfach zu viele schlechte Filme gedreht. Er braucht die richtige Rolle, um seine Karriere endlich wiederzubeleben, doch er hat noch ganz andere Sorgen: Seine Tochter (Lily Sheen) will nichts mehr von ihm wissen und er steht vor dem finanziellen Ruin. Da kommt das verlockende Angebot des Milliardärs Javier Gutierrez (Pedro Pascal) gerade recht: Für eine Million US-Dollar soll Cage als Star bei seiner Geburtstagsparty auftreten.
Plötzlich ist der ehemalige Hollywood-Star wieder ein gefragter Mann, denn kurz darauf wird er auch von der CIA kontaktiert: Der Milliardär ist ein gefürchteter Verbrecher und Cage soll bei der Party undercover Informationen beschaffen. Als Superfan Javier auch noch Nicolas‘ Ex-Frau und Tochter einfliegen lässt, nehmen die Dinge eine noch brisantere Wendung. Und so muss Cage die Rolle seines Lebens spielen, denn wenn er auffliegt, ist nicht nur er in Gefahr…

MASSIVE TALENT versprach im Vorfeld, der ultimative Nicolas-Cage-Film zu werden, gerade weil der einst so erfolgsverwöhnte Schauspieler eine derart turbulente Karriere und den damit verbundenen Spleen vorzuweisen hat, so dass eine selbstironische Komödie wie wie diese großspurig davon zehren kann. Kommerziell gesehen, ging der vielversprechende und medienwirksame Plan jedoch nicht auf, konnte der Film nicht mal sein Budget von rund 30 Millionen einspielen. Dass mag in erster Linie nicht an der Qualität des Streifens liegen, sondern viel mehr an der Tatsache, dass der spielfreudige Hauptdarsteller an den Kinokassen kein Zugpferd mehr ist.

Dabei sitzt das Herz von MASSIVE TALENT am richtigen Fleck. Die Komödie ist weniger eine Parodie auf, sondern viel mehr eine echte Liebeserklärung an ihren Star. Das zeigt sich schon dadurch, dass Cages Talfahrten hier lediglich in einem Nebensatz angesprochen werden und wesentlich mehr Zeit darauf verwendet wird, dessen Erfolge zu zelebrieren. Zwar spielt Cage mehr oder weniger sich selbst, diese Darstellung ist aber eine eher fiktionalisierte Version seiner Real-Life-Persona. Von den vielen Ex-Frauen, dem verschwenderischen Lebenstil und den millionenfachen Schulden ist nicht die Rede, stattdessen zeichnet der Film das Bild eines Schauspielers, der in der Öffentlichkeit mehr oder weniger verblasst ist, unter der Trennung von seiner Ex-Frau und dem schwierigen Verhältnis zu seiner Tochter leidet. MASSIVE TALENT ist Meta aber deutlich zahmer als erwartet, da weder die Macher als auch Cage selbst dazu bereit sind, so richtig vom Leder zu ziehen. Das dürfte wohl auch der Grund sein, warum sich die eigentliche Geschichte weniger um das Hollywood-Leben dreht, sondern dies nur als Aufhänger für eine eigentlich generische Buddy-Komödie verwendet. Irgendwann ist es ziemlich egal, ob es sich bei der Hauptfigur um Nicolas Cage handelt, es könnte auch eine x-beliebige, fiktive Figur sein. Das Konzept dient somit nur für einige selbstironische Gags, die besonders in der ersten Hälfte zum Tragen kommen. Wenn Cage auf den Milliardär „Javier“ trifft, entspinnt sich daraus eine unterhaltsame und auch stellenweise anrührende Freundschaft, in der über Filme diskutiert wird und warum PADDINGTON 2 (2017) einer der besten aller Zeiten ist. Das macht wirklich Spaß und Szenen, in denen beide durch Javiers Fan-Raum streifen, der mit Requisiten aus sämtlichen Cage-Hits vollgestopft ist, sind die unbestrittenen Highlights des rund 100 Minuten langen Films.

Streicht man gedanklich den Meta-Kontext, bleibt von MASSIVE TALENT aber auch nicht viel mehr als eine herkömmliche Actionkomödie übrig, in der es zwei Dudes mit den bösen Buben aufnehmen müssen. Generell wirkt der ganze CIA-Undercover-Plot auf eine gewisse Art und Weise unpassend. Als Zuschauer hätte ich viel lieber Zeit mit Cage und Pascal verbracht, die über Popkultur und Kino philosophieren, als mit einer austauschbaren Geschichte um Drogenschmuggler und der Frage ob der sympathische „Javier“ nun ein Baddie ist oder nicht. Sowohl dem Drehbuch als auch der Inszenierung ist anzumerken, dass die Macher ihren filmischen Liebesbrief an den Hauptdarsteller so kommerziell wie möglich verpacken mussten, alles andere wäre vermutlich von vorneherein zum Scheitern verurteilt gewesen, zumindest aus wirtschaftlicher Sicht. So gibt es auch hier Schießereien und Verfolgungsjagden, bemühte One-Liner und den ein oder anderen Seitenhieb auf Cages große Kinohits. Ein paar schöne Panorama-Aufnahmen versprühen Sommer-Feeling und der ganze Film ist erfreulicherweise frei von Längen.

Am Ende sorgt die famose Chemie zwischen Cage und seinem Co-Star Pedro Pascal für den größten Pluspunkt des turbulenten Abenteuers. Beide scheinen großen Spaß zusammen gehabt zu haben, was sich sofort auf den Zuschauer überträgt und einige Schwächen, besonders im relativ beliebigen letzten Drittel, übertüncht. Wesentlich schlechter kommen da schon Tiffany Haddish und Ike Barinholtz als CIA-Agenten weg, die mit ihren Comic-Relief-Performances ziemlich anstrengend sind und den Fluss des Films erheblich stören. HOW-I-MET-YOUR-MOTHER-Star Neil Patrick Harris hat als Cages Agent nur wenig Screentime, dafür weiß Sharon Horgan als Cages Ex-Frau „Olivia“ zu überzeugen. Etwas schade ist auch der Gastauftritt von HALLOWEEN-Regisseur David Gordon Green, mit dem Cage auch bei JOE (2013) zusammenarbeitete. Eigentlich war der Part für Quentin Tarantino vorgesehen, der aber absagte, und auch Ersatzkandidat David Lynch kam nicht zum Einsatz. Die eigentlich witzige Szene verliert durch Gordon Green, den der Mainstream-Zuschauer mit Sicherheit nicht kennen dürfte, an Impact, zumal ich mich nicht erinnern kann, dass dieser als gefeierter Regisseur gilt.

Leonine veröffentlichte die Komödie kürzlich im Heimkino. Neben der digitalen Version und den Standard-Keep-Cases, existieren auch eine limitierte Mediabook-Edition, sowie eine Amazon-exklusive Steelbook-Ausgabe. Beide enthalten sowohl die UHD-Scheibe als auch die Blu-ray. Uns lag zur Sichtung der Blauling vor, der mit hervorragender Bild- und Tonqualität überzeugt. Als Extras sind neben dem Trailer ein Audiokommentar, Deleted Scenes, Featurettes, sowie ein Q&A vom SXSW Film Festival an Bord.

Fazit:

MASSIVE TALENT (2022) ist eine launige, kurzweilige Komödie, die natürlich vor allem durch ihre Meta-Ebene punktet. Diese ist aber wesentlich handzahmer als zuvor angenommen, stattdessen ist der Film eine eher generische Actionkomödie mit einigen selbstironischen Szenen, von denen ich gerne noch mehr gesehen hätte. Am Ende wäre hier zwar wesentlich mehr drin gewesen, als netter Unterhaltungsfilm kann Nicolas Cages fiktionalisiertes Selbstportrait aber definitiv überzeugen. Für Fans des Hauptdarstellers ist der Film aber natürlich ein Muss.

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