Christophers Hurenween #4: Octalus – Der Tod aus der Tiefe (1998)

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„They don’t eat you – they drink you!“ Was wäre denn ein gepflegtes Hurenween ohne ein anständiges Creature-Feature? Richtig, keinen Pfifferling wert. Das dachte sich wohl auch Stephen Sommers, als er mit OCTALUS – DER TOD AUS DER TIEFE (1998) ein actionreiches Monster-Spektakel auf die Leinwand brachte, dass sonst allerhöchstens auf dem Videothekenmarkt Einzug gehalten hätte. Wer jetzt deftigen Tiefsee-Horror erwartet, sollte seine Erwartungen lieber etwas herunterschrauben, denn der Film ist genau das, wenn man einen Sprüche klopfenden Treat Williams mit dicker Wumme gegen ein fieses Tentakel-Monster antreten lässt, nämlich mordsmäßiger B-Movie Spaß!

Originaltitel: Deep Rising

Drehbuch & Regie: Stephen Sommers

Darsteller: Treat Williams, Famke Janssen, Kevin J. O’Connor, Anthony Heald, Wes Studi, Cliff Curtis…

Artikel von Christopher Feldmann

Erinnert ihr euch noch an die auslaufenden 1980er Jahre, als Horror unter der Meeresoberfläche noch en Vogue war? In dieser Zeit arbeitete James Cameron gerade an seinem Mega-Projekt THE ABYSS, welches 1989 in die Kinos kam. Camerons Produktion war derart aufwändig und langwierig, dass andere Produzenten Rip-Offs herstellten, nur eben schneller, so dass diese bereits vor Camerons Meisterwerk das Licht der Leinwand erblickten. George P. Cosmatos LEVIATHAN (1989) und Sean S. Cunninghams DEEP STAR SIX (1989) setzten mehr auf klassischen Creature-Horror im Stil von ALIEN (1979) oder THE THING (1982) und stehen bei Genre-Fans heute noch recht angemessen hoch im Kurs. Stephen Sommers OCTALUS – DER TOD AUS DER TIEFE (1998) hingegen, haben wahrscheinlich die Wenigsten noch auf dem Zettel, womöglich da der Streifen einfach 10 Jahre zu spät gedreht wurde, als diese Sorte von Film im damals gegenwärtigen Blockbuster-Kino nicht mehr viel reißen konnte. Das macht sich auch am Einspielergebnis bemerkbar, denn bei rund 45 Millionen US-Dollar Produktionskosten, spielte der actiongeladene Horrorfilm nur magere 11 Millionen US-Dollar wieder ein. Das spricht noch lange nicht für die Qualität, denn trotz einiger Makel, liefert Sommer hier deftig spaßigen Hochglanz-Trash ab, den in dieser Form heute wahrscheinlich nur noch Asylum ins DVD-Regal schmeißen würde.

Handlung:
John Finnegan (Treat Williams) stellt nicht viele Fragen, sondern befördert als Kapitän eines Charter-Bootes jede Person, solange das Geld stimmt. Zu spät bemerkt er, dass es sich bei seinen aktuellen Kunden um hartgesottene Söldner (u.a. Wes Studi und Cliff Curtis) handelt, die es auf ein mondänes Kreuzfahrtschiff abgesehen haben und den schlagfertigen Bootsmann mitsamt Crew als Geiseln nehmen. Auf dem Schiff angekommen, stellen sie jedoch fest, dass die zahlreichen Passagiere verschwunden und nur noch Chaos und Blutspuren vorzufinden sind. Gemeinsam mit ein paar Verbliebenen, unter denen sich die charmante Trickbetrügerin Trillian St. James (Famke Janssen), sowie der Eigentümer des Schiffs, Simon Chanton (Anthony Heald), befinden, stoßen sie auf die Ursache der rätselhaften Situation. Ein fieses Tentakel-Monster aus der Tiefsee hat das Schiff besetzt und macht mit seinen hungrigen, wurmartigen, Gliedmaßen Jagd auf die Neuankömmlinge!

OCTALUS (1998), im Original als DEEP RISING betitelt, steht ganz in der Tradition der eingangs erwähnten Filme und wirkt als hätte das hier wütende Monster jene Streifen gefressen, halb verdaut und wieder auf die Leinwand gekotzt. Sommers Horror-Actioner bedient sich recht ungeniert bei einzelnen Motiven seiner Vorbilder und setzt sie in einem wilden, stellenweise etwas ironischen, Mix wieder zusammen. Dabei trieft OCTALUS vor Klischees und erfüllt auch jedes einzelne davon. Bereits nach fünf Minuten weiß der Zuschauer, wie das Ganze ausgeht und es ist keine weitere Exposition von Nöten, um das simple Drehbuch zu durchschauen. Auch die einzelnen Figuren sind bloße Abziehbilder bekannter Stereotypen. Finnegan ist der Held, der immer einen kessen Spruch auf den Lippen hat, Trillian die Frau, mit der unser Protagonist am Ende knutschen darf und Mechaniker Joey der lustige Sidekick, den eigentlich niemand braucht. Ähnlich verfährt Stephen Sommers auch in seinen DIE MUMIE-Filmen, die sich ebenfalls diesem Konstrukt bedienen. Die restlichen Charaktere bestehen aus Simon Chranton, der natürlich das fiese Arschloch ist und ein paar Söldnern, die als Kanonenfutter für unser Monster dienen.

Nachdem die kurze Einführung abgeschlossen ist, befinden sich unsere Charaktere schon auf dem verwinkelten Geisterschiff und von da an zieht Sommers die Action ordentlich an. Es wird geballert, es gibt ein wenig Gekröse und Effekte von unterschiedlicher Güteklasse, also alles was ein Monsterfilm dieser Art so braucht. Das ist okay und zweckdienlich, auch wenn ich mir etwas mehr Spannung und Horror gewünscht hätte. Das Drehbuch setzt viel auf Humor, was die Stimmung immer wieder bricht. Finnegan redet eigentlich nur in One-Linern, während Joey mir recht schnell auf den Sack ging, so dass man hofft, er würde schnell ins Gras beißen. Die Bedrohung wird dabei nie so richtig akut, weil OCTALUS einfach oft zu lustig ist, was ihn als echten Creature-Horror dann doch irgendwie disqualifiziert.

Allerdings kommt jetzt das große Aber, denn wo der Film im Horror versagt, macht er vieles mit seinem Spaß-Faktor wieder wett. Der ganze Streifen nimmt sich kaum ernst und feuert ordentlich ab, so dass bei 106 Minuten Laufzeit kaum Längen entstehen. Auch in Sachen Gore haut Sommers ein paar fiese Momente raus, etwa wenn unsere Protagonisten einen Kammeraden aus dem Schlund des Monsters befreien und sich dieser dann vor ihren Augen zersetzt. Denn das Ungeheuer frisst seine Opfer nicht, sondern lutscht es so lange aus, bis alle Körpersäfte entzogen wurden. Das referiert uns freundlicher Weise Anthony Heald, der in einer Szene vom Arschloch-Modus abweicht und den Erklärbär gibt. Wer allerdings ordentlich Splatter erwartet, wird enttäuscht werden, denn auch wenn es hier und da etwas eklig wird, hält sich OCTALUS noch an verträgliche Unterhaltung. Dafür sorgen auch die Effekte, die stellenweise ziemlich schlecht gealtert sind. Zwar lassen sich hier auch ein paar schöne praktische Momente ausmachen aber in den meisten Szene wurde auf CGI gesetzt, dass heute schon sehr altbacken und billig aussieht, dem Film dafür aber einen trashigen Charme verleiht. Auch ist der Film sich nicht zu schade, im Finale nochmal richtig die Sau raus zu lassen, inklusive Jetski-Verfolgungsjagd und Mega-Explosion.

Auch die Besetzung ist gut aufgelegt und passt sich wunderbar dem Ton der Chose an. Unsere Söldner sind durch die Bank fiese Bastarde, die auch mal nur zum Spaß rumballern und ihre Dialogzeilen mehr knurren als sie auszusprechen. Anthony Heald, bekannt aus Thrillern wie DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER (1991), spielt als hinterlistiger, feiger Arschloch-Millionär sein Standard-Repertoire aus, stört aber nicht, was von Kevin J. O’Connor nicht behaupten kann, der als Joey eine strunzblöde Nervensäge ist, der oft einfach nur stört und nie wirklich lustig ist. Die entzückende Famke Janssen macht als schlagfertige Diebin eine gute Figur, während Treat Williams seine Star-Qualitäten zeigen darf. Er gibt mit viel Charme den coolen Typen, der in jeder Situation einen flotten One-Liner raushaut. An ihm ist wirklich ein sympathischer B-Actionheld vorbeigegangen. Mit dem richtigen Material, hätte er in den 1990ern die Video-Regale dominieren können.

Bisher fristet OCTALUS sein Dasein lediglich auf DVD, wobei die letzte Neuauflage schon 17 Jahre auf dem Buckel hat aber immerhin ungekürzt mit 16er-Freigabe. Wer genau sucht, kann den Streifen bei YouTube finden, sogar in deutscher Sprache und ordentlicher Qualität. Ich plädiere für eine anständige Auswertung auf Blu-Ray. KOCH FILMS, übernehmen sie!

Fazit:
Stephen Sommers OCTALUS – DER TOD AUS DER TIEFE (1998) kam wahrscheinlich eine Dekade zu spät, bietet aber spaßigen Hochglanz-Trash mit vorhersehbarer Story, eindimensionalen Figuren und einem glitschigen Tiefsee-Monster, welches mit angestaubten CGI-Effekten für einige unfreiwillig komische Momente sorgt. Trotzdem bietet der Film schnörkellose Unterhaltung und genug Witz und Charme, um durchweg zu unterhalten, auch wenn es ruhig etwas mehr Horror und weniger Witz hätte sein dürfen. Treat Williams wiegt das aber wieder auf!

3,5 von 5 Hurenween-Kürbissen

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