Jedes Mal, wenn ich in den letzten Tagen in meinem Bekanntenkreis erwähnte, dass ich demnächst DIE MASKE rezensieren werde, kam immer die gleiche Reaktion: „Ja, kenn ich. Der ist mit Jim Carrey!“ – Falsch, liebe Leute, mit der wilden Effektorgie aus dem Jahre 1994 hat dieser Film so gar nichts gemein. Hier geht es um die wahre Geschichte von Roy Lee Dennis, dem aufgrund einer Krankheit die Gesichtsknochen unkontrolliert wuchsen. Ich selbst habe den Film 35 Jahre vor mir hergeschoben. Ein Fehler, wie ich dank der Veröffentlichung aus dem Hause JUSTBRIDGE ENTERTAINMENT nun feststellen durfte. Warum Ihr Euch das Mediabook keinesfalls entgehen lassen solltet, erfahrt Ihr in den folgenden Zeilen… 

Originaltitel: Mask

Regie: Peter Bogdanovich

Darsteller: Eric Stoltz, Cher, Sam Elliott, Estelle Getty, Richard Dysart, Laura Dern, Dennis Burkley, Lawrence Monoson

Artikel von Christian Jürs

Roy Lee Dennis, genannt Rocky (Eric Stoltz), führt ein ungewöhnliches Teenagerleben. Sein Vater hat ihn verlassen, als er noch klein war. Seine Mutter Florence (Cher) lebt ein Leben in einer Rockergang, dass von Alkohol und Drogen immer wieder bestimmt wird. Doch sie liebt ihren Sohn und kümmert sich, soweit möglich, rührend um Rocky. Doch der hat noch ein weit größeres Problem. Er leidet an der sehr seltenen Krankheit Craniodiaphyseale Dysplasie, die seine Gesichtsknochen unkontrolliert wachsen lässt. Dadurch sieht er so entstellt aus, als truge er eine seltsame Maske.

Die Ärzte geben dem Jungen kaum Hoffnung. Seine Lebenserwartung ist gering. Trotzdem lässt Rocky sich nicht unterkriegen und strahlt über das ganze, deformierte Gesicht. So kann er an der neuen Highschool, an der er nur angenommen wurde, weil seine Mutter nicht auf den Mund gefallen ist, schnell die Vorurteile seiner Mitschüler durch seine freundliche und intelligente Art entkräften und findet rasch Anschluss. Mit seinem besten Kumpel Ben (Lawrence Monoson) hegt er sogar große Pläne für einen Trip nach Europa, wo er sich die berühmten Städte und Bauwerke einmal anschauen möchte, ehe seine Krankheit ihm einen Strich durch sie Rechnung macht. Seine Mutter findet derweil neuen Halt in dem Rocker Gar (Sam Elliott), mit dem sie bereits in der Vergangenheit eine Affaire hatte. Dieser erweist sich als durchaus vernünftig und versucht, sie vom Konsum von Alkohol und Drogen abzuhalten. Auch für Rocky ist er eine Ersatzvaterfigur, zu dem dieser aufblicken kann.

Nur mit den Mädchen will es, aus verständlichen Gründen, nicht so recht klappen. Zwar kann er Freundschaften schließen, doch sein Äußeres verhindert weitere Nähe. Doch sein Schicksal soll sich diesbezüglich ändern, als sein Rektor Mr. Simms (Ben Piazza) ihm anbietet, die Winterferien als Gehilfe in einem Feriencamp für Blinde zu verbringen. Rocky lehnt zunächst ab. Als seine Mutter jedoch als einzige Möglichkeit, dem Jungen körperliche Liebe zu ermöglichen, eine Prostituierte (Kelly Jo Minter) abends ins Bett setzt (mit der er freilich nicht schläft und sich stattdessen unterhält), ändert er verärgert seine Entscheidung. Eine gute Wahl, wie sich herausstellen soll, denn dort lernt Rocky die liebevolle Diana (Laura Dern) kennen. Das blinde Mädchen hat keinerlei Berührungsängste mit dem deformierten Jungen und erkennt seine innere Schönheit. Die beiden verlieben sich tatsächlich ineinander und Rockys Leben scheint endlich in den Bahnen zu laufen, die er sich gewünscht hat. Doch das Schicksal ist ein mieser Verräter…

Regisseur Peter Bogdanovich (Paper Moon) gelang mit Die Maske ein gefühlvoll inszeniertes und dabei enorm kurzweiliges Drama, dass den Zuschauer nicht traurig, sondern mit einer positiven Botschaft entlässt. Carpe diem. Eine Schande, dass ich den Film solange beiseite schob. Umso dankbarer bin ich Justbridge Entertainment, dass sie dieser vergessenen Perle eine so tolle Veröffentlichung spendiert haben. Erstmals in HD, dass keine Wunder vollbringt, sondern dank leichtem Filmkorn herrlich nach der Zeit ausschaut, aus der er stammt. Störendes „grisseln“, vor allem in dunklen Szenen, gibt es nicht.

Die Darsteller sind allesamt klasse. Cher spielt die intelligente Mutter, die mit dem Leben überfordert wirkt, einfach grandios. In der deutschen Version wird sie gesprochen von Stammsprecherin Marianne Groß, die ihr auch heute noch (Mamma Mia! Here we go again) ihre Stimme leiht. Eric Stoltz (Killing Zoe) vollbringt das Wunder, trotz großartigem, aber dickem Make Up im Gesicht, mit seiner Mimik zu berühren und schauspielert sich ganz entspannt durch eine großartige Performance. Auf ihn hat man passend Santiago Ziesmer gelegt. Sam Elliott (The Man who killed Hitler and then the Bigfoot) strotzt vor geballter Männlichkeit und ist wie immer sympathisch. Ihn spricht Joachim Kemmer. In den Nebenrollen tummeln sich ebenfalls ein paar sehr bekannte Gesichter.

Als da wären: Estelle Getty (Golden Girls), Richard Dysart (Das Ding aus einer anderen Welt), Steve James (American Fighter), Andrew Robinson (Dirty Harry), Lawrence Monoson (Freitag der 13. Teil 4 – Das letzte Kapitel), Kelly Jo Minter (Summer School), Harry Carey Jr. (Gremlins – Kleine Monster) und viele, viele mehr. Ein ausgezeichneter Cast. Die ebenfalls hervorragende Kamera bewegte László Kovács, der sein gutes Handwerk auch in Filmen wie Easy Rider und Ghostbusters – Die Geisterjäger unter Beweis stellte.

Das Drehbuch verfasste Anna Hamilton Phelan (Gorillas im Nebel), lose basierend auf dem Leben des echten Roy Lee Dennis. Eines seiner eigens erdachten Gedichte wird übrigens im Film vorgetragen. Wie weit der Film von den Tatsachen abweicht, erfahrt Ihr im wirklich informativen Booklet, dass genauer auf die Geschichte und die Produktion eingeht. Sehr interessant.

Das wahre Highlight wartet jedoch auf Blu-ray Nummer 2. Dort enthalten ist der Directors Cut, der neben ein paar Erweiterungen und neuen Szenen (inklusive Gesangseinlage von Cher) noch eine entscheidende Änderung beinhaltet. An entscheidenden Stellen wollte Regisseur Bogdanovich damals Songs von Bruce Springsteen im Film haben. Diese wurden jedoch aufgrund eines Rechtsstreits zwischen Universal Pictures und Springsteens Label Columbia Records gegen Songs von Bob Seeger ausgetauscht. Im Directors Cut bekommen wir den Boss nun endlich auf die Ohren, der Kulthits wie Born in the U.S.A. oder Thunder Road zum Besten gibt. Diese Version liegt allerdings nur im englischen Original (wahlweise mit Untertiteln) vor.

Zum Abschluss noch diese wundervollen Worte von Rocky Dennis:

These things are good:

ice cream and cake

ride on a harley

seeing monkeys in the trees

the rain on my tongue

and the sun shining on my face.

These things are a drag:

dust in my hair

holes in my shoes

no money in my pocket

and the sun shining on my face.

Trailer:

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