Geil! Nicolas Cage, der laut eigener Aussage schon immer mal in einem Kampfsportfilm mitspielen wollte, prangt fett auf dem Cover dieser Comicverfilmung. Obendrauf noch die coole Sau Frank Grillo, der schon so manche Purge gerettet hat und Stunt-Wunderkind Tony Jaa, der einst ohne Schnitt Bösewichten über mehrere Stockwerke hinweg den Arsch versohlte. Allesamt treten gegen ein Predatorähnliches Wesen an, was nach einem gelungenen, bierseeligen Feierabendfilmchen klingt. Ob der Film, den CAPELIGHT PICTURES uns hier entgegenbrettert, diese Erwartungshaltung auch erfüllen kann?

Regie: Dimitri Logothetis

Darsteller: Alain Moussi, Juju Chan, Tony Jaa, Rick Yune, Nicolas Cage, Frank Grillo, Marie Avgeropoulos

Artikel von Christian Jürs

Ich könnte mich kurzfassen und die Antwort auf eingangs gestellte Frage lapidar mit einem einfachen „NEIN“ beantworten. Ende der Rezi. Doch ganz so einfach ist es dann doch wieder nicht. Denn auch wenn der Film im Grunde ziemliche Grütze ist, so unterhält er dann doch auf eine bizarre Art und Weise. Vom Prädikat „GUT“ ist er aber meilenweit entfernt. Doch gehen wir der Reihe nach vor.

Mal ehrlich, Nicolas Cage als Mainact in einem Kampfsportfilm? Habt Ihr das wirklich geglaubt? Natürlich ist dem nicht so. Tatsächlich war der in den B-Sumpf abgedriftete Ex-A-Liga-Star gerade einmal drei Tage am Set auf Zypern zugegen – als Ersatz für Bruce Willis, dem laut Regisseur das Drehbuch zwar gefiel, der sich jedoch nie wieder meldete. Wahrscheinlich fiel Willis auf, dass er für den Dreh sein Hotelzimmer verlassen müsste und sagte deshalb ab, denn Drehbücher liest er scheinbar sowieso nicht mehr. Gott sei Dank sagte er ab muss man sagen, denn durch motiviertes Schauspiel glänzte der Stirb langsam-Held in den letzten Jahren ja leider auch nicht mehr. Ganz anders Nicolas Cage, der auch hier wieder in den sogenannten „Cage-Modus“ schalten konnte und zumindest einmal ähnlich irre wie einst in Face/Off in die Kamera blicken durfte. Der Mann liefert ab, egal wie blöd das Skript auch ist.

Doch bis es soweit ist, dass Cage den Wahnsinnigen raushängen lassen darf, vergeht ein wenig Laufzeit. Zunächst folgen wir einem Soldaten durch das Dickicht auf der Flucht vor fliegenden Digitalmessern. Kurz vor dem Vorspann fällt er einen Abhang ins praktischerweise darunterliegende Gewässer hinab. Der Kommentar meiner Frau: „Das sieht ja aus wie bei Asylum!“ Empört ging ich gegenan, nicht ahnend, dass sie so falsch nicht liegen sollte. Allerdings wunderte ich mich schon, wieso Frank Grillo, den ich stattdessen als Hauptdarsteller erahnte, so merkwürdig ausschaut. Des Rätsels Lösung präsentiert uns das Cover von Capelight Pictures bei genauerem Hinsehen, denn dort wird als erster Name ein gewisser Alain Moussi genannt. Dieser veredelte bereits als Hauptdarsteller die beiden neuen Kickboxer-Streifen, von denen der Zweite (Kickboxer: Die Abrechnung) ebenfalls von Regisseur Dimitri Logothetis inszeniert wurde. Dieser lieferte auch die völlig wirre (Comic-)Vorlage, die dem Plot als Vorlage diente.

Dabei klingt die Geschichte zunächst einmal recht simpel. Ein außerirdischer Krieger namens Brax kommt alle paar Jahre auf die Erde, um sich mit dem besten Jiu Jitsu Kämpfern zu messen. Ein merkwürdiges Hobby, fraglos. Der Predator war wenigstens noch Trophäensammler, Brax will nur Kloppe verteilen. Bekommt er seinen Willen nicht, sind wir alle im Arsch. Verkörpert wird der außerirdische Fiesling von Stuntman Ryan Tarran, was nicht die schlechteste Entscheidung war, überzeugt er doch in den Actionszenen. Sein Power Rangers-Outfit, welches auch an den Außerirdischen aus der Netflix-Serie Lost in Space erinnert, schaut allerdings ziemlich dämlich und billig aus. Dafür kann er sich aber, genau wie sein Vorbild, in ein transparentes Wesen verwandeln. Gern geschehen.

Um nicht alles in Schutt und Asche zu legen und sein nicht allzu sonniges Gemüt bei Laune zu halten, treten folglich alle Kämpfer der Reihe nach (auch, damit es übersichtlich bleibt), gegen den Gummimann an. Soweit, so klar. Doch hiermit begnügte sich Dimitri Logothetis nicht und verpasste seinem Mortal Kombat / Predator-Hybriden noch einen Militärstützpunkt, denn Zypern stellt hier Burma dar. Die dort stationierten Soldaten (u.a. Rick Yune und Marie Avgeropoulos) nehmen unseren Helden Alain Moussi fest und verhören ihn. Doch, wer hätte es gedacht, der leidet unter totaler Amnesie…warum auch immer. Später werden wir feststellen, dass sein Name ganz einfach Jack lautet, weil es schön markig klingt. Was wir aber jetzt schon feststellen ist, dass das Muskelpaket Aussehen und Mimik eines rasierten King Kong besitzt….und zwar maximal aus dem Jahr 1976, machen wir uns nichts vor. Damit will ich nicht den Königsaffen dissen, aber als Sympathieträger einen Actionfilm tragen vermag der limitiert agierende Moussi einfach nicht.

Glücklicherweise lässt der Film uns dies aber die meiste Zeit über vergessen, denn in nur wenigen Filmminuten gibt es zunächst einen erfolglosen-, kurz darauf dann einen gelungenen Ausbruchsversuch. Für Letzteren eilt Tony Jaa zur Hilfe, der zwar seine glorreichste Zeit mit den Filmen Ong Bak und Revenge of the Warrior hatte, trotzdem aber immer noch recht agil wirkt und sogleich die beste Actionszene von Jiu Jitsu raushaut, indem er in einer nur wenig getricksten Plansequenz allerlei Statisten zu Klump hauen darf. Ein Moment, der wirklich Spaß bereitet und teilweise mit origineller Videospieloptik aus der Egoperspektive punkten kann. Besonders originell ist dabei eine 360 Grad herumwirbelnde Kamera, wenn irgendein namenloser Kämpfer zu Boden geworfen wird. Schade, dass dieses Gimmick viel zu oft in den folgenden Actionszenen Verwendung findet. Jack findet jedenfalls seine alte Truppe wieder, die angeführt wird vom knarzigen Harrigan, den Frank Grillo gewohnt cool gibt. Leider, soviel sei verraten, ist seine Rolle verschenkt, denn nur selten taucht er auf und auch nur kurz nimmt er an der Action teil. In seiner Truppe befindet sich auch die kampferprobte Schauspielerin JuJu Chan, die einst der Loveinterest von Jack war, ehe er seine Erinnerung verlor (keine Sorge, die bekommt er natürlich zurück). Nach etwas Hick-Hack gesellen sich auch die Soldaten zu der Truppe um gemeinsam den Kampf gegen Günstig-Predator anzutreten. Dies bedeutet weiterhin viel Action, allerdings auch, dass das Drehbuch Figuren groß aufbaut, nur um diese innerhalb von wenigen Filmminuten wieder fallen zu lassen. Denn merke, der Alien, so erfahren wir vom plötzlich auftauchenden Nicolas Cage, spart sich den besten Kämpfer bis zum Schluß auf: Alain Moussi.

Apropos Cage, der liefert sich sogleich einen Kampf mit unserem Helden, was de facto bedeutet, dass zu 80% sein Stuntdouble agiert, welches natürlich geschickt, aber allzu offensichtlich, durch die Langhaarperücke kaschiert wird, während der berühmte Mime lediglich als Stand-in für ein paar lahme One-Liner herhalten darf. Auch er war einst ein Kämpfer gegen den Gummimann, stellte sich aber blöde und wurde verschont. Eine raffinierte Strategie, der auch das Drehbuch folgt. Und so begleiten wir unsere Truppe, die in bester Zehn kleine Jägermeister-Manier nach und nach ausgedünnt wird, bei ihrem Kampf gegen den außerirdischen Krieger. Auch Cage darf nochmal ran und wird natürlich unterliegen, was in dem Moment absolut klar ist und nicht als Spoiler gewertet werden darf. Hier ließ sich Starautor Dimitri Logothetis ganz offensichtlich von Sean Connerys Auftritt als Ramirez in Highlander – Es kann nur einen geben inspirieren. Keine allzu gute Idee, wünscht man sich doch umgehend diesen weitaus besseren Klassiker in den Player.

Schaut man derzeit in die IMDb, so erblickt man eine durchschnittliche Punktevergabe von 2,9 von 10 Punkten. Doch keine Angst, ganz so schlecht ist Jiu Jitsu dann doch wieder nicht. Klar, ginge man rein nach dem Drehbuch, dann wäre diese Punktevergabe durchaus angebracht, aber wer macht sowas bei einem Kampfsportfilm schon? Nein, die Kampfszenen haben durchaus Druck und sind zahlreich. Cage bereitet Spaß und die Kameraarbeit ist originell, weswegen der Film in geselliger Runde durchaus brauchbar ist. Einen Meilenstein des Kampfsportfilms hat hier aber wohl auch niemand erwartet, oder?

Wie üblich bei Capelight Pictures sind Bild- und Tonqualität über jeden Zweifel erhaben. Die Synchro ist ebenfalls hochwertig (natürlich spricht Martin Keßler Herrn Cage) und ein Wendecover ohne Flatschen gehört zum guten Ton. An Bonusmaterial gibt es allerdings nur den Trailer.

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