STUDIO HAMBURG ENTERPRISES beglückt uns regelmäßig mit den Veröffentlichungen großer Hollywoodproduktionen vergangener Tage, die weitestgehend in Vergessenheit geraten sind. In diesem Fall handelt es sich um die Blu-ray Premiere einer Medien- und Politsatire von American Pie – und About a Boy-Regisseur Paul Weitz, dem eine großartige Starbesetzung zur Verfügung stand. Ich selbst hatte den Film aus dem Radar verloren und konnte mich jetzt an einer auffrischenden Sichtung erfreuen. Eine der seltenen US-Produktionen, die nach 9/11 entstand und in der man sich ganz offen über Terroristen lustig macht. Im Kino damals zu unrecht untergegangen, kann man sich das vergnügliche Spiel von Hugh Grant, Mandy Moore, Dennis Quaid und Willem Dafoe nun in HD ins Regal stellen. Zum Nice Price, versteht sich.

Originaltitel: American Dreamz

Drehbuch und Regie: Paul Weitz

Darsteller: Hugh Grant, Mandy Moore, Sam Golzari, Dennis Quaid, Willem Dafoe, Chris Klein, Marcia Gay Harden

Artikel von Christian Jürs

Du klingst, wie wenn ein Schaf an den Elektrozaun pinkelt.“ – diese lyrische Zeile entstammt dem Mundwerk von DSDS-Urgestein Dieter Bohlen, der mit seiner polterhaften Art gefühlte hundert Jahre lang ahnungs- und talentlose Kandidaten der Gesangscastingshow in die Arme von Psychologen getrieben hat, ehe er jetzt endlich in den Zwangsruhestand geschickt wurde. Martin Tweed (Hugh Grant) ist ein ähnlich arroganter Moderator, der die fiktive Castingshow American Dreamz präsentiert. Zugegebenermaßen geht er deutlich gemäßigter mit seinen Kandidaten um, geigt ihnen aber auch hin- und wieder die Meinung, so sieht es das Konzept vor. Ein Heiliger ist Martin Tweed trotzdem beileibe nicht und so beglückwünscht er seine Freundin (Marley Shelton), die gerade mit ihm Schluss macht, zu ihrer weisen Entscheidung, da er kein guter Mensch sei und sich jetzt um wichtigere Dinge als ihre Befindlichkeiten kümmern müsse.

Eine neue Staffel der von ihm moderierten Castingshow steht auf dem Drehplan und die Kandidaten müssen zusammengestellt werden. Gemeinsam mit seinen ihm treu ergebenen Assistenten Accordo (Judy Greer) und Ittles (John Cho), die ihm so tief in den Arsch kriechen, dass sie beinahe oben wieder herauskommen, findet er den perfekten, nächsten Superstar in der talentierten Landpomeranze und Karaokesängerin Sally Kendoo (Mandy Moore). Diese ist nicht nur mit einer göttlichen Stimme ausgestattet, sondern auch mit einem eiskalten Willen zum Sieg, bei dem sie von ihrer Mutter (Jennifer Coolidge) tatkräftig unterstützt wird. Als Sally daheim von einem Kamerateam, welches ihr die Teilnahme an der Castingshow bestätigt, überrascht wird, ist ihr erster Schritt ein eiskalter. Sie beendet die Beziehung zu ihrem ihr treu ergebenen Freund William Williams (Chris Klein). Vordergründig, weil sich ihre Leben nun in unterschiedliche Richtungen entwickeln, in Wahrheit aber, weil ihr beim Gedanken an den penetranten Nettmenschen das kalte Kotzen kommt. Den allerdings trifft die Nachricht wie ein Schlag, sieht er doch nicht die eiskalte Schlange in Sally, die sie wirklich ist, sondern das liebreizende Mädchen vom Lande, welches sie der ganzen Welt nun vorspielt. William meldet sich kurz darauf freiwillig bei der Army, um wenigstens sein Land glücklich zu machen, wenn ihm dies bei Sally schon nicht gelänge. Doch auch hier versagt der Junge, wird er doch direkt bei Ankunft im Krisengebiet angeschossen und ohne Umwege wieder nach Hause geschickt.

Die übrigen Kandidaten von American Dreamz werden derweil bunt zusammengemischt. Martin Tweed hat nur eine Bedingung: Um die Sendung zu einem Quotenhit zu machen, wünscht er sich diesmal sowohl einen Juden, als auch einen Araber unter den Teilnehmern, um zu polarisieren. Letzterer wird die Sendung später in eine Katastrophe leiten, handelt es sich bei dem durch einen blöden Zufall ausgewählten Kandidaten doch um Omer (Sam Golzari), einen talentfreien Terroristenanwärter, der den Tod seiner von den amerikanischen Streitkräften getöteten Mutter rächen möchte. Er wird von seinen Leuten als Schläfer in die Vereinigten Staaten geschickt, unter dem Vorwand, man würde ihn später als Attentäter aktivieren. In Wahrheit wollte man den gutmütigen Tölpel einfach nur für allemal loszuwerden. Mit seiner Wahl zum Castingshowkandidaten fällt er allerdings wieder in den Radar seiner Terrorkollegen, die ihre Chance sehen, der Welt einen gewaltigen Schlag durch Omers Opfer zu verpassen.

Hintergrund ist, dass sich der wiedergewählte US-Präsident Staton (Dennis Quaid) als Gastjuror der Finalshow angekündigt hat. Dieser befindet sich seit erneutem Amtsantritt in einer Sinnkrise plus Burnout. Sein engster Berater (genial mit Halbglatze: Willem Dafoe) plant auf diesem Weg ein volksnahes Comeback des mächtigsten Mannes der Welt. Für die Terroristen eine einmalige Chance, sofern Omer es bis in die Finalrunde schafft. Doch die Konkurrenz ist groß und Sally hat mit Kriegsheimkehrer William Williams noch ein Ass im Ärmel. Ihr schmieriger Manager Chet Krogl (Seth Meyers) rät ihr nämlich, die Beziehung zu dem gutgläubigen Trottel wieder aufzunehmen, um diese marketingtechnisch ordentlich ausschlachten zu können. Die Krönung des Ganzen soll ein spontan wirkender Heiratsantrag in der Finalshow sein. Doch Omer könnte diesen Plan durchkreuzen…

Regisseur und Drehbuchautor Paul Weitz schuf mit seinen ersten vier Filmen American Pie, Einmal Himmel und zurück, About a boy und Reine Chefsache ein beeindruckendes Blockbusterquartett. Umso bitterer war der Umstand, dass ausgerechnet diese Medien- und Politiksatire an der Kinokasse sang- und klanglos unterging. Am Cast lag es nicht, der war bis in die kleinste Nebenrolle perfekt besetzt (auch klasse: Marcia Gay Harden als First Lady). Aber durchwachsene Kritiken und der etwas unentschlossene Schlenker zwischen Medien- und Politfarce ließ das Publikum damals kalt. Völlig zu unrecht, wie ich nach erneuter Sichtung vermelden kann, denn American Dreamz ist ein höchst amüsanter Film geworden. Natürlich erreicht er als ironische Kritik an der Politik niemals die Gewichtung des genialen Wag the Dog, schraubt man diese Erwartung jedoch zurück, bleibt ein toll gespielter Schmunzler, der wie im Flug vorbei geht. Vor allem die Terroristen, die wie gebannt die Musikcastingshow verfolgen und bei Frank Sinatra Klassikern seelig mitschunkeln, sind echte Lacher. Absolutes Highlight ist aber das geniale Spiel zwischen Willem Dafoe als verzweifelnder Präsidentenberater und Dennis Quaid, der scheinbar den Verstand verloren hat. Mandy Moore ist natürlich mit ihrem Gesangstalent ebenfalls erste Wahl und Hugh Grant als schmieriger Arsch immer eine Bank.

Studio Hamburg Enterprises rettet den Film nun endlich ins HD-Zeitalter und präsentiert American Dreamz – Alles nur Show hierzulande erstmals auf Blu-ray. Bild (1,78:1 / 1080p) und Ton (Deutsch und Englisch in Dolby Digital 5.1) sind wirklich gut. Allerdings muss man, wie üblich bei diesem Verleiher, auf Untertitel oder sonstiges Bonusmaterial verzichten. Dafür gibt es ein Wendecover ohne den hässlichen Flatschen und die in der Reihe Cinema Favourites erschienene Scheibe ist wie üblich für den schmalen Geldbeutel erschwinglich. Insgesamt also eine Kaufempfehlung von meiner Seite.

Trailer:

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