Bruce, du machst mich echt fertig! Mit jedem günstig hingerotzten Direct-to-Streaming/DVD-Heuler stellst du mich erneut auf eine harte Probe und gerade nach dem letzten filmischen Grotten-Erfolg war ich mir doch sicher, dass du das nicht unterbieten kannst. Nach der Sichtung deines neuesten Werks muss ich jedoch offen eingestehen: DU KANNST! Wer mal wirklich wissen will wie es sich anfühlt, wenn ein ehemaliger Hollywood-Big-Player am absoluten Tiefpunkt angekommen ist, der sollte zu COSMIC SIN – INVASION IM ALL (2021) greifen, den Koch Films im Heimkino auswertet. Mehr dazu gibt’s in unserer Kritik!

Originaltitel: Cosmic Sin

Drehbuch: Edward Drake, Corey Large

Regie: Edward Drake

Darsteller: Frank Grillo, Bruce Willis, Brandon Thomas Lee, Corey Large, C.J. Perry, Costas Mandylor…

Artikel von Christopher Feldmann

Mittlerweile sollte zum Thema „Bruce Willis“ eigentlich alles gesagt sein, konnte ich doch in gleich mehreren Artikeln meinen Frust gegenüber der Beharrlichkeit des Alt-Stars, immer wieder in vergessenswerten und unzulänglichen C-Filmen, freien Lauf lassen. Wer noch einmal etwas Nachhilfe zum gegenwärtigen Geschäftsmodell des mittlerweile 66-jährigen Haudegens benötigt, der kann sich gerne unserer Kritik zum letzten Grabbeltisch-Actioner HARD KILL (2020) zu Gemüte führen. Aber Bruce wäre nicht Bruce, wenn er nicht schon das nächste Eisen im Feuer hätte, mit dem er auch die letzten treuen Anhänger seiner Person zu knechten gedenkt. Und zu Beginn muss ich tatsächlich gestehen, dass ich zumindest einen leisen, wirklich mikroskopischen Hoffnungsschimmer hatte, dass COSMIC SIN – INVASION IM ALL (2021) ein wenigstens annehmbarer Science-Fiction-Reißer für den bierseligen Mitternachts-Snack sein könnte. Immerhin haben hier dieses Mal nicht die Wichsgesellen von E.F.O. Films ihre geldgierigen Finger im Spiel, sondern die Damen und Herren von 308 Entertainment, die anscheinend auch realisiert haben, dass man mit Mr. Die Hard noch gutes Geld verdienen kann. Auch die Tatsache, dass unsere geschätzte B-Kante Frank Grillo mitmischt und der Trailer gar nicht mal so scheiße aussah, ließen mich wirklich Stoßgebete gen Himmel senden. Doch der Allmächtige scheint mich gerne leiden zu sehen, denn das Regie-Debüt von Edward Drake ist in vielerlei Hinsicht so unsagbar beschissen, dass eine objektive Kritik kaum noch zu bewerkstelligen ist.

Handlung:

Das Jahr 2524. Vor 400 Jahren haben die Menschen begonnen, das All zu erobern und die äußeren Planeten zu besiedeln. Als eine feindliche Alien-Armada jedoch einen abgelegenen Planeten angreift, holt man den ehemaligen Soldaten James Ford (Bruce Willis) zurück in den Dienst, da man einen erfahrenen Haudegen benötigt, denn die Außerirdischen sind in der Lage, menschliche Körper zu infizieren und zu übernehmen. Der Konflikt droht zu einem interstellaren Krieg zu eskalieren, den die Menschheit nur verlieren kann. Ford und General Eron Ryle (Frank Grillo) sowie ein Team aus Elite-Soldaten nehmen den gnadenlosen Wettlauf gegen die Zeit auf und sie versuchen alles, den vernichtenden Angriff zu stoppen, bevor es für immer zu spät ist…

Ich musste ja bisher so einige Rohrkrepierer durchleiden, die sich mit der, zumindest physischen, Anwesenheit der STIRB-LANGSAM-Ikone brüsten aber COSMIC SIN setzt dem schon nicht ruhmreichen Spätwerk des Alt-Stars die Krone auf. Was zur Hölle war das denn bitte?

Die „Handlung“ dieses Machwerks dreht sich im Kern um eine Alien-Invasion in der fernen Zukunft, die es abzuwenden gilt. Nach dem schon wenig aufschlussreichen Prolog, in dem zwei nicht weiter erwähnenswerte Knallchargen, die irgendwo in der Fauna irgendwelche Dinge tun, dahingerafft werden, steht auf Mutter Erde schnell fest, dass die Menschheit dem Untergang geweiht ist. Warum? Weshalb? Wieso? Darüber scheinen sich nicht mal die Drehbuchautoren im Klaren gewesen zu sein. Das ist auch eines der größten Probleme des Films, denn die Handlung ist ein einzig konfuses Wirrwarr aus Szenen, die wenig bis gar keinen Sinn ergeben. Nur weil irgendeine Trulla „Erstkontakt“ in das Funkgerät geschrien hat, steht bei der knallharten „Allianz“ fest, dass sofort der Genozid eingeleitet werden muss. Daraufhin kommt unser DTV-Maskottchen Bruce Willis ins Spiel, der natürlich den alten Haudegen geben darf, der in Ungnade gefallen ist weil er bei einem vorangegangen Intermezzo mit Aliens, die wie mäßig geschminkte Vampire aussehen, eine fette Bombe gezündet hat. Warum man allerdings ihn zu Rate zieht, wird nicht erklärt, es macht auch gar keinen Sinn. Und das ist nur der Beginn eines mit knapp 80 Minuten erstaunlich kompakten Streifens, der mich ratlos zurückgelassen hat. Ich war schon kurz davor, an mir selbst zu zweifeln, da ich gewisse Abfolgen und Motive der Figuren nicht verstanden habe. Ich bin mir mittlerweile aber sicher, dass dies nicht an der mangelnden Auffassungsgabe meinerseits liegt, sondern einfach an der Tatsache, dass das Drehbuch ein Haufen Scheiße ist.

Regisseur Edward Drake und sein Co-Autor Corey Large, der ebenfalls eine Rolle im Film inne hat, schustern hier einen Plot zusammen, der mehr Löcher aufweist, als jede sanierungsbedürftige Straße. Es passieren die ganze Zeit irgendwelche Dinge, die in keiner Weise wirklich erklärt oder gar untermauert werden. Wie die Aliens plötzlich die Basis auf der Erde angreifen können oder wie die futuristische Welt funktioniert, muss man sich als Zuschauer irgendwie zusammenreimen. Das ist aber schon mehr Mühe, als das es dieser Film überhaupt verdient. Irgendwann fliegen alle durch ein Portal ins All, landen auf einem Planeten und ballern ein wenig durch das Gebüsch, bevor die Bombe sämtliche Aliens, die in komischen Outfits unterwegs sind, weil vermutlich kein Geld für ein Creature-Design vorhanden war, in ein schwarzes Loch befördert. That’s it! Dazwischen gibt es grottenschlechte Dialoge, die sich anhören, als hätte sie ein 12-jähriger geschrieben, der schon immer mal coole One-Liner dropen wollte.

Das größte Manko ist aber weiterhin das sichtlich geringe Production-Value, dass der eigentlichen Idee gar nicht gerecht werden kann. Als Basis unserer Protagonisten muss die übliche Lagerhalle herhalten, in der man ein paar LEDs und Neonröhren installiert hat, damit der Zuschauer ansatzweise ein futuristisches Setting suggeriert bekommt. Der fremde Planet, auf dem die Aliens zum ersten Tanz auffordern ist eigentlich auch nur der Wald um die Ecke, durch den Bruce und Konsorten in Plastikanzügen, die wahrscheinlich an EDGE OF TOMORROW (2014) angelehnt sein sollen, stapfen, bevor sie in einem Stützpunkt landen, der verdächtig danach aussieht, als sei dafür die Garage des Regisseurs genutzt worden. Da wahrscheinlich Bruce mal wieder den Großteil des Budgets in die eigene Tasche gesteckt hat und ein anderer Teil für zumindest halbwegs hinnehmbare CGI-Bilder beim Flug durch das All draufgegangen sein dürfte, war auch zum Finale nur noch soviel übrig, dass dies so wirkt, als hätte es ein Student schnell am Nachmittag zusammengerotzt. Da läuft einem der Schauer förmlich über den Rücken, wenn Willis vor miesem Greenscreen seine unfreiwillig komischen Zeilen herunterleiert. Das ist alles so beschissen, dass es kaum in Worte zu fassen ist.

Meine Hoffnungen beruhten immerhin auf Action-Recke Frank Grillo, der erst kürzlich mit BOSS LEVEL (2020) zeigen konnte, dass er durchaus etwas auf dem Kasten hat. Leider scheint selbst er, der auch um keinen Stinker verlegen zu sein scheint, sichtlich unmotiviert am Set aufgetaucht zu sein, denn so bocklos habe ich ihn noch nicht erlebt. Seine Beteiligung hält sich übrigens auch in deutlich messbaren Grenzen, denn er verschwindet immer wieder über einen längeren Zeitraum und ist in der zweiten Hälfte auch fast gar nicht mehr zu sehen. Mal wieder ein dreister Etikettenschwindel, denn auch wenn Bruce dieses Mal mehr Screentime inne hat, auch er macht eigentlich gar nix und steht nur in der Ecke rum, in der Hoffnung bald Feierabend machen zu können. Lediglich der immer gern gesehene SAW-Fiesling Costas Mandylor legt noch etwas Arbeitseifer an den Tag, retten kann aber auch er diesen Unfall nicht.

Hierzulande ist COSMIC SIN bereits als Video on Demand erhältlich und erscheint über Koch Films auch als Blu-ray, DVD und sogar als 4K-UHD. Warum gerade dieses sehr geschätzte Label den Vertrieb dieses unsäglichen Streifens übernimmt und ihm sogar noch diese Form der Auswertung spendiert, bleibt fraglich. Entweder ist das Teil eines Deals oder sie wurden gnadenlos über den Tisch gezogen. Bild- und Tonqualität der vorliegenden DVD ist wirklich gut, bis auf den Trailer und ein Wendecover bietet die Scheibe jedoch keine Extras. Immerhin befindet sich eine Postkarte im Keep-Case, die mit ANTI-LIFE (2020) schon den nächsten Sci-Fi-Heuler mit Bruce Willis für den Herbst androht…äh, ankündigt.

Fazit:

COSMIC SIN – INVASION IM ALL (2020) stellt wirklich den absoluten Tiefpunkt dar und unterbietet nochmal jeden Grabbeltisch-Streifen mit Bruce Willis der letzten Jahre. Ein absolut sinnbefreites, löchriges und handwerklich mieses Machwerk, das so schlecht ist, dass man am als Willis-Fan wirklich in Erklärungsnot gerät. Schlimmer kann es wirklich nicht mehr werden, es sei denn er heuert demnächst bei Amateur-Produktionen an. Wer sich das freiwillig anschaut, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.

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