Als ich gerade einmal dreizehn Lenze zählte, erschien Chucky – Die Mörderpuppe bei uns auf VHS. Umgehend schickte ich meine Mutter in die Videothek, um mir den Film mit der netten, kleinen Killerpuppe zu leihen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Darauf folgten zwei Sequels, die nicht mehr ganz so originell, dafür aber mit mehr Puppenaction und Blut daher kamen. Dann wurde es ein paar Jahre still um den Good Guy Buddy. 1998 sorgte Ronny Yu (Freddy vs Jason) endlich für ein erfolgreich Comeback, indem er Tiffany, ein weibliches Pendant, an die Seite des putzigen Charles Lee Ray setzte. Childs Play-Schöpfer Don Mancini benötigte im Anschluss weitere sechs Jahre, um das offene Ende des von ihm verfassten Vorgängers fortzuführen und dem Killerpaar Nachwuchs an die Seite zu stellen. Ein total durchgedrehter Streifen, den CONSTANTIN FILM nun erneut auf Blu-ray veröffentlicht hat.

Originaltitel: Seed of Chucky

Drehbuch und Regie: Don Mancini

Darsteller: Jennifer Tilly, Redman, John Waters, Brad Dourif (Stimme – Deutsch: Kai Taschner), Billy Boyd (Stimme – Deutsch: Jan Makino)

Artikel von Christian Jürs

Die Geschichte der Original Child´s Play Filme sollte bekannt sein, oder? Das ist wirklich wichtig, denn wer das Franchise nur vom Namen her kennt oder eventuell nur das wirklich sehenswerte Remake gesichtet hat, der dürfte in Chucky´s Baby heillos verloren sein und wird den Großteil der aufgefahrenen Gags nicht verstehen. Daher, nur um sicher zu gehen, beginnen wir mit einer kleinen Zusammenfassung der Vorgänger.

In Chucky – Die Mörderpuppe wird der Serienkiller Charles Lee Ray (Brad Dourif) von einem Polizisten in einem Spielzeugladen gestellt und erschossen. Der voodooerfahrene Killer kann jedoch, kurz vor dem Ableben, seine Seele in eine populäre Spielzeugpuppe, einem sogenannten Good Guy (“Hei-di-ho-haa-haa-haa“), übertragen. Eben diese Puppe gerät in die Finger des kleinen Andy Barclay, der seinen neuen Spielkameraden sofort ins Herz schließt. Chucky, wie sich die Puppe nennt, verrät dem Fünfjährigen sein böses Geheimnis. Ein echtes Plappermaul halt, der kleine Serienkiller. Blöd für Andy, dass Charles kurz darauf herausfindet, dass ein weiterer Körperwechsel nur möglich ist mit der Person, der er als erstes sein blutiges Geheimnis als erstes offenbarte. Eine Hatz beginnt, die drei Filme überdauert und immer wieder mit dem vermeintlichen Tod der Killerpuppe endet. In Teil vier, Chucky und seine Braut, belebt Tiffany (Jennifer Tilly), das ehemalige Betthäschen des Serienmörders, die Puppe erneut zum Leben (mittlerweile zerschunden von den Ereignissen aus den Vorgängerfilmen) um ihn später wieder in einen menschlichen Körper zu verfrachten. Doch der Plan geht schief und stattdessen landet Tiffany nun ebenfalls in einem Puppenkörper. Gemeinsam gehen die beiden als Killerpärchen auf Mordtour und zeugen unterwegs sogar noch Nachwuchs. Dieser kommt, rechtzeitig zum obligatorischen Ableben der beiden Bösewichte, auf einem Friedhof zur Welt…

Womit wir bei Chucky´s Baby angekommen sind. Dieser spielt in einer alternativen Realität, in der die echte Jennifer Tilly sich gerade beim Dreh des neuen Franchisefilms “Chucky dreht durch” befindet. Die Schauspielerin, die einst mit ihrer erotischen Ausstrahlung in Filmen wie Bound – Gefesselt überzeugen konnte und Woody Allen als Muse in Bullets over Broadway diente, leidet zunehmend an der schwindenden Rollenwahl. Da kommt die Nachricht gerade recht, dass Rapper Redman, der sich ebenfalls am Set befindet, als Regisseur für die Verfilmung der Lebensgeschichte der Jungfrau Maria vorgesehen ist. Zwar soll die Rolle an Julia Roberts gehen (Roberts taucht in Chucky´s Baby nicht auf!), doch Jennifer ist sich sicher, dass es niemand passenderen als sie selbst für die Besetzung der keuschen Rolle gäbe. Bei einem gemeinsamen Abendessen (und mehr) möchte sie den Musiker überzeugen.

Zeitgleich werden wir Zeuge, wie der Sproß der beiden, im Original eingesprochen von Billy Boyd, sein Dasein als Bauchrednerpuppe bei einem durchgeknallten Verrückten mit dem passenden Künstlernamen Psychs (Keith-Lee Castle) fristet. Dieser fand, laut eigener Aussage, den Killerspross einst auf besagtem Friedhof. Als Chucky Jr. im Fernsehen einen Bericht über den Dreh des Horrorfilms seiner Eltern sieht, wird ihm, aufgrund einer “Made in Japan”-Markierung am Handgelenk bewusst, dass es sich hierbei um seine Erzeuger handeln muss. Also macht sich die Puppe, die sich, aufgrund eines fehlenden entsprechenden Organs, ihrer Sexualität nicht bewusst ist, auf, den beiden Killerpuppen am Filmset neues Leben einzuhauchen. Als ihr dies gelingt, entfacht nicht nur ein Streit zwischen Chucky und Tiffany, was Name und Geschlecht ihres ganzen Stolzes betrifft (weswegen sie ihn/sie, frei nach Ed Wood, mit dem Namen Glen und/oder Glenda versehen). Nein, auch das Morden hält plötzlich Einzug am Filmset, wodurch vor allem Jennifer Tilly in tödliche Gefahr gerät, da Tiffany die Hollywoodschauspielerin als Wirtskörper auserkoren hat.

Don Mancinis Lebenswerk ist definitiv das Child´s Play-Franchise. Gleich, nachdem er das Drehbuch zum durchaus unterhaltsamen Underground Werewolf verfasste, machte er sich an die Arbeit, die Geschichte um Charles Lee Ray zu Papier zu bringen… und schrieb damit Filmgeschichte. Chucky gehört, ebenso wie Freddy, Jason oder Michael, zur amerikanischen Popkultur und brachte es auf mittlerweile sieben Teile, einem Remake und in Kürze sogar einer TV-Serie, die die Originalstory fortführen wird. Für Chucky´s Baby begab er sich erstmals auf den Regiestuhl und konnte leider nicht überzeugen. Zuwenig Horror, dafür haufenweise Gags auf Metaebene, stellten zwar eine interessante, neue Idee dar, die in der ersten Filmhälfte sogar hier und da für ein paar nette Schmunzler sorgen. Die Puppen- und Bluteffekte können sich auch sehen lassen, wenngleich hier und da ein Hauch zuviel mittelprächtiges CGI zum Einsatz kam. Der Gastauftritt von Regielegende John Waters gehört ebenso zu den Pluspunkten, ebenso wie der Britney Spears-Gag (gespielt von einem Body-Double). Leider verkommt die Geschichte mit fortlaufender Filmdauer jedoch zur albernen Farce, die mit den Streitigkeiten von Chucky und Tiffany, die im Vorgänger noch hervorragend funktionierten, an den Nerven des Publikums zerrt. Dies sprach sich schnell herum und so blieb dem Film ein großer Erfolg an der Kinokasse verwehrt. Kein Wunder, dass Don Mancini sich danach wieder seiner Wurzeln besann und die beiden Folgeteile, Curse of Chucky und Cult of Chucky, die nur noch für den Heimkinomarkt produziert wurden, als ernste Schocker inszenierte.

Die Neuauflage von Chucky´s Baby aus dem Hause Constantin Film bietet den Film sowohl in seiner Kinofassung, als auch in der Unratedversion. Letztere bietet aber lediglich eine alternative, etwas explizitere Einstellung bei Chuckys Masturbation (!) sowie eine verlängerte Schlussszene, die vom Timing her meiner Meinung nach in der Kinofassung besser funktionierte. Wirklich “unrated” ist der Film, der in beiden Versionen hierzulande mit FSK 16 wegkam, nicht. Immerhin können sich Fans der Reihe nun aussuchen, welche Filmfassung sie gerne sehen wollen. Des Weiteren findet man im Bonusbereich einen Audiokommentar von Don Mancini und Jennifer Tilly, ein Making Of, sowie Interviews und eine Featurette mit den Stars des Films (also auch den Puppen) und ein Wendecover ohne FSK-Logo. Die Bild- (1,85:1 / 1080p) und Tonqualität (Deutsch in DTS-HD 5.1 und 2.0 / Englisch in DTS-HD 5.1) zeigt den Film von seiner besten Seite.

Chucky´s Baby mag das qualitative Schlusslicht der Reihe markieren, Fans und Sammler der Kultreihe werden aber auch an diesem Film nicht vorbei kommen, zumal hier beide Filmversionen vorhanden sind. Kauftipp für Fans und Sammler.

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