Das noch junge Label Retro Gold 63 hatte ja bekanntlich mit einigen Startschwierigkeiten zu kämpfen, wagt aber nun einen neuen Versuch, die Gunst der Genrefans zu gewinnen. Mit THE DEBT COLLECTOR (2018) erschien just ein kleines, feines Filmchen in einer limitierten Mediabook-Edition, das zum Pflichtprogramm für alle DTV-Action-Connaisseure gehört. Und das nicht nur, weil Martial-Arts-Virtuose Scott Adkins hier wieder ordentlich Fressbretter demoliert, sondern auch weil Regisseur Jesse V. Johnson hier es sogar geschafft hat, die Stimmung klassischer Buddy-Movies der 1980er Jahre heraufzubeschwören. Warum Freunde zünftiger Klopper-Kost diesen Streifen auf keinen Fall verpassen sollten und ob die Edition einen Mehrwert für Sammler darstellt, erfahrt ihr in unserer Kritik.

Originaltitel: The Debt Collector (alt. deutscher Titel: Pay Day)

Drehbuch: Jesse V. Johnson, Stu Small

Regie: Jesse V. Johnson

Darsteller: Scott Adkins, Louis Mandylor, Vladimir Kulich, Selina Lo, Tony Todd, Michael Paré…

Artikel von Christopher Feldmann

Als großer Scott-Adkins-Fan war ich natürlich ganz heiß darauf, das Mediabook zum Schuldeneintreiber-Prügelactioner THE DEBT COLLECTOR (2018) in die Hände zu bekommen und ein paar Sätze zu diesem unterhaltsamen Kleinod schreiben zu dürfen. Seit Jahren gehört der drahtige Brite nämlich zu meinen liebsten Actionstars, selbst wenn sich seine Auftritte eher im Heimkino-Sektor abspielen. Trotz Nebenrollen in Filmen wie THE EXPENDABLES 2 (2012) und DOCTOR STRANGE (2016) beschränken sich Adkins’ Leistungen auf eher kostengünstig produzierte B-Filme, unter denen sich, meist budgetbedingt, auch mal Graupen befinden. Nichtsdestotrotz bewies der Handkanten-Akrobat in den letzten Jahren einen ziemlich guten Lauf, was auch an fähigen Regisseuren liegt, mit denen er immer wieder zusammengearbeitet hat. Isaac Florentine etwa, mit dem er Highlights wie UNDISPUTED 2 – LAST MAN STANDING (2006), UNDISPUTED 3 – REDEMPTION (2010) und NINJA: SHADOW OF A TEAR (2013) drehen konnte, erwies sich stets als sichere Bank für gut aussehende, exzellent choreographierte Martial-Arts-Action, bei der unser Hauptdarsteller sehr gut zur Geltung kam. Ein anderer Filmemacher, mit dem Adkins in den letzten Jahren häufiger zusammenarbeitete, ist Jesse V. Johnson, ebenfalls ein verdienter Handwerker im B-Segment, der sich über überdurchschnittliche Beiträge profilieren konnte. Mit THE DEBT COLLECTOR hat das Gespann Adkins/Johnson sogar einen ihrer besten Streifen abgeliefert, ist die Chose doch ein ziemlich unterhaltsamer Buddy-Actionfilm, der in jedes Regal von Freunden dieser Gattung gehört.

Handlung:

Kampfsportler French (Scott Adkins) steht das Wasser bis zum Hals. Seine mit Blut und Schweiß aufgezogene Karate-Schule wirft nicht genug ab, um die Rechnungen zu bezahlen und auch sein Vermieter pocht auf sein Geld. Da kommt moralisch standhafte Fighter über seinen Schüler Alex (Michael Paré) in Kontakt mit dem zwielichtigen Tommy (Vladimir Kulich) kommt, bei dem er als Schuldeneintreiber anheuert. Gemeinsam mit “Betriebs-Veteran” Sue (Louis Mandylor) zieht French durch Los Angeles, um Tommys Schuldner freundlich daran zu erinnern, dass noch Zahlungen ausstehen. Das bringt nicht nur handfeste Auseinandersetzungen, sondern auch zahlreiche Knochenbrüche mit sich. Als die Beiden jedoch einen Job für den Gangsterboss Barbosa (Tony Todd) erledigen sollen, werden ihre moralischen Grundsätze auf eine harte Probe gestellt.

Wo Scott Adkins zulangt, wächst kein Gras mehr. Das macht schon das Opening des Films deutlich, in der er ein paar vorlauten, asiatischen Jungs, die ihn zum Verkauf seiner Karate-Schule drängen wollen, zeigt, wo der Frosch die Locken hat, exzellent choreographiert, bei einfallendem Sonnenlicht. Eine klassische Szene, die natürlich zeigen soll, dass French ein ziemlich gut trainierter Motherfucker ist, den man besser nicht herausfordern sollte. Natürlich ist das Ganze absolut klischeebehaftet aber ganz ehrlich, wir wollen doch alle nur Adkins dabei zusehen, wie er Leuten aufs Maul gibt. Wer mit dieser Erwartungshaltung an THE DEBT COLLECTOR herantritt wird erfreulicherweise bestens bedient, denn der Film weiß ganz genau, wo die Stärken seines Stars liegen und nutzt diese blendend für ein kurzweiliges B-Movie-Vergnügen. Sobald French nämlich auf seinen neuen Partner Sue trifft, wird aus diesem auf den ersten Blick handelsüblichen Prügelfilm ein glänzendes wie augenzwinkerndes Buddy-Movie.

Die Chemie zwischen Adkins und Louis Mandylor ist hervorragend und wenn sie gemeinsam von Job zu Job tingeln, werden Erinnerung an die schlagkräftigen Duos der 1980er Jahre wach, die gerade durch die unterschiedlichen Charaktere besonders punkten konnten. Auch hier geht die Paarung des kampferprobten aber noch moralisch im Sattel sitzenden French und des daueralkoholisierten, abgestumpften und vor allem abgewrackten Sue komplett auf. Eine wirkliche Handlung gibt es über weite Strecken des Films nicht, denn die beiden Schuldeneintreiber gehen von Auftrag zu Auftrag, fast wie man sich in einem Videospiel von Level zu Level arbeitet. Allerdings bleibt der Film durchweg überraschend, denn statt auf immer härtere Gegner zu treffen, bekommen es French und Sue auch mal mit einem geizigen Geschäftsmann zu tun, der partout nach Ausreden sucht, um nicht bezahlen zu müssen. Das ist besonders witzig, wenn French dem Schuldner wirklich weh tun muss um an die Kohle zu kommen, während sein Kollege sich auf der Terrasse mit dessen Ehefrau vergnügt. Solche Szenen und auch die Dialoge zwischen den beiden Hauptfiguren geben dem Ganzen eine erfrischend leichtfüßige, stellenweise ironische Note, die den Spaß-Faktor noch weiter erhöht. Irgendwann entspinnt sich dann doch noch eine Story und das ist der Punk an dem der Film ein wenig einbüßt, wirkt das Gerüst um Gangsterboss Barbosa doch etwas hineingepresst, es wäre schlichtweg besser gewesen, dies als Handlungsstrang von Anfang an mitzuverfolgen. Das ist aber Meckern auf hohem Niveau, denn auch wenn THE DEBT COLLECTOR im letzten Drittel etwas Tempo einbüßt, ein blutiger Showdown entschädigt dafür allemal.

Es ist nicht nur dem lässigen Skript, sondern auch der versierten Regie Jesse V. Johnsons zu verdanken, dass THE DEBT COLLECTOR so gut funktioniert. Der Choreograph, Stuntman und Koordinator hat bisher schon einige echte Bretter abgeliefert, in denen Hauptdarsteller Scott Adkins eine exzellente Show abliefern konnte, darunter ACCIDENT MAN (2018), TRIPLE THREAT (2019) und den Gnadenhammer AVENGEMENT (2019). Neben dem letztgenannten stellt der hier vorliegende Streifen die wohl stimmigste und beste Arbeit des Erfolgsduos dar. Johnson hat einfach ein gutes Gespür für Actionszenen und durch seine langjährige Erfahrung weiß er ganz genau, wo die Kamera stehen muss. Die Kampfszenen sind übersichtlich und dynamisch gefilmt, der Look des Films ist trotz des mageren Budgets wirklich hochwertig. Ist man von derlei Produktionen in der Vergangenheit eine eher triste Optik und Locations im Ostblock gewöhnt, so bietet diese hier ein sonniges Los Angeles, das wunderbar zur Geltung kommt. Den Rest trägt einfach das Hauptdarstellerduo. Adkins hat spätestens mit seiner Hauptrolle in UNIVERSAL SOLDIER – DAY OF RECKONING (2012) bewiesen, dass er schauspielerisch etwas auf dem Kasten hat, der größte Pluspunkt ist allerdings Louis Mandylor, der als kauziger Schläger Sue wahrlich glänzen kann. Seine omnipräsente Lässigkeit macht großen Spaß und wenn Adkins immer wieder die Beherrschung verliert, weil etwa gerade auf ihn geschossen wurde, gibt Mandylors unerschütterliche Selbstverständlichkeit der Situation die nötige Würze. Mit den beiden Recken hat man ein ideales, harmonierendes Duo gefunden, welches absolut franchisetauglich ist. Auch die Nebenrollen werden mit B-Veteranen wie Vladimir Kulich, Michael Paré und Tony “Candyman” Todd gut ausgefüllt.

THE DEBT COLLECTOR wurde erstmals 2018 unter dem Titel PAY DAY hierzulande über Koch Films veröffentlicht, die dem Streifen zum Erscheinen des Sequels nochmal eine Neuauflage verpasst haben, allerdings nur im Keep-Case. Sammler, die sich gerne hochwertigere Editionen ins Regal stellen, haben nun die Chance, sich den Film im Mediabook zuzulegen. Retro Gold 63, die für ihre VÖ zum Creature-Klassiker DER HORROR-ALLIGATOR (1980) einiges an Schelte einstecken mussten, haben hier saubere Arbeit geleistet. Die auf 500 Stück limitierte Edition punktet mit einem, für meinen Geschmack, schönen Cover und auch das Innenleben ist gut gestaltet. Der einzige Kritikpunkt ist das Backcover, besonders die Inhaltsangabe ist gestalterisch nicht so gelungen. Allerdings muss man auch dazusagen, dass es sich hier um ein relativ junges Label handelt, weshalb ich da gar nicht so hart ins Gericht gehen möchte, etwas Luft nach Oben besteht dennoch. Die Bild- und Tonqualität ist natürlich sehr gut, handelt es sich doch um Repacks der bereits erschienen Scheiben. Als Extras sind Deleted Scenes, die Songs aus dem Film und der Trailer enthalten, der Mehrwert entsteht allerdings durch ein 24-seitiges Booklet, dass sich mit der Geschichte des Actionfilms und der Karriere Scott Adkins’ befasst. Ordentlich geschrieben, mit zahlreichen Informationen, in der Präsentation aber auch etwas langweilig. Auch hier ist das Ganze noch ausbaufähig. Als Sahnehäubchen gibt es noch ein schriftliches Interview mit dem Regisseur Jesse V. Johnson. Das Label hat parallel auch die Fortsetzung DEBT COLLECTORS (2020) aka THE DEBT COLLECTOR 2 in entsprechender Aufmachung veröffentlicht. Dieser widmen wir uns aber gesondert.

Fazit:

THE DEBT COLLECTOR (2018) ist nicht nur Pflichtprogramm für gestandene Adkins-Fans, sondern auch für Freunde grundehrlicher und gut gemachter B-Action. Der Buddy-Klopper bietet gute Fights, glänzend aufgelegte Darsteller und eine angenehme Leichtigkeit. Passend dazu ist auch das Mediabook gelungen, wenn auch nicht perfekt, jedoch befindet sich das Label auf einem guten Weg, wenn es so weitermacht.

Christopher auf Letterboxd – Your Life in Film folgen

Zurück zur Startseite