Nicht nur die Jungs und Mädels von Cargo Records, nein, auch das Team bei Schröder Media sorgt regelmäßig dafür, dass längst vergessene Streifen aus der Rumpelkammer für verstaubte Videotheken-Titel exhumiert werden, um ihre Premiere auf Scheibe zu feiern. WHISPER TO KILL (1990) erregt dabei besonders die Aufmerksamkeit beim Fan des phantastischen Films, immerhin basiert der Streifen auf einem Roman des legendären Schriftstellers Dean R. Koontz. Ob sich hinter dem Film am Ende eine gelungene Buchadaption oder VHS-Schund verbirgt, erfahrt ihr in unserer Kritik.

Originaltitel: Whispers

Drehbuch: Anita Doorhan; nach dem gleichnamigen Roman von Dean R. Koontz

Regie: Douglas Jackson

Darsteller: Victoria Tennant, Jean LeClerc, Chris Sarandon, Eric Christmas, Peter MacNeill…

Artikel von Christopher Feldmann

Handlung:

Die Schriftstellerin Hillary Thomas (Victoria Tennent) wird in ihrer Wohnung zweimal von dem psychopathischen Bruno Clavel (Jean LeClerc) überfallen, der sie aus unbekannten Gründen töten will. Sie schafft es jedoch beide Male sich zu wehren und den Angreifer in die Flucht zu schlagen, schlussendlich sogar mit Todesfolge. Als Clavels Leichnam abtransportiert wird, scheint Hillary endlich wieder sicher zu sein, die ungeklärte Motivation des Täters lässt ihr doch keine Ruhe. Gemeinsam mit ihrem Geliebten, dem Polizisten Tony (Chris Sarandon) forscht sie in Clavels Vergangenheit und hat bald begründete Zweifel daran, dass der Psychopath wirklich das Zeitliche gesegnet hat.

Dean R. Koontz zählt zu den erfolgreichsten Romanautoren im Bereich der phantastischen Literatur und hat in seiner Karriere über 500 Millionen Bücher verkauft. Damit gehört er neben Stephen King zu den absoluten Bestsellern seines Genres, das neben Horror auch Science-Fiction- und Fantasy-Geschichten umfasst. Wie im Fall von Kollege King, mussten auch einige Storys aus der Feder Koontz’ für diverse Filme herhalten, mit denen der Autor meist unzufrieden war, wie zum Beispiel DES TEUFELS SAAT (1977) mit Julie Christie. Koontz ging sogar soweit, dass er für den Film PHANTOMS (1998), der auf seinem Roman UNHEIL ÜBER DER STADT basiert, selbst das Drehbuch schrieb, um eine werkgetreue Adaption sicher zu stellen. Geholfen hat es nichts, weshalb sein Werk vor allem im literarischen Segment sein Renommee fand und weniger auf der großen Leinwand.

Auch WHISPER TO KILL (1990) bildet da keine Ausnahme. Der kanadische Film, der außerhalb seines Produktionslandes größtenteils auf Video und im Fernsehen ausgewertet wurde, dürfte wohl ein weiteres Ärgernis für den Schreiberling darstellen, dessen Roman WHISPERS (1980) für diese runtergerotzte Produktion herhalten musste. Dabei lässt der Plot durchaus Qualitäten erkennen, die in der Vorlage vermutlich stärker ausgeprägt sein dürften. Im Grunde bietet das Ganze eine klassische Thriller-Geschichte, die mit surrealen Elementen und Anleihen an klassische Gruselgeschichten spielt. Auch Tropes des Giallo-Kinos halten Einzug in das Rätsel um einen Mörder, der dem Anschein nach übernatürlichen Ursprungs ist. Daraus entspinnt sich ein halbwegs solider Krimi, der allerdings von einem mauen Drehbuch, einer schlechten Regie und lustlos aufspielenden Darstellern förmlich platt gemacht wird. Die Handlung an sich ist leider schnell durchschaubar und der Zuschauer dürfte nicht lange benötigen, um den eigentlichen Twist kommen zu sehen. Das bedeutet nicht, dass dieser dumm gewählt ist, man hat ihn nur schon das ein oder andere Mal in Film und Literatur gesehen oder gelesen. Die Verknüpfung des Reveals mit der Back-Story des Mörders könnte glatt einem italienischen Giallo anno 1972 entsprungen sein, allerdings schöpft der kostengünstig produzierte Streifen dieses Potenzial zu keiner Zeit aus. Statt guter Spannungsszenen rücken mit Hillary und dem Cop Tony zwei Figuren ins Zentrum der Geschichte, die derart langweilig und frei von jeglicher Chemie sind, dass man als Zuschauer wirklich Probleme hat, den Film bis zum Ende durchzuhalten.

Die Dialoge sind erbärmlich schlecht und auch die Beziehung zwischen den Beiden ist absolut unglaubwürdig. So rücken die wirklich interessanten Aspekte, nämlich unter anderem der Mörder Bruno Clavel unfreiwillig in den Hintergrund. Seine Szenen, die mit zum Besten gehören, was der Streifen zu bieten hat, werden somit zur seltsamen Randerscheinung degradiert. So muss sich der Zuschauer mit zähen Ermittlungen begnügen, ach ja, und ein nekrophil veranlagter Bestatter kommt auch noch vor.

Besonders ärgerlich ist zudem, dass der Regisseur Douglas Jackson so gar kein Gespür für Atmosphäre hat. In miesester TV-Optik kurbelt der Auftragsarbeiter seine Szenen herunter und egal, ob gerade eine Spannungsszene, eine Liebesszene oder nur ein flüchtiger Dialog an der Reihe ist, die Sets haben immer die gleiche Ausleuchtung. Wer hier Suspense oder Unbehagen sucht, ist wirklich fehl am Platz. Tatsächlich sieht das Ganze wie eine Folge X-FACTOR: DAS UNFASSBARE (1997-2002) aus und wartet nur darauf, dass gleich Jonathan Frakes um die Ecke kommt und fragt, ob der hier gezeigte Schlonz der Wahrheit oder dem geistigen Durchfall der Drehbuchautorin entsprungen ist. Die Darsteller sind dem ebenbürtig, Hauptdarstellerin Victoria Tennent sogar erschreckend blass. Auch Chris Saranadon, der immerhin mit FRIGHT NIGHT (1985), CHUCKY – DIE MÖRDERPUPPE (1988) und DIE BRAUT DES PRINZEN (1987) ein paar wirklich gute Filme in seiner Vita vorweisen kann, spielt komplett auf Autopilot und hat sichtlich gar keinen Bock auf diesen TV-Schmarrn. Einzig Jean LeClerc dreht als psychopathischer Bruno Clavel richtig auf und scheint sich ziemlich in seine Performance hineingehängt zu haben. Das macht zwar Laune, den mauen Streifen allerdings nur marginal besser.

Die DVD aus dem Hause Schröder Media präsentiert den Film standesgemäß in 4:3, Bild- und Tonqualität können sich allerdings sehen lassen. Neben der deutschen Tonspur gibt es auch die Originalfassung, als Bonus einen Trailer. Das Cover ziert noch die alte 18er-Freigabe, wobei man sagen muss, dass der Film heute ganz locker ab 16, wenn nicht sogar ab 12 Jahren durchgehen würde. Grausame Details sucht man hier vergebens.

Fazit:

WHISPER TO KILL (1990) ist zu Recht vergessene Videotheken-Ware. Ein Thriller auf dem Niveau einer Seifenoper am Nachmittag, die der Vorlage von Dean R. Koontz wohl kaum in irgendeiner Weise gerecht werden dürfte. Der Plot hat zwar seine Momente, allerdings ist der Rest komplett spannungs- und talentfrei inszeniertes Wegwerf-“Kino”, das man höchstens im Nachtprogramm bei RTL2 versenden kann.

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