Es ist mal wieder an der Zeit für südkoreanisches Kino, für das sich Busch Media Group seit längerem als verlässlicher und eifriger Publisher etabliert hat. Das Gros der Veröffentlichungen widmet sich zwar überwiegend dem Genrefilm, mit OBSESSED – IM FEUER DER LUST (2014) erreichte uns aber nun ein Titel, der die bekannten Pfade verlässt. Und wem dabei schon die Hand in die Hose rutscht, den müssen wir leider enttäuschen, handelt es sich hier doch keines Wegs um schmierige Soft-Erotik, sondern um ein großes romantisches Drama, angesiedelt zur Zeit des Vietnamkriegs. Ob der Film unser Herz zum schmelzen bringen konnte, erfahrt ihr in unserer Kritik.

Originaltitel: In-gan-jung-dok

Drehbuch: Tae-Kyung Oh, Dae-woo Kim

Regie: Dae-woo Kim

Darsteller: Song Seung-heon, Ji-Yeon Lim, Cho Yeo-jeong, Joo-Wan On, Hae-Jin Yoo, Hye-jin Jeon…

Artikel von Christopher Feldmann

Handlung:

Sommer 1969: Oberst Kim Jin-pyong (Song Seung-heon) ist als dekorierter Kriegsheld aus Vietnam zurückgekehrt. Obwohl ihn zu Hause eine steile militärische Karriere erwartet, ist er nicht glücklich. Jin-pyong fühlt sich gefangen in einer lieblosen Ehe und ist von seinen Erlebnissen im Krieg traumatisiert. Als in der Nachbarschaft ein weiterer Offizier einzieht, lernt er dessen Ehefrau Ga-heun (Ji-Yeon Lim) kennen. Es ist Liebe auf den ersten Blick! Bei einem heimlichen Treffen führt heißblütiges Verlangen schließlich zu einem Seitensprung. Jin-pyong und Ga-heun beginnen ein Verhältnis trotz der Gewissheit, dass ihnen ein gesellschaftlicher Skandal droht. Für ihre Liebe setzen beide ihre Existenz aufs Spiel. Sie könnten alles verlieren, was sie sich aufgebaut haben.

Denkt man an das zeitgenössische, koreanische Kino, das spätestens seit dem Welterfolg von PARASITE (2019) auch hierzulande größere Aufmerksamkeit bekommt, kommen dem geneigten Cineasten in erster Linie virtuose Actionfilme oder spannende Thriller in den Sinn. Und genau in diesen Gefilden liefert die dortige Filmindustrie regelmäßig ab. Das schon im Jahr 2014 produzierte Liebesdrama OBSESSED – IM FEUER DER LUST entzieht sich dabei relativ stark der ansonsten etablierten Marschrichtung, die man im Rest der Welt schätzt und adelt. Auch ich tat mich schwer bei dem Wissen, hier ein 130-minütiges Romantik-Epos vorgesetzt zu bekommen, auch wenn der Titel fast schon Assoziationen zu spekulativen Softcore-Streifen aus dem Nachtprogramm vergangener TV-Tage hervorruft.

Regisseur und Co-Autor Dae-woo Kim scheint sein Augenmerk auf historische Stoffe zu legen. Mit seinen beiden vorangegangenen Regie-Arbeiten FORBIDDEN QUEST (2006) und THE SERVANT (2010) bewegte sich der südkoreanische Filmemacher in vergangenen Jahrhunderten. Mit OBSESSED wagte er nun einen ganzen Schritt nach vorne und erzählt die Geschichte eines dekorierten Kriegshelden, der in Vietnam gekämpft hat und der Liebe zu der Frau eines anderen Offiziers. Das Problem ist dabei natürlich, dass unser Protagonist selbst verheiratet und zudem der Schwiegersohn eines ranghohen Generals ist. Da sind gewisse Komplikationen vorprogrammiert, besonders im Jahr 1969, in dem die Handlung spielt. Bevor man sich diesen Film genüsslich in den Player legt, um sich dem tragischen Herzschmerz hinzugeben, sollte man sich allerdings im Klaren sein, dass OBSESSED reichlich wenig triefenden Kitsch bietet. Natürlich ist das Ganze mit dem entsprechenden Pathos aufgeladen, jedoch stieß mir die Erzählweise nie sauer auf. Tatsächlich wird die eigentlich verbotene Romanze relativ gut erzählt und auch die Anziehung wie auch das Knistern zwischen dem Kriegshelden und der etwas scheuen Frau funktioniert. Der Film nimmt sich Zeit, um das Verlangen nach dem jeweils anderen wie auch die gesellschaftlichen Umstände zu etablieren, bevor beide zueinanderfinden. Wer auf Geknatter wartet, muss sich bis zur Hälfte der Laufzeit gedulden und selbst dann erstickt der Streifen nicht in schwülstigen Ruckel-Fantasien. Es gibt drei Sexszenen, die aber mehr dazu dienen, das gegenseitige Begehren explodieren zu lassen, als irgendwelche Gelüste zu befriedigen. Obendrein werden diese Momente recht ästhetisch in Szene gesetzt, so dass es zur Stimmung des Gesamtwerks passt. Zwar wird es recht freizügig aber selbstverständlich nie pornographisch.

Schlussendlich krankt OBSESSED aber an seiner zu langen Laufzeit. Mit 130 Minuten ist das Drama dann doch ein zu großer Brocken, der zudem auch sehr langsam daher kommt. Die Liebesgeschichte funktioniert zwar, jedoch bietet das Setting viele interessante Sub-Plots, die aber selten auserzählt oder gar die Aufmerksamkeit bekommen, die sie eigentlich verdient hätten. Da wären zum Beispiel die posttraumatische Belastungsstörung des Protagonisten, die wahrscheinlich wenig glückliche Ehe Ga-huens und auch die Beziehung zwischen ihm und seiner eigenen Ehefrau. All diese werden nur angerissen, zahlen aber wenig auf die eigentliche Handlung ein. Auch die gesellschaftlichen Umstände zu jener Zeit schwingen immer wieder mit, schlussendlich sind sie aber gar nicht so wichtig. So wirkt der Film unnötig aufgeblasen und zäh und man kommt nicht um den Gedanken herum, dass hier 30 Minuten weniger durchaus besser gewesen wären.

Immerhin liefert Regisseur Dae-woo Kim einige schöne Bilder und kreiert mit einer warmen Farbpallette eine durchaus angenehme Atmosphäre. Die Kostüme und Kulissen sind ebenfalls sehr wertig, so dass die Zeitreise ins Korea der späten 1960er Jahre durchaus funktioniert, auch wenn man im Hinblick auf die Geschlechterrollen das Gefühl hat, dass das Land zu diesem Zeitpunkt noch gute 15 Jahre zurücklag, erinnern die Zustände doch eher an das Amerika der 1950er Jahre. Auch die Schauspieler machen einen guten Job, insbesondere die beiden Hauptakteure Song Seung-heon und Ji-Yeon Lim, denen man die Geschichte wirklich abnimmt. Dabei fällt die restliche Besetzung etwas hinten herunter, da auch deren Charaktere nicht so richtig ausgearbeitet werden.

Die Blu-ray, die uns dankenswerterweise von Busch Media Group zur Sichtung bereitgestellt wurde, kann qualitativ vollends überzeugen. Bild- und Tonqualität sind sehr gut. Die Keep-Case-Variante verfügt über eine Trailershow, den originalen Kinotrailer des Films, sowie ein Wendecover ohne FSK-Flatschen. Die ebenfalls erhältlich Mediabook-Edition enthält noch ein 16-seitiges Booklet.

Fazit:

OBSESSED – IM FEUER DER LUST (2014) ist mal etwas anderes und eher der Stoff für Fans imposanter Liebesdramen mit einem Spritzer Erotik. Auch wenn der Film auf dieser Ebene gut funktioniert und schöne Bilder zu bieten hat, ist das Ganze mit 130 Minuten Laufzeit deutlich zu lang und zu behäbig geraten. Ein Film, der sich etwas an seinen Ambitionen verhebt, einen Blick kann man dennoch riskieren.

Amazon-Links:

Mediabook

Blu-ray

DVD

Prime Video

Christophers Filmtagebuch bei Letterboxd – Your Life in Film

Zurück zur Startseite