Die Handlung ist absurd. So viel kann man hier schon verraten. Das ruhige Krimidrama, eine Literaturverfilmung, gibt sich distanziert in der Inszenierung und leistet sich dabei eine Story, die stets kurz vor dem Scheitern ist. Doch es gibt gute Gründe, warum der Fan von Krimis der 1970er hier einen Blick wagen sollte. PLAION PICTURES brachte den kleinen Thriller mit Charles Bronson und Anthony Perkins nun im Mediabook heraus.

Originaltitel: Quelqu’un derrière la porte

Regie: Nicolas Gessner

Darsteller: Charles Bronson, Anthony Perkins, Jill Ireland, Henri Garcin, Agathe Natanson, Adriano Magistretti, Viviane Everly, André Penvern, Denise Péron, Silvana Blasi

Artikel von Kai Kinnert

Der Neurochirurg Laurence Jeffries (Anthony Perkins) leidet darunter, dass ihn seine Frau Frances (Jill Ireland) betrügt. Als er in seiner Klinik auf einen unter Gedächtnisschwund leidenden Mann (Charles Bronson) trifft, fasst er einen perfiden Plan: er nimmt den Mann mit zu sich nach Hause und redet ihm ein, Frances sei seine Frau und betrüge ihn. Der Fremde glaubt ihm und will außer sich vor Wut den Liebhaber ermorden. Um ihm die Tat zu ermöglichen, lässt Laurence den Liebhaber zu sich kommen, doch als dieser in Begleitung von Frances erscheint, läuft der Plan aus dem Ruder.

Der Film beginnt mit einer stillen Montage. Es werden die Vorbereitungen für eine Gehirnoperation gezeigt. Es sind nur die Geräusche der Instrumente zu hören und Anthony Perkins, hier Neurochirurg, beginnt mit der Operation. Es entsteht eine seltsame Atmosphäre, Kamera und Schnitt sind gut, eine diffuse Stimmung wabert durch die Bilder, alles ist gemächlich und die Unaufgeregtheit der Inszenierung wird sich durch den gesamten Film tragen. Aber da ist eine Spannung im Hintergrund. Während Perkins am Gehirn eines Patienten operiert, wird Charles Bronson mit Amnesie als Patient aufgenommen. Perkins, die Ruhe selbst, allerdings voller Hass auf seine Ehefrau, wird nach der Operation den verstörten Charles Bronson bei sich zu Hause aufnehmen und ihn zum Mörder manipulieren. Die Story katapultiert sich dabei ins Unglaubwürdige, und rettet sich durch die formal einwandfreie Inszenierung, die weitestgehend auf den Einsatz von Musik verzichtet und sich komplett auf seine Hauptdarsteller verlässt.

Und die sind großartig. Mag der Krimi ansonsten eine hanebüchene Aneinanderreihung psychologischen Unsinns sein, dem eine passende Hose und ein Jackett ausreichen, Charles Bronson zum Mörder werden zu lassen, so ist der Rest schlichtweg spannendes Schauspielkino. Der hochgewachsene, schlaksige Perkins ist in bester Form, er spielt völlig entspannt seine Rolle des Neurochirurgen, dem man besser nicht trauen sollte. Er hält die Spannung seiner Rolle über die gesamte Laufzeit hin hoch und wirkt dabei völlig passend.  

Der entscheidende Krimi-Moment für Perkins ist bei Minute 27:40. Jill Irland kommt gerade aus der Dusche, Perkins fläzt sich im karierten Jackett auf dem Bett und liest aus der Tageszeitung vor:

Ein Mann aus Dover ermordet seine Frau, weil er findet, das sie zu oft zu ihrem Zahnarzt gegangen ist.“ Er schaut seine Frau an. Sie entgegnet: „Das ist doch verrückt. Man bringt doch im Raumfahrtzeitalter wegen solch einer Lappalie keinen um.“ –  „Was hat denn das Raumfahrtzeitalter damit zu tun? Ich kann mir sehr gut einen Astronauten vorstellen, der seinem Kollegen den Sauerstoff abdreht, weil er annimmt, dass der ihn mit seiner Frau betrügt.

Sie nimmt ihm die Zeitung weg. „Du denkst also, dass die Männer sich nicht ändern.“ Er flüstert in sich hinein: „Die Frauen übrigens auch nicht.“ Perkins lächelt wissend; und dann friert sein Lächeln ein. Sein Gesicht zerfällt zu Eis. Alles, was der Film bei Perkins zuvor nur andeutete, wird nun erfüllt. Diesen Moment des Abgrunds wird Anthony Perkins fortan offen mitschwingen lassen.

Charles Bronson erweist sich in diesem Spannungsspiel als guter Schauspieler. Er ist der einfache, rätselhafte Typ mit Amnesie, der nicht weiß, wer er ist und warum er sich nur an eine Frau am Strand erinnern kann. Im letzten Drittel ist seine Figur etwas zu offen für das Manipulative gestrickt worden, Stichwort „passende Hose“, aber Bronson spielt die gebrochene, unsichere Rolle das verwirrten Mannes außerordentlich gut. Gerade in der ersten Hälfte des Films ist es fast ein Genuss, Bronson einmal anders zu erleben und zu sehen, wie er Nuancen findet und mit Talent eine untypische Rolle spielt. Die Chemie zwischen Perkins und Bronson ist rund, es macht Spaß die beiden Schauspieler in einem stimmigen Set zu erleben.

Dramaturgischer Höhepunkt ist natürlich das Finale, über das ich jetzt nicht weiter schreiben werde, denn die Gefahr des Spoilerns ist zu groß. Nur soviel: es ist ein schönes 70ths-Crime-Finale und die beste Idee im Drehbuch. Vielleicht sogar die einzige. Der Mörder vor der Tür ist als Krimi nicht so richtig gelungen, zu unlogisch und fadenscheinig sind hier die Zusammenhänge. Jedoch überzeugt die unaufgeregte Stimmung der Inszenierung, die durch Hopkins und Bronson die nötige Spannung erhält. Wer Fan der beiden Schauspieler ist, sollte hier genauer hinschauen.

Die Bildqualität ist gut, sauber, satt und klar, der Ton ebenso. Im Bonusmaterial befindet sich ein Audiokommentar, eine Behind the Scenes-Featurette, Interviews, Trailer, eine Bildergalerie und ein Booklet.

Plaion Pictures Shop:

Mediabook Cover A

Amazon-Links:

Mediabook Cover B

Zurück zur Startseite