Hier haben wir wieder so einen Kandidaten aus der Kategorie: Filme, die ich zwecks Rezension bestellt habe und bei denen ich mich nach Erhalt überhaupt nicht aufraffen konnte, diese zu sichten. In diesem Fall lag es eindeutig am Coverbild, welches die BUSCH MEDIA GROUP zur Präsentation des Filmes verwendet hat und auf dem ein paar nackte, fummelnde Jugendliche zu sehen sind. Übrigens nicht die Schuld des Verleihers, denn das Originalplakat schaut recht ähnlich aus, lediglich die Rammel-Position wurde hierzulande gewechselt. Doch bei Jezabel handelt es sich mitnichten um einen Teenager-Softsex-Ruckel-Ruckel-Streifen. Stattdessen bekam ich, als ich mich endlich zu einer Sichtung aufraffen konnte, ein verschachtelt erzähltes Drama geboten, dass ein wenig die Vibes von Larry Clarks´ skandalträchtigem Kultfilm Kids transportiert.

Originaltitel: Jezabel

Regie: Hernán Jabes

Darsteller: Gabriel Agüero, Eliane Chipia, Erich Wildpret, Johanna Juliethe, Maria Conchita Alonso

Artikel von Christian Jürs

Wir schreiben das Jahr 2017. Venezuelas Hauptstadt Caracas wird von politischen Unruhen heimgesucht, als junge Regierungsgegner den Aufstand wagen. Doch Alain (Luis Carlos Boffill), Loló (Gabriel Agüero), Cacá (Shakti Maal) und Eli (Eliane Chipia) schert dies wenig. Die Jugendlichen aus gutem, reichen Hause vergnügen sich lieber mit Drogen, Alkohol und Gruppensex, während um sie herum ihre Studienkollegen um ihr Recht kämpfen und das Land auseinanderzubrechen droht.

Es ist Alain, der damalige Hahn im Korb im Quartett der bessergestellten Teenager, der uns in der Gegenwart des Filmes, dem Jahr 2033, die tragische Geschichte der vier Freunde nach und nach offenbart (in dieser Zeitebene dargestellt von Gabriel Agüero). Also, eigentlich nicht uns, sondern seinem Journalismuskollegen Salvador (Erich Wildpret), mit dem er eine leidenschaftliche, sexuelle Beziehung führt. Er – und wir – erfahren, was die vier Jugendlichen damals Schlimmes auf dem Kerbholz hatten, was schließlich zu einem tragischen Ereignis führen wird.

So schrecken sie nicht davor zurück, einen unschuldigen Lehrer der Pädophilie zu bezichtigen, nur weil dieser sie in seinem Kurs hat durchfallen lassen. Das Geld für Alkohol und Drogen finanzieren sie sich während eines Sommercamps, indem die jungen Frauen gerade pubertierenden Jungs einen Blowjob verpassen. Im Gegensatz hierzu bezahlen die Kids mit ihrem Ersparten oder wertvollen Goodies, die sie an Alain aushändigen. Angst vor der Betreuerin, die ihnen auf die Schliche kommt, haben sie nicht, denn schließlich stünde ihr Wort gegen das der vier Jugendlichen, deren Eltern das Camp finanzieren.

Im Drogenrausch kommt Eli auf die Idee, später mit Internetpornographie ihren Lebensstandard zu finanzieren. Sie hat auch bereits einen passenden Künstlernamen, den sie sich zulegen möchte: Jezabel – Sünden der Vergangenheit. Doch hierzu wird es niemals kommen, denn eines Tages ist Eli plötzlich tot – brutal ermordet. Als Täter wurde damals der geschasste Lehrer verhaftet. Alain, der in Salvador einen liebevollen Zuhörer und leidenschaftlichen Tröster gefunden hat, vertraut sich diesem an und schildert ihm nach und nach, wie es zu der Tragödie kam. Dabei kommt ihm der Gedanke, dass der Täter eventuell fälschlich des Mordes veruteilt wurde.

Ich gebe es zu, nachdem ich vor Kurzem den ebenfalls von Busch Media Group veröffentlichten Split Desires – Dunkle Triebe besprochen hatte, war mein Bedarf an softerotischen Kopulationsszenen erstmal gedeckt. Glücklicherweise entpuppte sich Jezabel – Sünden der Vergangenheit als so viel mehr. Klar, hier und da wird auch gefummelt, geschmust und geleckt, jedoch weitaus verhaltender und seltener als bei erwähntem, asiatischem Schocker. Je weiter die Laufzeit von Jezabel – Sünden der Vergangenheit voranschreitet, desto mehr geraten diese Szenen in den Hintergrund und offenbaren dunkle Seiten, die man so nicht vorhersehen konnte. Hier spielt das gut fotographierte Thrillerdrama seine Stärken aus und weiss zu gefallen und sogar zu fesseln. Besonders auf der Zielgeraden werden sich so einige Kinnladen ungewollt öffnen. Als Beispiel sei hier ein Glastisch erwähnt, der mich übel zusammenzucken ließ.

Bild- und Tonqualität der mit vorliegenden Blu-ray-Variante sind sehr gut, auch die Synchronfassung weiss zu überzeugen. Als Bonus gibt es Trailer und ein Wendecover ohne FSK-Logo.

Jezabel – Sünden der Vergangenheit ist ein toll fotographiertes, zunehmend fesselndes Filmerlebnis mit, für meinen Geschmack, ein paar Softsexmomenten zuviel. Insgesamt überwiegt aber der positive Eindruck deutlich. Kein Film, den ich mir öfters ansehen werde, zur einmaligen Sichtung aber wärmstens empfohlen.

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