Nur ein Jahr bevor Sylvester Stallone mit ROCKY III – DAS AUGE DES TIGERS (1982) und RAMBO: FIRST BLOOD (1982) seinen Status als Actionstar langsam aber sicher zementieren sollte, gab er eine erste Kostprobe als unerbittlicher Kämpfer gegen das Böse. Der Copthriller NACHTFALKEN (1981) zählt zwar nicht unbedingt zu den großen Hits Stallones, gilt aber als wichtiger Vorbote zu dem, was noch kommen sollte. Plaion Pictures veröffentlichte das raue Katz-und-Maus-Spiel, in dem vor allem Rutger Hauer als Bösewicht brilliert, vor ein paar Jahren als Mediabook-Edition samt restaurierter HD-Fassung. Nun, nach deren Ausverkauf, legte das Label eine Neuauflage im Keep-Case nach. Ob sich der Kauf und natürlich auch der Film lohnen, erfahrt ihr in unserer Kritik.

Originaltitel: Nighthawks

Drehbuch: David Shaber

Regie: Bruce Malmuth

Darsteller: Sylvester Stallone, Rutger Hauer, Billy Dee Williams, Lindsay Wagner, Nigel Davenport, Persis Khambatta, Joe Spinell…

Artikel von Christopher Feldmann

Spricht man über Sylvester Stallones Arbeit im Genre des Actionfilms, werden üblicherweise immer dieselben Titel genannt. Das soll natürlich kein Affront gegen das Spektakel in RAMBO II – DER AUFTRAG (1985) oder die Bad-Ass-Macho-Fantasie DIE CITY-COBRA (1986) sein, jedoch fällt dabei selten der Titel NACHTFALKEN (1981), den Sly drehte, noch bevor er zum Aushängeschild des 80er-Körperkults avancierte. Tatsächlich atmet der Thriller noch den Geist des New-Hollywood-Kinos der 1970er Jahre und bildet eine wichtige Zwischenstation in der Genese seines Hauptdarstellers, der hier nach seinem Erfolg mit ROCKY (1976) und ROCKY II (1979) erstmals Genreluft schnupperte.

Handlung:

Eigentlich sind die beiden Cops Deke DaSilva (Sylvester Stallone) und Matthew Fox (Billy Dee Williams) als Lockvögel der New Yorker Polizei meist nachts auf Verbrecherjagd. Als aber der gefährliche Terrorist Heymar Wulfgar (Rutger Hauer) nach einem verheerenden Anschlag in London nun den Big Apple heimsucht, sind sie plötzlich auch als Anti-Terror-Experten gefragt. Denn der skrupellose Wulfgar hat es auf Angestellte der Vereinten Nationen abgesehen und zwingt die beiden „Nachtfalken“ in einen atemberaubenden Showdown, der neben konventionellen Waffen auch ihre Fähigkeiten zur Tarnung erforderlich macht.

NACHTFALKEN hatte mit zahlreichen Produktionsproblemen zu kämpfen. Das Drehbuch, welches ursprünglich für einen dritten FRENCH CONNECTION mit Gene Hackman geschrieben wurde, sollte von Gary Nelson verfilmt werden, jedoch wurde dieser nach kurzer Zeit durch Bruce Malmuth ersetzt. Zwischenzeitlich übernahm sogar Stallone selbst das Zepter und übte auch später einen nicht zu unterschätzenden kreativen Einfluss auf das Projekt aus. Die finale Fassung, die schließlich 1981 in die Kinos kam, ist allerdings nur noch eine Art Rumpffassung des ursprünglichen Films, der eigentlich auf Rutger Hauer zugeschnitten war. Dessen Szenen wurden allerdings gekürzt, um Stallones Figur mehr Raum zu geben, immerhin wurde mit ihm der Streifen beworben. Auch das Studio mischte sich in die Post-Produktion ein, um NACHTFALKEN auf einen handelsüblichen Actionthriller trimmen. So wurden diverse Szenen herausgeschnitten, Lindsay Wagner, die hier als DaSilvas Verflossene zu sehen ist, taucht nur noch in zwei Szenen auf, ihre Rolle wäre eigentlich wesentlich größer gewesen und auch der ganze Aufbau rund um Hauer als Terrorist und die Suche der Cops nach selbigem wirkt nicht so ganz rund.

Und trotzdem birgt NACHTFALKEN einige Qualitäten, nicht zuletzt durch seine Atmosphäre, die einen schönen Bogen zum New-Hollywood-Kino schlägt, welches 1981 schon in den letzten Zügen lag. An Originalschauplätzen gedreht, vermittelt der Film eine erstaunliche Authentizität und bildet das damalige Kolorit perfekt ab. New York ist hier ein dreckiger Großstadtdschungel, in dem es an jeder Ecke gehörig mieft, in dem Straßengangster ihr Unwesen treiben und in dem man nachts nicht alleine um den Block gehen möchte. NACHTFALKEN portraitiert die Großstadt auf ähnliche Art und Weise wie es William Friedkin in CRUISING (1980) oder auch der Horrorfilm MANIAC (1980) tat. Dazu passt es, dass der Hauptdarsteller des letzteren, Joe Spinell, hier in einer Nebenrolle zu sehen ist. Auch die Schauplätze, die neben den dreckigen Straßen vor allem U-Bahnstationen, Baustellen, Discotheken und als elaboriertes Set-Piece eine Seilbahn umfassen, sind hervorragend gewählt. NACHTFALKEN ist einer dieser Filme, die den Zuschauer durch ihren optischen Realismus förmlich in sich hineinziehen.

Gegenüber seinen optischen Qualitäten fällt die Handlung allerdings ein wenig ab, wirkt diese vor allem durch die Eingriffe in den Schnitt etwas sprunghaft und fragmentarisch. Bis es zum Aufeinandertreffen zwischen den Cops „DaSilva“ und „Fox“ und dem Terroristen „Wulfgar“ kommt, vergeht viel Zeit, in der gar nicht mal soviel passiert, zumindest auf Seiten der Gesetzeshüter. Dialoge zwischen „DaSilva“ und seiner Ex führen ins Nichts (da diese eigentlich nicht mehr auftaucht), die Polizeiarbeit wird lediglich angerissen und auch der immer wieder angesprochene Vietnam-Background des Duos wird nicht weiter ausformuliert und bleibt bloße Behauptung. Darunter hat schließlich Rutger Hauer zu leiden, der hier sein Hollywooddebüt gab und als hassenswerter wie kaltblütiger Terrorist, der schlussendlich mehr an persönlichen Idealen interessiert scheint, eine hervorragende Performance abliefert. „Wulfgar“ (was für ein Name) ist ein echter Bilderbuchschurke, der stets eine charismatische Bedrohlichkeit besitzt und sich als klarer Szenendieb entpuppt, auch wenn man während der Post-Produktion bereits Kürzungen veranlasste, um das Ganze eher auf Stallone zuzuschneiden.

Der gibt wiederum den abgebrühten Straßencop im SERPICO-Look und darf es schließlich mit Hauer aufnehmen. Auch Stallone macht hier einen guten Job, wenn auch seine Figur deutlich weniger hergibt. Dafür überzeugt der der Hollywoodstar vor allem in den Actionmomenten wie der rasanten Verfolgungsjagd durch die U-Bahn oder der schweißtreibenden Seilbahnsequenz. Ihm zur Seite steht Billy Dee Williams, der ein Jahr zuvor als „Lando Calrissian“ in DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK (1980) zu sehen war. Dieser hat aber weitaus weniger zu tun und fungiert lediglich als Stichwortgeber, dennoch besitzt das Duo eine gute Dynamik, die sich auf den Zuschauer überträgt. Machen die beiden Cops erst einmal Bekanntschaft mit dem Bösewicht, prescht NACHTFALKEN auch als Film nach vorne und kann einen guten Spannungsaufbau sein Eigen nennen. Alles mündet schließlich in einem zwar nicht sonderlich spektakulären aber immerhin effektiven und überraschenden Showdown.

Hierbei handelt es sich um einen dieser Filme, von denen man sich eine alternative Fassung wünschen würde, in der das herausgeschnittene Material enthalten ist, welches das finale Produkt sicher nochmal aufwerten würde. Für Synchronliebhaber ist NACHTFALKEN vor allem deswegen besonders, weil es sich hier um den ersten Film handelt, in dem Stallone von Thomas Danneberg gesprochen wurde, der daraufhin zur deutschen Feststimme des Actionstars wurde.

Plaion Pictures veröffentlichte den Thriller kürzlich als Neuauflage im 2-Disc Set als Keep-Case-Version. Das Bild ist detailreich, bewahrt sich aber trotzdem ein ansprechendes Filmkorn, der Ton ist solide. Als Extras gibt es neben Interviews, Spots, Trailern und einer Bildergalerie zudem eine alternative TV-Fassung. Ein Wendecover ohne FSK-Siegel ist ebenfalls vorhanden.

Fazit:

NACHTFALKEN (1981) ist nicht unbedingt ein großer Klassiker im Oeuvre von Sylvester Stallone aber ein durchaus sehenswerter Copthriller, der vor allem durch seine Atmosphäre und die Performance von Rutger Hauer punktet. Für Fans des Genres durchaus einen Blick wert.

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