Kennt Ihr RackaRacka? Nein? Ihr wisst nicht einmal, was das ist? Nun, dabei handelt es sich um den YouTube-Kanal der australischen Brüder Danny und Michael Philippou, die sich mit schwarzhumorigen Splattervideos wie dem absolut sehenswerten „Supermodel goes WILD“ und ihren völlig abgedrehten „Harry Potter vs. Star Wars„-Crossover-Filmen einen Namen gemacht haben (schaut unbedingt mal dort rein). Was das mit dieser Filmkritik zu tun hat? Eine ganze Menge, denn die Brüder haben mit „Talk to Me“ nicht nur ihren ersten Spielfilm abgeliefert, das Ding ist auch noch echt gut. CAPELIGHT PICTURES hat den Schocker nun, nach kurzem Kinoeinsatz, im Heimkino veröffentlicht. Ein guter Zeitpunkt, das Böse hereinzulassen.

Regie: Danny Philippou & Michael Philippou

Darsteller: Sophie Wilde, Alexandra Jensen, Joe Bird, Miranda Otto, Zoe Terakes

Artikel von Christian Jürs

Die Prämisse, Kontakt mit dem Totenreich aufzunehmen, ist so alt wie das Horrorgenre selbst. Doch diesmal ist es kein Ouijabrett oder ein Tischkreis mit einem Medium daran, sondern eine krumme, ominöse Gipshand, die bei der Séance die Toten ins Reich der Lebenden zurückholt und dadurch zu einem Internetphänomen bei Snapchat gerät, welches Jugendliche dazu animiert, diesen Spaß auf Partys auszuprobieren und zu filmen.

Die Regel dabei lautet, dass derjenige, der als Medium fungiert, die Hand greift und „Talk to me“ zu ihr sagt. Hierdurch erscheint dem Spieler ein Verstorbener, den er oder sie in sich hineinlassen kann, um die verstorbene Seele über den Körper der Versuchsperson sprechen zu lassen. Dabei verzerrt sich das Gesicht des Spielers und die Augen werden tiefbraun. Wichtigste Regel dabei ist, dass der Kontakt niemals länger als 90 Sekunden anhalten darf, da ansonsten das Tor zwischen Totenreich und unserer Welt nicht mehr rechtzeitig verschlossen werden kann und der Geist des Verstorbenen nicht mehr zurückkehrt und im Gastkörper verbleibt. Videos dieses Spiels häufen sich im Netz. Auch auf der Party von Joss (Chris Alosio) und Hayley (Zoe Terakes), die Mia (Sophie Wilde) mit ihrer besten Freundin Jade (Alexandra Jensen), deren Freund Daniel (Otis Dhani), dem Ex von Mia, sowie Jades jüngerem Bruder Riley (Joe Bird) besucht, steht das düstere Spiel im Fokus.

Mia, die ihre Mutter vor zwei Jahren verlor, ist sofort Feuer und Flamme für das Experiment und meldet sich freiwillig. Jade hingegen ist entsetzt und warnt vor den Gefahren des leichtsinnigen Umgangs mit der anderen Seite. Sie kann jedoch nicht verhindern, dass auch Riley am Experiment teilnimmt. Als aus dessen Mund die Stimme von Mias verstorbener Mutter erklingt, beendet die junge Frau Rileys Kontakt nicht rechtzeitig und es kommt zur Katastrophe…

Groß war die Furore im Internet und überall las man vom Horror-Hit des Jahres. Auf Rotten Tomatoes waren gar 95% der Kritiken positiv. Die Erwartungshaltung war dementsprechend groß, als ich Talk to me in den heimischen Player legte – und ich wurde nicht enttäuscht. Auch wenn ich mit Evil Dead Rise dieses Jahr mehr Spaß hatte, so vergingen die 95 Minuten Laufzeit des Newcomerfilms der australischen YouTuber wie im Flug. Auch gruselig wurde es immer wieder, ohne dabei auf billige Jumpscares zu setzen. Stattdessen stand die Nägelkauer-Atmosphäre im Vordergrund, auch, weil die Handlung wenig vorhersehbar vonstattenging. Dies liegt vor allem daran, dass die Charaktere glaubwürdig und lebensnah innerhalb ihres Kosmos agieren und man zu jeder Zeit verstehen kann, warum beispielsweise Mia so blauäugig handelt, wie wir es zwar niemals gutheißen würden, es aber nachvollziehen können. Hier und da werden Vibes des verstörenden Smile – Siehst Du es auch? spürbar, auch wenn Talk to me nicht in Gänze dessen Intensität erreichen kann. Dafür überzeugen sämtliche Darsteller, inklusive einer stark aufspielenden Miranda Otto als Mutter des gebeutelten Riley oder Ari McCarthy als Cole, der einst seinen Bruder an das dämonische Spiel verlor (in einer überraschend effektiven Eröffnungssequenz).

Mir lag die Mediabookvariante zur Besprechung vor. Diese besticht selbstverständlich, wie im Hause Capelight Pictures üblich, durch sehr gute Bild- und Tonqualität und eine hochwertige Synchronisation. Das Bonusmaterial von 4K UHD und Blu-ray sind identisch und umfassen einen Audiokommentar, Interviews, entfallene Szenen, Trailer und weitere Featurettes. Ein 24-seitiges Booklet ist ebenfalls vorhanden und informativ geschrieben.

Wer sich mal wieder gepflegt gruseln möchte, der kann hier bedenkenlos zugreifen. Talk to me ist äußerst sehenswert für Horrorfans.

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