Alle guten Dinge sind drei, denn zum nunmehr dritten aber auch letzten Mal prügelt sich Japans Actionstar Sonny Chiba als Karatemeister und Teilzeitauftragsmörder „Terry Tsurugi“ durch die Reihen finsterer Gesellen. Das Label LUCKY 7 hat vor einiger Zeit auch dem Trilogie-Abschluss THE STREET FIGHTER’S LAST REVENGE (1974) eine liebevolle HD-Veröffentlichung spendiert und dem Streifen zur Deutschlandpremiere sogar eine Synchronisation verpasst. Ob es sich hier um ein gelungenes Finale der Reihe, deren erster Teil zum Klassiker des Grindhousekinos avancierte, handelt, erfahrt ihr in unserer Kritik.

Originaltitel: Gyakushû! Satsujin ken

Drehbuch: Kôji Takada, Masahiro Shimura, Shigehiro Ozawa

Regie: Shigehiro Ozawa

Darsteller: Sonny Chiba, Reiko Ike, Kôji Wada, Tatsuo Endô, Akira Shioji, Fuyuki Murakami…

Artikel von Christopher Feldmann

Der „Street Fighter“ ist zurück und muss sich erneut einer ganzen Schar von Gegnern erwehren. Es ist schon beeindruckend, dass Regisseur und Ko-Autor Shigehiro Ozawa alle drei Filme der originalen STREET-FIGHTER-Trilogie (das Spin-Off SISTER STREET FIGHTER (1974) zählt nicht dazu) im gleichen Jahr abdrehte. Ein ganz schönes Arbeitspensum für die Macher und auch den Hauptdarsteller, der in allen drei Filmen vollen Körpereinsatz zeigt. Wobei, der Trilogie-Abschluss THE STREET FIGHTER’S LAST REVENGE (1974) backt im Vergleich zu seinen Vorgängern deutlich kleinere Brötchen, wurden die Actionszenen doch genauso reduziert wie die expliziten Gewaltdarstellungen und auch an der Tonalität hat man ein wenig geschraubt. Das hat zur Folge, dass der Streifen für viele Fans als schwächster der Reihe gilt, nicht umsonst zeigt das Kino in TRUE ROMANCE (1993) auch SISTER STREET FIGHTER (1974) als Teil des STREET-FIGHTER-Triple-Features und nicht THE STREET FIGHTER’S LAST REVENGE (1974). Ob diese These wirklich zutrifft, kann ich nicht beurteilen, da ich bisher noch keinen Blick auf die „Schwester“ werfen konnte. Um einen großen Wurf handelt es sich beim hier vorliegenden Film dennoch nicht, wer allerdings Spaß an überzeichnetem, japanischen Actionkino hat, bekommt einen spaßigen Vertreter.

Handlung:

In Zusammenarbeit mit einer skrupellosen Firma erpresst und besticht ein Yakuza Clan verschiedene Politiker. Als eine brisante Tonaufnahme auftaucht mit der die korrupte Regierung entlarvt werden könnte kommt Karatemeister Terry Tsurugi (Sonny Chiba) ins Spiel. Er soll die kompromittierende Tonaufnahme unter allen Umständen beschaffen; koste es was es wolle. Ein wildes Katz und Maus Spiel um die Tonaufnahme beginnt, in dem außer Terry noch andere Interessenten mit von der Partie sind.

Der wahrscheinlich größte Minuspunkt für Fans der Vorgänger, dürfte die Tatsache sein, dass man die Tonalität für den dritten Film komplett geändert hat. Wir erinnern uns: „Terry Tsurugi“ ist im Grunde das Musterbeispiel eines Antihelden, der ruchlos und brutal zur Tat schreitet, immer schlechte Laune hat und gerne seine stark misogyne Gesinnung zur Schau stellt. Auch abseits seiner Aufträge für das kriminelle Gesindel Japans ist mit dem „Street Fighter“ nicht gut Kirschen essen. Diese raubauzige Bad-Ass-Attitüde gepaart mit der comichaften Gewalt macht den Charme von THE STREET FIGHTER aka DER WILDESTE VON ALLEN (1974) und auch der Fortsetzung aus. Für THE STREET FIGHTER’S LAST REVENGE ließ man sich nicht nur dazu hinreißen, den Gewaltpegel deutlich zu senken, auch an der Persönlichkeit der Hauptfigur hat man ein wenig gebastelt. „Terry“ ist im dritten Film deutlich handzahmer, stellenweise fast schon charmant gegenüber dem weiblichen Geschlecht. Zwar ist das hier natürlich immer noch stark sexistisch, jedoch channelt Sonny Chiba sichtlich seinen inneren „James Bond“, während er in den Vorgängern den sadistischen, frauenschlagenden Widerling gab. Chibas Rolle ist deutlich massentauglicher gestrickt worden, vermutlich um den Actionfilm international besser vermarkten zu können und ein größeres Publikum anzusprechen.

Inhaltlich ist allerdings Alles beim Alten. „Terry“ führt wieder Aufträge für sinistere Gangster aus, die ihn anschließend aber gleich um die Ecke bringen wollen. Ich frage mich ernsthaft, ob der Karateka überhaupt jemals für eine von ihm absolvierte Mission bezahlt wurde, denn in den STREET-FIGHTER-Filmen wird er jedes Mal losgeschickt und im Anschluss gelinkt, so dass „Terry“ nichts anderes übrig bleibt, als Jeden zu Klump zu hauen. Zumindest ist er in dieser Disziplin sehr erfolgreich, ein Händchen für ehrliche Geschäftspartner scheint er nämlich nicht zu haben. In Teil 3 erwartet den Zuschauer zudem noch ein McGuffin in Form eines Tonbands, es geht um Drogenhandel und korrupte Staatsdiener. In Sachen Storytelling ist THE STREET FIGHTER’S LAST REVENGE (1974) deutlich näher an den JAMES-BOND-Filmen und MISSION: IMPOSSIBLE als an dem, was die beiden vorherigen Filme auszeichnet.

So verwendet „Terry“ für seine Aufträge erstmals Kostümierungen und Gummimasken und gibt somit den japanischen „Ethan Hunt“. Das sorgt ebenso für einen gewissen trashigen Charme wie ein Auftragskiller im Mariachi-Outfit, der mit einer Laserkanone hantiert. Leider bietet der Film nicht genug solcher absurder Ideen und verlässt sich eher auf die abgedroschene Geschichte. Die Action weiß zwar immer noch zu überzeugen, jedoch ist diese eher in der zweiten Hälfte präsent. Die Kämpfe sind zudem dynamischer und flüssiger inszeniert als zuvor, jedoch fehlt ihnen die Härte und rohe Energie, lediglich im Finale geht es etwas handfester zur Sache. Auch Sonny Chiba, der seinen Part wieder charismatisch spielt, ist deutlich geerdeter, fehlen größtenteils doch die albernen Grimassen und die weirden Atemübungen. Dennoch ist der Streifen für Fans japanischer Karateaction der 1970er Jahre durchaus genießbar, alleine durch einen wieder mal gut aufgelegten Hauptdarsteller und der knackigen Laufzeit von gerade einmal 80 Minuten, die dieses Mal immerhin nicht durch zahlreiche Rückblenden gestreckt werden wie zuvor in RETURN OF THE STREET FIGHTER (1974).

Wie schon die beiden Vorgänger, veröffentlichte das Label Lucky 7 auch THE STREET FIGHTER’S LAST REVENGE (1974) als Scanavo-Edition in einer Full-Sleeve Box, die natürlich optisch perfekt auf die vorherigen Veröffentlichungen abgestimmt ist. Das Bild der Blu-ray besticht durch eine sehr gute Schärfe und wirkt zudem zu keiner Zeit totgefiltert. Der Ton kann sich ebenfalls hören lassen, hat das Label doch eine deutsche Synchronisation in Auftrag gegeben, denn hierzulande wurde THE STREET FIGHTER’S LAST REVENGE (1974) zuvor nie offiziell veröffentlicht. Die Sprecher machen allesamt einen guten Job, wobei Chibas deutsche Stimme nicht so richtig mit dem Darsteller harmoniert, gerade wenn man noch Thomas Danneberg im Kopf hat. Trotzdem punktet die Synchro mit schönem Retrocharme, so dass man den Film ohne weiteres in unserer Landessprache genießen kann. Als Extra gibt es lediglich den Trailer, innerhalb der Edition finden sich allerdings (wie bei den beiden anderen Filmen der Reihe) ein Poster und ein Bierdeckel.

Fazit:

THE STREET FIGHTER’S LAST REVENGE (1974) bildet den Abschluss der originalen STREET-FIGHTER-Trilogie mit Schlagetot Sonny Chiba, der sich im Vergleich zu den beiden Vorgängern aber deutlich handzahmer gibt und mehr Zeit für eine wenig originelle Spionagegeschichte verschwendet als für harte Actionszenen. Deutlich lockerer und auch trashiger angelegt, ist der Streifen sicher der schwächste Teil der Reihe, wenn auch immer noch unterhaltsam.

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