Spätestens seit seinem Achtungserfolg mit UNDISPUTED 2 – LAST MAN STANDING (2006) ist Regisseur und Kampfchoreograph Isaac Florentine eine verlässliche Größe im B-Action-Segment, der bereits mehrmals beweisen durfte, dass er trotz geringeren finanziellen Mitteln dazu im Stande ist, spektakuläre Kampfsportaction auf Film zu bannen. Mit DESERT HAWK aka DESERT KICKBOXER (1992) erschien jüngst ein Frühwerk des Meisters erstmals auf Scheibe. Action Sensation / Cargo Records haben den Low-Budget-Streifen hierzulande veröffentlicht und ob es sich hierbei um ein kleines Juwel handelt, erfahrt ihr in unserer Kritik.

Originaltitel: Desert Kickboxer

Drehbuch: Isaac Florentine, Jim Lofti

Regie: Iaac Florentine

Darsteller: John Haymes Newton, Judie Aronson, Paul L. Smith, Sam DeFrancisco, Frankie Avina…

Artikel von Christopher Feldmann

Fans knackiger und schlagkräftiger B-Actionkost werden den Namen Isaac Florentine sicher schon einmal vernommen haben. Der Kampfsportler, Choreograph und Regisseur israelischer Herkunft verdingt sich seit den 1990er Jahren als verlässlicher Lieferant für überdurchschnittliche Straight-to-Video/DVD-Ware und gilt gemeinhin als der Entdecker und Förderer von Scott Adkins, dem er später zur Rolle des „Boyka“ in UNDISPUTED 2 (2006) verhalf und damit eine echte Duftmarke im Sumpf günstig produzierter Klopper aus dem Hause Nu Image/Millennium Films setzte. Auch in UNDISPUTED 3 (2010), NINJA: REVENGE WILL RISE (2009) und NINJA: PFAD DER RACHE (2014) inszenierte er den britischen Actionstar als virtuose Kampfmaschine, die große Kinokarriere blieb ihm aber stets verwehrt. Nicht zu verachten sind auch Florentines frühere Filme wie etwa HIGH VOLTAGE (1998), ein Gangsterfilm mit Action im Hongkongstil, das dystopische Brett COLD HARVEST (1999) oder der Martial-Arts-Kracher U.S. SEALS II – THE ULTIMATE FORCE (2001), die der Filmemacher allesamt für die Lerner-Brüder drehen durfte. Umso erfreuter war ich also, als ich die Scheibe zu DESERT KICKBOXER (1992), der hierzulande als DESERT HAWK auf VHS erschien, in den Händen hielt, handelt es sich bei dem Streifen um den ersten abendfüllenden Spielfilm Florentines. Und auch wenn der als Western inszenierte Kickbox-Reißer schwer unter den sehr bescheidenen Produktionsmitteln und dem fehlendem Talent des Hauptdarstellers leidet, lässt sich schon hier gut das Talent hinter der Kamera erkennen.

Handlung:

Joe Highhawk (John Haymes Newton), Ex-Cop und Nachkomme einer vergessenen Indianerrasse vegetiert in der sengenden Wüste von Mexiko als Einsiedler vor sich hin. Er hat einen Schwur geleistet: Nie wieder will er töten, so wie er in einem Kickbox-Fight seinen unterlegenen Gegner getötet hat. Aus Wut uns aus blindem Hass. Aber das Verbrechen holt ihn ein. Im Sondereinsatz für den Sheriff ist er zwei Handlangern des mächtigen Drogenschmugglers Santos (Paul L. Smith) auf der Spur. Joe kann sie stellen: Claudia (Judie Aronson) und ihr Bruder Anthony (Sam DeFrancisco). Die beiden haben Santos betrogen und sind auf der Flucht vor ihm. Jetzt begreift Joe das hinterhältige Spiel. Verfolgt und lebensgefährlich verletzt, erniedrigt und bis an die Grenzen seiner Kräfte ausgehungert gilt sein Kampf nur einem Ziel. Freiheit für Claudia und Anthony, Gerechtigkeit und Rache. Joe steht zwischen blinder Wut und der Macht seiner Schwurs. Er darf nicht mehr töten. Nur seine Fäuste helfen ihm weiter…

Bereits 1987 verdiente sich Florentine mit dem Kurzfilm FAREWELL TERMINATOR seine ersten Sporen hinter der Kamera, zudem agierte er sogar als Darsteller. Für seinen ersten abendfüllenden Spielfilm dauerte es noch ganze fünf Jahre bis ihm Menahem Golan, der nach dem Ende von Cannon Films die Produktionsklitsche 21st Century Films gründete, das Budget eines Pizzakartons gewährte, um DESERT KICKBOXER zu drehen. Herausgekommen ist ein sichtlich billig produzierter Actionfilm, der so ziemlich alle Zutaten vereint, die der Regisseur auch in späteren Werken verarbeitete.

Dass Florentine ein Fan des Westerns, insbesondere derer von Sergio Leone, ist, lässt sich in den meisten seiner Filme erkennen, im Falle des hier vorliegenden Streifens ist es allerdings nicht zu übersehen, spielt sich die Handlung doch vollständig im staubigen Wüstensetting ab. Die Story passt indes auf einen Bierdeckel. Es geht um sinistere Drogenschmuggler, die die Gegend mit harter Hand regieren und auf deren Gehaltsliste sogar die örtliche Polizei steht. Doch natürlich hat niemand die Rechnung mit Ex-Kickboxer und Draufgängercop „Joe Highhawk“ (was für ein Name!) gemacht, der, nachdem er einen Gegner in Anflug blinder Wut im Ring getötet hat, dem Kämpfen abgeschworen hat und nun für Recht und Ordnung sorgt, obwohl er auch hier das verbrecherische Gesindel gerne mal verprügelt. Dass es schnell zum Konflikt zwischen dem Kickboxercop und der Drogenbande kommt, dürfte klar sein und spätestens als „Joe“ der vor den Gangstern flüchtenden „Claudia“ und ihrem Bruder Schutz gewährt, kommt es zum Kampf auf Leben und Tod, Lovestory mitsamt pathetischer Sexszene inklusive.

DESERT KICKBOXER ist nicht originell und die Story passt auf einen Bierdeckel, vereint aber die Lieblingsthemen des Regisseurs. Ein einsamer, von der Vergangenheit traumatisierter Kämpfer, Martial-Arts und Westernatmosphäre. Die Mischung funktioniert, auch wenn man hier kein vergessenes Actionbrett erwarten sollte. Die Produktionsbedingungen waren sehr schlecht, das Budget kaum vorhanden und von der Drehzeit wollen wir gar nicht anfangen, hier musste mit wirklich geringen Mitteln gearbeitet werden, weshalb der geneigte Zuschauer Abstriche machen sollte. Bereits in der Eröffnungsszene, in der „Joe“ gegen einen Gegner im Ring kämpft, hat es nicht einmal für Statisten gereicht, Alles außerhalb des Rings ist dunkel, die Zuschauerrufe kommen schlichtweg vom Band. Auch die kargen Landschaften entbehren jegliche Sets, stattdessen wurde der Film augenscheinlich irgendwo in einem Nationalpark zwischen ein paar Felsen heruntergekurbelt, lediglich für einen Wohnwagen (das Zuhause von „Joe“) hat es gereicht. Auf der bescheidenen Ausstattung herumzureiten wäre allerdings unfair, holt Florentine doch das Beste aus seinen Mitteln heraus, besonders die kurzen aber effektiven Kampfszenen zeigen, dass hier Talent vorhanden ist. Die Kamera ist da wo sie sein muss, der Schnitt ist gut gesetzt und auch die Choreographien sind ansehnlich, zumal der geschickte Einsatz von Zeitlupen für eine gewisse Wucht sorgt. Dass kein Geld für allzu große oder elaboriertere Actioneinlagen vorhanden war, hat zwar zur Folge, dass sich DESERT KICKBOXER mit Mühe und Not auf seine knapp 82-minütige Laufzeit schleppt, unterhaltsam ist diese aber dennoch.

Wirklich schwach sind lediglich die Darsteller. Konnte Florentine bei seinem nächsten Projekt SAVATE (1995) mit einem gestandenen B-Recken wie Olivier Gruner zusammenarbeiten, musste man sich hier mit James Haymes Newton begnügen, der zuvor als junger „Clark Kent“ in der Serie SUPERBOY (1988-1992) zu sehen war. Zwar sitzen die Kicks und Schläge, schauspielerisch hat Newton jedoch die Ausstrahlung eines Käsebrots, das schon drei Tage drüber ist. Bis auf ein paar ordentliche Moves sind hier keine Actionstarqualitäten zu erkennen, die Liebesszenen mit „Claudia“ sind peinlich und selbst die unverzichtbare Trainingsmontage eher unfreiwillig komisch. Mit Judie Aronson, Fans von 80er-Kultfilmen vor allem durch FREITAG DER 13. TEIL 4 (1984) und AMERICAN FIGHTER (1985) bekannt, macht hier noch den besten Job, auch wenn ihre Rolle nicht viel mehr hergibt, als zu schreien. Als Obermufti ist noch Paul L. Smith zu sehen, der in den 1970er Jahren vor allem als Bud-Spencer-Lookalike in mehreren Spencer/Hill-Rip-Offs made in Italia in Erscheinung trat.

Action Senstation und Cargo Records spendierten dem Streifen nun eine deutschsprachige DVD-Premiere, die allerdings aussieht, als hätte man lediglich einen VHS-Rip auf Disc gebrannt. 4:3-Bild, blasse Farben und viel Rauschen, sowohl auf dem Bildschirm als auch auf der Tonspur.

Fazit:

DERSERT KICKBOXER (1992) ist absolutes Low-Budget-Kino, welches lediglich für Florentine-Fans interessant sein dürfte, zeigt dieser doch schon in seinem Spielfilmdebüt Talent für ansprechend inszenierte Kampfszenen. Abseits davon, bekommt man einen schlecht gespielten und in allen Belangen billig produzierten Videothekenklopper aus dem unteren Regal vorgesetzt. Nur für etwas für echte Liebhaber.

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