Seit nunmehr 36 Jahren treibt die garstige Killerpuppe nun ihr Unwesen, sowohl auf der Leinwand als auch im Direct-to-DVD-Bereich und nun auch im Fernsehen. Die erste Staffel der schlicht als CHUCKY (seit 2021) betitelten Serie erfreute sich großer Beliebtheit und konnte Kritiker wie auch Fans der Reihe gleichermaßen begeistern, weswegen der Sender SYFY keine Zeit verstreichen ließ und prompt grünes Licht für eine zweite Staffel gab. Dass Franchise-Schöpfer Don Mancini noch genug Ideen im Köcher hat bewies er auch in den nächsten acht Episoden, in denen „Charles Lee Ray“ sein Unwesen in einer katholischen Erziehungsanstalt treibt, selbstverständlich flankiert von neuen Charakteren und altbekannten Gesichtern, die sogar einen Bogen zum wohl polarisierendsten Teil des Reihe, CHUCKYS BABY (2004), spannen. Turbine Medien hat die zweite Season wie auch schon die erste in limitierten Mediabooks veröffentlicht und ob der freche Slasher-Spaß weiterhin zu unterhalten vermag, verraten wir euch in unserer Kritik.

Originaltitel: Chucky

Episoden: 8

Showrunner: Don Mancini

Drehbuch: Don Mancini, Rachel Paradis, Kim Merced Garland, Nick Zigler…

Regie: Don Mancini, Samir Rehem, Jeff Renfroe, Leslie Libman, John Hyams

Darsteller: Zackary Arthur, Bjorgvin Arnarson, Alyvia Alyn Lind, Brad Dourif, Devon Sawa, Jennifer Tilly, Fiona Dourif, Lachlan Watson, Bella Higginbotham, Rosemary Dunsmore, Alex Vincent…

Artikel von Christopher Feldmann

Dass CHUCKY (seit 2021) zumindest für Fans der Filmreihe (das Remake von 2019 spielt keine Rolle) ein großer Spaß werden würde, stand außer Frage. Immerhin pflegt und hegt Don Mancini seine Saga um den Serienkiller „Charles Lee Ray“, der einst seine Seele mittels Voodoo-Zauber in eine Good-Guy-Puppe transferierte, seit 1988 und brach schon beim vierten Teil CHUCKY UND SEINE BRAUT (1998) mit gängigen Konventionen des Puppen-Slashers, den die Zuschauer in den ersten drei Filmen serviert bekamen. Seitdem warf Mancini seinen Antagonisten in immer neue Settings und auch Subgenres und ließ immer obskurere Ideen einfließen, um die Reihe frisch und überraschend zu gestalten. Gerade deshalb funktionierte die erste Staffel auch so gut, da man als Zuschauer schnell merkte, dass der Showrunner, Produzent, Drehbuchautor und Regisseur hier völlig freie Hand hatte, um seine Lore weiter auszubauen, ohne auch nur ein Ereignis in der Vergangenheit zu negieren. Lediglich der diskutable fünfte CHUCKY-FILM CHUCKYS BABY (2004) wurde in den beiden darauffolgenden Sequels und auch der ersten Staffel der Serie stiefmütterlich behandelt. Doch nun bewies Mancini einmal mehr Liebe zu seinem Material und inszenierte die Rückkehr von „Glen/Glenda“, dem genderfluiden Sprössling von „Chucky“ und „Tiffany“, dessen Seele damals bekanntlich in die Körper von Jennifer Tillys Zwillingen transferiert wurde. Klingt kompliziert, ist es auch. Und trotz zahlreicher narrativer Hakenschläge, Cliffhanger und Verweise macht auch die zweite Season unheimlich viel Spaß.

Handlung:

Sechs Monate nachdem Jake (Zackary Arthur), Devon (Bjorgvin Arnarson) und Lexy (Alyvia Alyn Lind) mit Hilfe von Andy Barclay (Alex Vincent) den Masterplan der Killerpuppe vereiteln konnten, lässt die Ruhe nicht lange auf sich warten. Als Chucky (Brad Dourif) zurückkehrt und ein weiteres Opfer fordert, werden die drei Teenager dafür verantwortlich gemacht. Statt in eine Jugendvollzugsanstalt, werden sie in die katholische Erziehungsanstalt des „Leibhaftigen Herrn“ eingewiesen, in der der Direktor Pater Bryce (Devon Sawa) mit strenger Hand verhaltensauffälligen Jugendlichen das Böse auszutreiben versucht. Doch auch hier sind die Überlebenden nicht vor dem Killer sicher. Derweil befindet sich Nica Pierce (Fiona Dourif) weiterhin in Gefangenschaft und wird von Tiffany (Jennifer Tilly) in der Villa von Schauspielerin Jennifer Tilly versteckt, deren Körper Tiffany einst übernahm. Als plötzlich Chuckys und Tiffanys Zwillinge Glen (Lachlan Watson) und Glenda (Lachlan Watson) ihre Mutter besuchen verkomplizieren sich die Dinge.

Die Wissens-Voraussetzungen gelten für die zweite Staffel nochmal stärker als für die vorherige Season. Wer hier blind einsteigt, wird vollkommen verloren sein und im Grunde nur noch Bahnhof verstehen. Um die Serie wirklich genießen zu können, empfiehlt es sich sogar zuvor nochmal alle sieben Filme gesehen zu haben, um nicht auf dem Schlauch zu stehen. Anders als andere Filme und Serien, die Teil eines etablierten Franchise sind und durch diverse Drehbuchkniffe auch für Neulinge konsumierbar sind, setzt CHUCKY detaillierte Kenntnisse zu den Figuren und Ereignissen der letzten 36 Jahre voraus. Durchaus gewagt aber auch ziemlich sympathisch, richtet sich die Show doch vordergründig an die Fans.

Dass die Reihe weiterhin keine Ermüdungserscheinungen aufweist, wird in der zweiten Staffel deutlich, die die Geschichte nahtlos weiterspinnt und sich auch nicht vor durchaus obskuren Einfällen scheut. Als neues Setting wird eine katholische Erziehungsanstalt eingeführt, in der schwer erziehbare und auch straffällig gewordene Jugendliche mit Hilfe von Gott auf den Pfad der Tugend zurückgeführt werden sollen. Dass ein rotzfrecher Massenmörder wie „Chucky“ diese Einrichtung aufmischen darf, verspricht natürlich reichlich bösen Spaß und dieses Versprechen wird auch prompt eingelöst, wenn die mordende Puppe derbe One-Liner zum Besten gibt, sowie Nonnen und Priester meuchelt. Natürlich zahlen die acht Episoden auch weiterhin auf das Motiv des multiplen „Chucky“ ein. Spätestens seit CULT OF CHUCKY (2017) wissen wir, dass er dazu fähig ist, seine Seele aufzuspalten und in weitere Puppen oder auch menschliche Körper, wie im Fall von „Nica“, zu befördern, was schließlich zu Chucky’s Army in der ersten Staffel führte. So kreuzen gleich mehrere Versionen des Killerspielzeugs den Weg der Protagonisten, eine wird sogar mittels Gehirnwäsche, eine Referenz an A CLOCKWORK ORANGE (1971), zum Guten bekehrt, dafür sind ein muskulöser „Chucky“, sowie die schlicht als „Colonel“ betitelte Variante umso niederträchtiger.

Es dauert eine Weile bis alle Karten auf dem Tisch liegen, gen Ende wird sogar ein neuer Komplize Chuckys enthüllt und bis das Finale stattfindet, bieten die Episoden einige Twists und Turns, die zwar nicht selten konstruiert wirken aber aufgrund des permanent präsenten Augenzwinkerns den Spaß weiter in die Höhe schnellen lassen. Beispielsweise ist die siebte Folge eine Hommage an den Horrorklassiker DER EXORZIST (1973) und ein echtes Highlight der Staffel, inklusive platzender Körper und turbulenter Teufelsaustreibung. Auch die queere Lovestory der beiden Protagonisten „Jake“ und „Devon“ wird weitererzählt, auch wenn diese tatsächlich nur einen Nebenschauplatz darstellt. Die Beziehungsprobleme der beiden Jungs werden angemessen behandelt und wie schon die erste Staffel wird hinsichtlich der homosexuellen Komponente nicht zu dick aufgetragen. Ein Grund, warum die Serie gerade in der Queer-Community so beliebt ist, immerhin ist der kreative Kopf Don Mancini selbst offen homosexuell und weiß daher wie man dies angemessen verhandelt, ohne in stereotype Gefilde abzudriften. Lediglich das Konfliktpotenzial, dass das Aufeinandertreffen von Homosexualität und erzkonservativen, katholischen Glauben birgt, wird nicht so richtig ausgeschöpft.

Genauso viel Spaß wie das blutige Treiben in der Erziehungsanstalt macht der Handlungsstrang rund um „Tiffany“, die im Haus von Jennifer Tilly lebt und „Nica“ gefangen hält, die gerne zwischen ihrer eigenen Persönlichkeit und der von „Chucky“ wechselt. „Tiffany“ gehen langsam aber sicher die finanziellen Mittel aus, da ihr Alter Ego lange keine Jobs als Schauspielerin mehr angenommen hat. Wesentlich komplizierter wird als ihre non-binären Sprösslinge „Glen“ und „Glenda“ zu Besuch kommen, die nach wie vor in dem Glauben leben, die Töchter einer oscarnominierten Schauspielerin zu sein. Dies führt zu einer der besten Episoden seit Serienbeginn, wenn plötzlich Gina Gershon, Joe Pantoliano (beide Tillys Co-Stars aus BOUND-1996), Realitystar Sutton Stracke und Tillys Schwester Meg Tilly, die sich allesamt selbst spielen, auftauchen, um den Geburtstag der Zwillinge zu feiern, was eine etwas andere Murder-Mystery-Party zur Folge hat. Natürlich kreuzt der Strang um das Mutter-Töchter-Gespann und „Nica“ irgendwann den Weg der Haupthandlung, was für reichlich Chaos sorgt, zudem sind natürlich auch Chuckys alte Feinde „Andy Barclay“ und „Kyle“ mit von der Partie.

Alle acht Episoden sind relativ flott erzählt und bis auf zwei, in denen vergleichsweise wenig passiert, geht es in der gesamten Staffel Schlag auf Schlag. Ich persönlich bin immer noch sehr angetan davon, wie Mancini hier die einzelnen Fäden miteinander verwebt, immer neue Ideen auf Lager hat und dabei aber stets seinem etablierten Kanon treu bleibt. Dass nun „Glen“ und „Glenda“ ihre Rückkehr feiern, zeugt von Selbstbewusstsein, immerhin gilt CHUCKYS BABY (2004) als der schwächste und unbeliebteste Teil der Reihe, auch wenn er seiner Zeit einfach nur viel zu weit voraus war. Nichts desto trotz funktioniert das Pacing sehr gut und die Mischung aus Slasher, schwarzer Komödie und Meta-Klamotte sorgt weiterhin für Überraschungen.

Einzig bei den Darstellern gibt es Licht und Schatten. Zackary Arthur, der „Jake“ verkörpert, bringt in dieser Staffel einen gewissen Nerv-Faktor mit sich und wirkt stellenweise ein wenig unsympathisch, was seine Co-Stars, allen voran Alyvia Alyn Lind, aber aufzufangen vermögen. „Lexy“ avanciert fast schon zur interessantesten Figur und heimlichen Heldin der Geschichte, während Bjorgvin Arnarson als „Devon“ ein wenig blass bleibt. Es ist zwar stets Dynamik zwischen den Figuren vorhanden, manche Konflikte bremsen das Ganze aber unnötig aus. Witzig ist hingegen, das Devon Sawa nach seiner Doppelrolle in der ersten Staffel hier in einer neuen zurückkehren darf und als „Pater Bryce“ gerade zum Ende hin aufdrehen darf. Diskutabel ist lediglich die Rolle von Rosemary Dunsmore als „Dr. Mixter“, die lediglich dazu dient, sich für gewisse Hintertürchen offen zu halten und um die Lore weiter auszubauen. Jennifer Tilly hat trotz ihres gnadenlosen Overactings den Spaß ihres Lebens, Lachlan Watson ist als non-binäres Zwillingspärchen das heimliche Highlight der Season, während Fiona Dourif sowieso eine sichere Bank ist. Einzig Alex Vincent als „Andy Barclay“ und Christine Elise als „Kyle“ wirken etwas unnötig in die Handlung gepresst. CHUCKY täte es vielleicht gut, sich auch mal von Charakteren zu trennen, die eigentlich keine große Bewandtnis mehr haben. Mal schauen, was Staffel 3 daraus macht.

Inszenatorisch und auch technisch steht die zweite Staffel der ersten in Nichts nach. Der neue Schauplatz macht viel her, auch wenn das Potenzial der fast schon morbide anmutenden Erziehungsanstalt nicht vollends ausgeschöpft wird. Nichts desto trotz sieht Alles recht hochwertig aus und auch in diesen acht Episoden setzen Mancini und sein Team wieder auf echtes Handwerk. Statt CGI kommen noch echte Puppeteers zum Einsatz, die der Killerpuppe, die natürlich abermals von Franchise-Veteran Brad Dourif gesprochen wird, Leben einhauchen. So fühlt sich Ganze auch nie digital an, auch wenn man jene Technik nutzte, um jene Puppenspieler, sowie Drähte aus dem Bild zu entfernen. Auch die Kills sind wieder handgemacht und bieten einige saftige Splatter-Einlagen. Zwar ist CHUCKY nach wie vor keine Serie für Gorehounds, wenn allerdings Brustkörbe durchschlagen, Körper zerfetzen oder mit der Kettensäge bearbeitet werden, geht es graphisch schon ans Eingemachte. Die FSK-18-Freigabe ist im Hinblick auf die Gewaltdarstellung zwar gerechtfertigt, angesichts des Humors und der fehlenden Ernsthaftigkeit, hätte man das Ganze auch durchaus ab 16 Jahren freigeben können.

Turbine Medien hat die zweite Staffel ebenfalls in drei limitierten Mediabooks mit unterschiedlichen Artworks veröffentlicht. Die acht Episoden sind auch hier auf zwei Blu-rays verteilt, selbstverständlich ungekürzt. Bild- und Tonqualität sind natürlich 1A und auch ein paar Deleted Scenes haben es in die Extras geschafft. Für Fans ist besonders das Booklet von Tobias Hohmann ein echter Genuss, welches die perfekte Fortsetzung zum Booklet der ersten Staffel bietet.

Fazit:

Die zweite Staffel der Slasherserie CHUCKY (seit 2021) führt die Geschichte gnadenlos fort, bringt neue und alte Charaktere zurück und geizt nicht mit überraschenden wie auch wilden Ideen, derben Kills und viel augenzwinkerndem Humor. Fans der Reihe werden ihre Freude haben, CHUCKY-Grünschnäbel werden allerdings völlig überfordert sein. Ich freue mich schon wahnsinnig auf die in den USA bereist ausgestrahlte dritte Staffel und hoffe, dass auch diese hierzulande in einer ebenso schicken Edition veröffentlicht wird. Natürlich hoffe ich aber auch darauf, dass SYFY eine vierte Staffel in Auftrag gibt, denn Don Mancini hat laut einiger Aussage noch einiges auf dem Zettel, deswegen: #RenewChucky

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