Kruzifix nochmal! Man sollte doch meinen, das Genre des Exorzismus-Horrorfilms wäre auserzählt. In den letzten 50 Jahren wurde so ziemlich jeder Dämon ausgetrieben und in jeder erdenklichen Farbe des Spektrums gekotzt. Doch das Ende der Fahnenstange wurde noch nicht erreicht, denn mit THE RITUAL (2025) erschien kürzlich der schätzungsweise dreihundertsiebzigtausend achthundertdreiundzwanzigste Exorzismus-Streifen, der auf altbekannte Muster setzt. Das größte Kaufargument dürfte dabei wahrscheinlich die Beteiligung von Leinwandlegende Al Pacino sein. Ob der Film, der hierzulande über Leonine Studios erschienen ist, aufgrund dieser Personalie automatisch besser geraten ist, erfahrt ihr in unserer Kritik.

Originaltitel: The Ritual
Drehbuch & Regie: David Midell
Darsteller: Dan Stevens, Al Pacino, Ashley Greene, Abigail Cowen, Patrick Fabian, Patricia Heaton…
Artikel von Christopher Feldmann
Handlung:
Zwei Priester (Dan Stevens, Al Pacino), jeder geplagt von seinen eigenen Dämonen, stehen vor einer schicksalhaften Herausforderung: Der eine, ein Geistlicher, kämpft verzweifelt mit seinem Glauben, während der andere von den schattenhaften Erinnerungen seiner dunklen Vergangenheit heimgesucht wird. Ihre Wege kreuzen sich, als sie sich zusammenfinden, um einer jungen Frau zu helfen, die von einer unheimlichen Macht in ihren Bann gezogen wurde.

Da startete ich nach längerer Elternzeit mein Medienhuren-Comeback und was halst man mir auf? Richtig, THE RITUAL (2025). Ein Film aus dem von mir zutiefst gehassten Genre des Exorzismus-Horrors, ein Genre, das derart totgeritten wurde, dass ich mir ernsthaft die Frage stelle, wer sich sowas noch anschaut. Natürlich kann man dasselbe über den Slasher- und natürlich über den Zombiefilm sagen, doch dort hat man zumindest das Gefühl, dass regelmäßig versucht wird, neue Ideen in das angestaubte Schema zu integrieren. Beim Exorzismus-Horror hingegen hat sich in all den Jahren, die seit William Friedkins THE EXORCIST (1973) vergangen sind, kaum etwas bewegt. Die Story-Bausteine sind immer noch die Gleichen und noch immer sehen wir verzweifelte Priester, die sich mit Weihwasser und Bibel bewaffnet vor sich windenden, grunzenden und fluchenden Besessenen stellen, um sie von dem Bösen zu befreien. Umso erschreckender ist, dass es ausgerechnet dafür immer noch Abnehmer zu geben scheint, denn auch THE RITUAL ist natürlich der gewohnte Einheitsbrei und zudem auch noch sterbenslangweilig.
Innerhalb des Films gibt es nicht ein erwähnenswertes Plot-Element, so generisch und bekannt spielen sich die Ereignisse ab und das obwohl die Geschichte auf wahren Begebenheiten in den 1920er Jahren basieren soll. Das ist schön und gut aber Regisseur und Drehbuchautor David Midell hat sich sichtbar keine einzige eigene oder gar frische Idee, um seinem Machwerk zumindest eine persönliche Note zu geben. Stattdessen fühlt sich das Alles an, als hätte jemand einfach den Wikipedia-Artikel des zu Grunde liegenden Falls verfilmt. Junge Frau ist besessen, zwei Priester sollen es richten, junge Frau guckt böse und faselt böses Zeug. verletzt ein paar Nonnen und fertig ist die Laube. Da werden die 90 Minuten Laufzeit wirklich zur göttlichen Prüfung in Sachen Aufmerksamkeit, denn zudem sind auch die Figuren völlig irrelevant. Über das Mädchen erfährt man auch lange Zeit gar nichts, weswegen es auch keine Fallhöhe gibt.

Midell dachte wohl, es würde reichen einen Kino-Veteran wie Al Pacino vor die Kamera zu holen, um THE RITUAL dem Publikum schmackhaft zu machen. Allerdings hat der Oscar-Preisträger und Leinwand-Titan seine besten Zeiten auch schon lange hinter sich und tritt seit mehreren Jahren überwiegend in B-Movies auf. Vom Glanz vergangener Tage ist da nicht sonderlich viel übrig geblieben aber warum jemand wie Pacino in derartigem Schund auftritt, weiß wahrscheinlich nur sein Steuerberater. Auch Dan Stevens hat nicht viel mehr zu bieten als ungläubig die Gegend zu starren und sich ständig schockiert oder erschöpft ins Gesicht zu fassen. Schauspielerisch reißt THE RITUAL leider auch keine Bäume, ja nicht mal ein paar vertrocknete Sträucher aus.
Das fragwürdigste am Film ist aber zweifelsohne der visuelle Stil. David Midell hielt es nämlich für eine richtig gute Idee, THR RITUAL wie eine Mockumentary zu drehen, quasi wie die Serie THE OFFICE (2005-2013). Das wäre in Vollendung vielleicht sogar eine netter Ansatz aber Midell gibt sich mit den optischen Stilmitteln zufrieden. So gibt es eine wackelige Kamera und viele Zoom-Ins und Zoom-Outs, was von Anfang an unfassbar seltsam wirkt. Der Macher selbst antwortete in einem Interview auf die Frage, warum er dieses Stil gewählt hat mit der lapidaren Aussage, dass ihm das einfach gefällt. Kann man machen, ist aber kacke. So bekommt man einen farblich entsättigten (ganz wichtig!), vorhersehbaren, mies geschriebenen Exorzismus-Schinken, bei dem zudem die Kamera nie stillhält. Amen!
Leonine Studios veröffentlichten den Film im Heimkino. Uns lag zur Rezension die Blu-ray vor. Bild- und Tonqualität sind sehr gut, Extras gibt es leider keine.

Fazit:
Kruzifix, das war nix! THE RITUAL (2025) ist ein handelsüblich gestrickter Exorzismus-Schocker ohne auch nur den Anflug einer eigenen Idee, visuell furchtbar und obendrein auch noch ziemlich öde. Schade um Al Pacino, denn ihm hätte ich ein nennenswerteres Alterswerk gewünscht als Grabbeltischware wie dieser Film hier.
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