Ich habe noch nie verstanden, was an Clowns lustig sein soll. Mal sind sie doof, mal tollpatschig und eigentlich immer peinlich – zumindest die herkömmlichen Clowns. Im Horrorfilm ist das eine ganz andere Sache. Pennywise hat´s vorgemacht, die lustig angemalten, bunt behaarten Zirkusattraktionen funktionieren im Genrekino bestens als Angstmacher, vermutlich auch wegen John Wayne Gacy, dem alten Schmecklecker. Clown, den uns TURBINE MEDIEN im brandneuen 4K-Master präsentiert, basiert auf einem Fake-Trailer und wurde von Eli Roth produziert. Allein diese Entstehungsgeschichte, auf die in einem ausführlichen Special in den Extras eingegangen wird, ist filmreif. Zwar konnte Clown schlussendlich nicht an die Popularität von Es oder Terrifier anreichen, für einen unterhaltsamen Heimkino-Abend ist aber trotzdem gesorgt.

Regie: John Watts
Darsteller: Andy Powers, Laura Allen, Peter Stormare, Christian Distefano, Chuck Shamata
Artikel von Christian Jürs
Vertraut man auf den Eintrag in der IMDb, so verschlang Clown ein Budget von 1,5 Millionen Dollar, konnte aber in den USA nur läppische 55.000 Dollar wieder einspielen, was daran lag, dass er dort keinen richtigen Kinostart verpasst bekam und fast ausschließlich im Heimkino vermarktet wurde. Immerhin, weltweit sollten es stolze 4,3 Millionen werden, was den kleinen Schocker in die Box Office-Gewinnzone katapultierte. Für Regisseur John Watts ging es danach steil bergauf. Zunächst inszenierte er noch den kleinen Thriller Cop Car mit Kevin Bacon, dann durfte er für Sony Pictures im ganz großen Geschäft mitmischen und inszenierte die bislang zur Trilogie herangewachsene Spider-Man-Reihe mit Tom Holland. Was für ein Karrieresprung.

Kent McCoy (Andy Powers) ist nicht nur ein erfolgreicher Immobilienmakler, ihm liegen zusätzlich seine Frau Meg (Laura Allen) und sein Sohn Jack (Christian Distefano) besonders am Herzen. Doch ausgerechnet am Tag von Jacks zehntem Geburtstag sagt der gebuchte Clown für die große Feier in letzter Minute ab. Glück im Unglück: Kent findet in den Hinterlassenschaften eines der von ihm angebotenen Häuser ein Clownskostüm im Schrank und zieht sich dieses, inklusive der beiliegenden, bunten Perücke, kurzerhand an. Die Party ist gerettet.
Als Kent sich abends des Kostüms wieder entledigen möchte, steht er vor einem Problem: Sowohl die Perücke als auch der Anzug sitzen bombenfest an seinem Körper und auch die aufgesetzte Clownsnase scheint fest auf seiner Haut zu sitzen. Letztere lässt sich zwar mit roher Gewalt entfernen, hinterlässt aber eine tiefe Wunde. Ein kurzer Abstecher ins Krankenhaus bringt auch keine Problemlösung mit sich, die Ärzte stehen vor einem Rätsel.

Verzweifelt stellt Kent am nächsten Tag Nachforschungen an und findet schließlich Hilfe in einem Kostümhändler namens Karlsson (Peter Stormare), der bereits eigene Erfahrungen mit dem Clownskostüm sammeln konnte und schlechte Nachrichten mitbringt. Denn was wie ein Clowns-Outfit ausschaut, ist in Wirklichkeit die Haut eines Dämons, die sich nicht entfernen lässt und langsam, aber sicher Besitz von ihrem Träger übernehmen wird und mit ihm verwächst. Lediglich zwei Heilmöglichkeiten gibt es laut Karlsson: entweder die konsequente Enthauptung des Trägers, was Kent natürlich ausschließt, oder der Konsum von fünf Kinderkörpern – jeweils eins für jeden Monat des Winters. Für Kent stehen beide Option verständlicherweise nicht zur Debatte. Stattdessen tritt er die Flucht an. Derweil versucht Meg verzweifelt, ihren Ehemann zu retten. Doch dessen Transformation und der damit verbundene Heißhunger auf Kinderfleisch geht stetig und unaufhaltsam voran.
Für mich war Clown, der damals von Tiberius Film erstaunlicherweise bei uns bereits unzensiert erschien, im Turbine Medien Mediabook eine Erstsichtung. Ein Meilenstein des Horror-Genres ist Regisseur John Watts hier zwar nicht gelungen, zumal es es kaum Überraschungen im Handlungsverlauf gibt. Dafür aber verfügt der ironische Horrorfilm über ein hohes Erzähltempo, eine Menge Witz und einiges an Splatter, auch Kinder betreffend. Dies war wohl auch der Grund, warum man in den USA von einem Kinostart absah, denn Gewalt gegen Kinder, auch wenn sie so ironisch-witzig dargeboten wird wie hier, ist wenig Massenkompatibel. Ich hingegen habe herzlich gelacht, wenn es den (oftmals unsympathischen) Blagen an den Kragen ging. Erfreulich ist auch, dass Clown keinerlei Leerlauf während der gesamten Laufzeit aufzuweisen hatte. Insgesamt ein netter, kurzweiliger Horror-Spaß für Blutgierige.

Turbine Medien spendiert uns Clown als weltexklusive 4K UHD-Premiere mit HDR & Dolby Vision, abgesegnet von John Watts. Im Bonusbereich gibt es ordentlich Futter für wissbegierige Filmfans. Highlight ist die einstündige Dokumentation Nicht zum Lachen – Die Entstehung von CLOWN, in der u.a. die eingangs erwähnte, aberwitzige Geschichte erzählt wird, wie es dazu kam, dass Eli Roth als Produzent des Films tätig wurde. Außerdem gibt es weitere Interviews, geschnittene Szenen, ein alternatives Ende, den ursprünglichen Fake-Trailer, weitere Trailer, eine Bildergalerie und ein kurzes Making Of. Im Inneren der Mediabook-Varianten befindet sich noch ein Buchteil, kompetent verfasst von Tobias Hohmann.
Turbine Shop:
Mediabook – Cover A (4K UHD & Blu-ray)
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