Freunde von Horror-Anthologien bekommen Nachschub kredenzt aus dem Hause INDEED FILM. Dies ist der vierte Teil der mittlerweile auf acht Filme gewachsenen Grusel-Reihe rund um die guten, alten Videorekorder, der uns bislang verwehrt geblieben ist. Dank einiger Härten erschien der im Found Footage-Stil gedrehte Streifen nicht mit FSK-Freigabe, sondern mit einer leichten SPIO/JK-Einstufung (keine schwere Jugendgefährdung) in ungekürzter Fassung. Vier Kurzfilme, eine Rahmenhandlung und eine Fake-Werbung gehen auf das Konto von sechs Regisseuren, darunter Franchise-Rückkehrer Timo Tjahjanto (S-VHS), der zuletzt den unterhaltsamen Nobody 2 mit Bob Odenkirk inszenieren durfte. Ob der Schocker im verwaschenen Retro-Look ebenfalls überzeugen kann, könnt Ihr hier nachlesen.

Regie: Timo Tjahjanto, Simon Barrett, Steven Kostanski, Chloe Okuno, Jennifer Reeder, Ryan Prows
Darsteller: Anna Hopkins, Christian Potenza, Brian Paul, Tim Campbell
Artikel von Christian Jürs
Found Footage Horrorfilme sind seit 1999, dem Erscheinungsjahr von The Blair Witch Project, extrem populär geworden. Kein Wunder, lassen sich diese Filme doch meist mit wenig Geld und abgespeckter Technik inszenieren. Doch der durchaus gewollt amateurhafte Look schmeckt nicht jedem Zuschauer. Dabei gibt es, neben allerlei räudig hingeschissenen Wackelfilmchen, auch ein paar echte Kracher in diesem Genre. Der Zombiehorrorfilm Rec beispielsweise oder der eher unbekannte, durchaus satirisch geratene Grave Encounters sind echte Genreperlen. Zuletzt konnte mich der südkoreanische Gruselfilm Gonjiam – Haunted Asylum nochmal überraschen und tatsächlich auch gruseln. Ob dies V/H/S 94 wohl ebenfalls gelingen würde?

Ein schwer bewaffnetes Einsatzkommando stürmt eine Lagerhalle, in der sich Drogendealer versteckt halten sollen. Doch was sie vorfinden, sind mehrere grausam zugerichtete Leichen, sowie diverse Video- und TV-Anlagen, auf denen die unterschiedlichsten Schreckensszenarien in Form von Kurzfilmen zu sehen sind und die dem Team schwer zu schaffen machen, je tiefer sie in das Gebäude eindringen. Holy Hell lautet der Titel dieser Rahmenhandlung, die von Jennifer Reeder (Knives and Skin) inszeniert wurde und das qualitative Schlusslicht von V/H/S 94 darstellt. Optisch ist die Nummer zwar schön geraten, inklusive Tracking Problemen auf dem VHS-Band, allzu spannend und interessant ist das kleine Filmchen aber nicht geraten.
Ganz im Gegenteil zu Storm Drain von Chloe Okuno (Watcher), in dem eine junge Reporterin (Anna Hopkins) gemeinsam mit ihrem Kameramann (Christian Potenza) in die Kanalisation herabsteigt, um für ihren TV-Sender der Legende vom in der Gegend gesichteten Rattenmann nachzugehen. Eine atmosphärische, schwarzhumorige und durchaus originelle kleine Nummer, die mit ein paar netten Splatter-Momenten gegen Ende punkten kann. Am Ende springt die Geschichte in einen kleinen Fake-Werbespot, betitelt als The Veggie Masher von Regisseur Steven Kostanski (Psycho Goreman), die als netter Gag funktioniert und als einzige Geschichte im authentischen, damals gebräuchlichen, 4:3-Bildformat gezeigt wird.

Weiter geht´s mit der Geschichte The Empty Wake von Simon Barrett (You´re Next), in der Hayley (Kyal Legend), Mitarbeiterin eines Bestattungsinstituts, während einer stürmischen Nacht eine Totenwache in einer Kirche halten muss, falls vor der morgigen Bestattung noch kurzfristig Angehörige Abschied nehmen wollen. Doch irgendetwas stimmt nicht mit dem Sarg, der sich scheinbar immer wieder zu bewegen beginnt und aus dem unheimliche Geräusche zu kommen scheinen. Auch diese Kurzgeschichte ist atmosphärisch und ein wenig blutig geraten, allerdings darf man diesmal wirklich nicht hinterfragen, warum hier durchgehend die Kamera läuft und Hayley diese auch in der unheimlichsten und bedrohlichsten Situation nicht aus der Hand geben mag.
Mit The Subject von Timo Tjahjanto (The Night Comes for Us) folgt dann mein absolutes Highlight dieser Anthologie, in dem ein verrückter Wissenschaftler (Budi Ross) von der Idee besessen ist, Menschliche Gliedmaßen gegen Maschinenteile zu ersetzen. Zwar wird er von einer Polizeieinheit gestellt und erschossen, doch seine Kreaturen machen Jagd auf die Gesetzeshüter und ein Blutbad nimmt seinen Lauf. Wir sehen den Großteil der Geschichte aus der Egoperspektive einer der Kreaturen, die ihr Massaker auf Videoband aufzeichnet. Ein Hauch von Crank, Doom und Hardcore Henry wehen durch diesen Film. Ein echter Spaß. Zu guter Letzt sehen wir Ryan Prows Terror, in dem eine militante Bürgerwehr einen Anschlag mit Hilfe einer von ihnen entdeckten Kreatur planen. Klar, dass dieser Plan schiefläuft und in einem Massaker endet. Origineller Weise sieht dieser Film aus wie eine zweit- oder gar dritt-Kopie einer alten VHS-Aufnahme, die allerlei Splatter bietet und an wohlige, alte Underground-Filme erinnert.

V/H/S 94 ist mal wieder ein bunter Horror-Potpourri, bei dem für jeden Retro-Fan was dabei ist, man sollte aber einen Hang zum Found Footage-Genre haben. Keine der Geschichten hat Längen vorzuweisen, viele aber kleine Mankos hier und da in Sachen Logik oder authentischer VHS-Optik. Insgesamt ein netter Zeitvertreib für Horror-Fans. Das Bonusmaterial ist zahlreich und besteht aus Audiokommentaren, Interviews, Deleted- und Extended-Scenes, dem separaten Veggie-Smasher-Werbespot, einer Featurette über die Spezialeffekte, Trailer und einem reich bebilderten Booklet, verfasst von Thorsten Hanisch.
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