Es ist nun schon fast siebzehn Jahre her, dass der King of Pop die weltliche Bühne verlassen hat. Von seiner Starpower hat er aber seither nichts verloren. Im Gegenteil, das Biopic Michael macht sich gerade auf, Kinorekorde zu brechen, während das Musical MJ ebenfalls weiterhin Besucherscharen anlockt. Dies ist auch den Verantwortlichen im Hause PLAION PICTURES nicht entgangen und so veröffentlichte man dort nicht nur sein Bühnenvermächtnis This Is It nochmals auf Scheibe, sondern auch seinen Film Moonwalker aus dem Jahr 1988 im Mediabook. Erstmals enthalten ist nicht nur die ungekürzte Fassung in HD, sondern auch die alte Kinosynchronisation, die zuletzt auf VHS und Laserdisc enthalten war. Ich dachte mir: Shamone! Ich habe mich nun schon fast vierzig Jahre vor diesem Film gedrückt, jetzt wird es an der Zeit, ihn zu sichten. Mein Fazit könnt Ihr nun mit einem Hee Hee auf den Lippen nachlesen.

Regie: Jerry Kramer, Jim Blashfield, Colin Chilvers, Will Vinton

Darsteller: Michael Jackson, Joe Pesci, Sean Lennon, Kelley Parker, Brandon Quintin Adams

Artikel von Christian Jürs

Kaum jemand meiner Generation konnte sich gegen das Phänomen Michael Jackson wehren. Als im August 1987 sein Erfolgsalbum Bad erschien, war ich gerade einmal zwölf Jahre alt und kratzte mein Taschengeld zusammen, um mir dieses sensationell gute Album ins Plattenregal zu stellen. Dirty Diana, Smooth Criminal, Man in the Mirror… wow, was für eine geile Scheibe. Das Nachfolgealbum Dangerous brauchte ich natürlich ebenfalls, genauso wie Thriller, welches ich mir auf dem Flohmarkt nachkaufte. Mitte der Neunziger, als er mit Nummern wie dem Schmachtfetzen Earth Song um die Ecke kam, schwand mein Interesse am King of Pop. Als Moonwalker im Jahr 1988 erschien, war ich aber noch mittendrin in meiner Michael Jackson-Phase. Trotzdem holte mich der Trailer, den ich während eines Kinobesuchs in der Vorschau sah, so gar nicht ab. Ich sparte mir Moonwalker, obwohl ich damals für wirklich jeden Schund ins Kino lief. Auch auf Video verfolgte ich zu dieser Zeit lieber Arnold Schwarzenegger, Sylvester Stallone und Freddy Krueger und ließ Michael Jackson als Superheld links liegen.

Da ich aber vor kurzem auf dem YouTube-Kanal Sean David TV eine wirklich spaßige Besprechung zu Moonwalker sichtete, an der auch David Hain beteiligt war, wurde ich neugierig. Dort wurde ausführlich über die vielen skurrilen Einfälle des Films, bzw. Michael Jacksons, berichtet. Würden die Michael Jackson Vibes mich hooken können? Da nun passenderweise Plaion Pictures dem Film eine anständige Veröffentlichung spendierte, konnte ich nicht anders und habe mir den Musikfilm endlich angesehen. Was für ein Fiebertraum mich erwarten würde, ahnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Moonwalker startet mit einem Konzertmitschnitt des Songs Man in the Mirror, in den immer wieder Bilder von in Ohnmacht fallenden jungen Mädchen geschnitten wurden. Eine Anweisung des Meisters selbst an den Regisseur dieser Sequenz, der nach fünf Tagen Ohnmachts-Dreh höflich nachfragte, ob es denn nun genug sei – und daraufhin gefeuert wurde. Des Meisters Vision sollte niemand in Frage stellen. Nach dieser sechsminütigen Musiksequenz geht es aber freilich noch nicht mit dem eigentlichen Film los. Stattdessen bekommen wir im Anschluss einen Zusammenschnitt sämtlicher Michael Jackson-Hits bis Drehbeginn. Nice, dachte ich, nun kann es aber endlich losgehen. Doch was kam dann? Richtig, das Musikvideo von Bad, allerdings nachgestellt mit Kinderdarstellern mit aufgemalten Bärten. Badder halt. Warum? Künstler-Vision, was sonst?

Nach nur 22 Filmminuten stolziert dann Michael Jackson endlich aus der Studiohalle, wo durchdrehende Fans mit Knetgummiköpfen (!!!!) bereits auf ihn warten und auf ihn zu rennen. Und Michael? Der macht das einzig Vernünftige in dieser Situation. Er verwandelt sich in ein Knetgummikarnickel und flieht auf einem Motorrad. Endlich entkommen, trennen sich Karnickel und Michael Jackson körperlich und veranstalten ein Dance Battle, gefolgt vom Musikvideo zu Leave me alone. KREISCH! Ich kann nicht mehr. Es dauert tatsächlich geschlagene 38 Minuten, bis die Handlung, wenn man sie so nennen kann, in den Film schwappt. Darin legt sich der gottgleiche Michael Jackson mit dem fiesen Drogenbaron Mr. Big (Joe Pesci) an, der alle Kinder drogensüchtig machen möchte, da die ja die Kunden von morgen sind. Ein geiler Plan, den Michael nun vereiteln will, indem er sich im weiteren Verlauf des Films u.a. in ein Auto, einen Roboter und sogar ein Raumschiff verwandeln wird. Stets bemüht, drei Kinder, unter ihnen Sean Lennon, Sohn des berühmten Beatles, zu schützen.

Moonwalker ist ein 93-minütiger, toll choreografierter und mit packender Musik unterlegter Blödsinn, der prinzipiell auch bei SchleFaZ laufen könnte, nur wird man sich das nicht trauen, um die ziemlich sensiblen Michael Jackson-Fans nicht gegen sich aufzubringen. Spaß macht die Nummer vor allem wegen der Musik, der Liveauftritte und den Musikvideo-Ausschnitten. Als Film hingegen ist die Nummer mehr zur Belustigung geeignet an einem gemeinsamen Abend mit Freunden, die nicht schon wieder The Room schauen wollen und Bock auf gute Musik und eine Menge Blödsinn haben.

Die Mediabook-Auflage aus dem Hause Plaion Pictures ist ein Träumchen. Die Bildqualität ist top und wer die Soundanlage mal wieder ordentlich quälen will, der wählt den englischen Ton in DTS-HD MA 5.1. Die beiden deutschen Tonspuren bieten guten 2.0 Ton, wobei die unter der Synchronregie von Arne Elsholtz entstandene Kinosynchro eindeutig der Neusynchro vorzuziehen ist. Des Weiteren gibt es noch die 4:3-Fassung (für Nostalgiker und Röhrenfernseher-Besitzer), den Trailer und ein Booklet, verfasst von Martin Beck, welches ich aber nicht gelesen habe, da mir lediglich der Blu-ray-Rohling vorliegt.

Ach ja, zum Appetit machen habe ich das Video vom Kanal Sean David TV unter dem Trailer einfach mal hinzugefügt – anschauen lohnt sich.

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