Detroit (2017) – Ab sofort auf DVD, BluRay oder Digital erhältlich

Die Grande Dame des Hollywood-Actionkinos ist zurück. Die Rede ist von Kathryn Bigelow, die einst aus Patrick Swayze einen coolen Surfer, aus Lance Henriksen einen fiesen Vampir und aus Jamie Lee Curtis den härtesten Cop seit DIrty Harry machte. Diesmal behandelt sie ein sehr unangenehmes Thema: Die Unruhen und Ausschreitungen im Sommer 1967 in Detroit…

Regie: Kathryn Bigelow

Darsteller: Algee Smith, John Boyega, Anthony Mackie, Will Poulter

Artikel von Christian Jürs

Mit einer Tricksequenz, die rein optisch auch aus der SENDUNG MIT DER MAUS stammen könnte,  bekommt der Zuschauer die politisch angespannte Lage zwischen weißen und farbigen Mitbürgern in den ärmeren Städten Amerikas des Jahres 1967 erklärt. Wir erfahren, dass die dunkelhäutigen Bürger in viel zu kleine Armenviertel gesteckt wurden, die von weißen Polizisten mit harter Hand patrouilliert wurden.

“Kein Vietcong nannte mich Nigger” steht auf einem Banner in einer Bar im Schwarzenghetto. Die Bedeutung dieses Satzes zu einer Zeit, in der schwarze Soldaten zuhauf nach Vietnam geschickt wurden, dürfte deutlich machen, wie die Stimmung unter den Einwohnern damals war. Während die Weißen misstrauisch dem Ghetto gegenüberstehen und Angst vor einer Eskalation haben, verbittert die schwarze Front durch Armut und den ständig entgegengeworfenen Rassismus. Das die Polizei die Bar durchsucht und die Besucher abführt, da keine Schanklizenz vorliegt, verbessert die Stimmung in Detroit nicht. Vor Wut beginnen die Einwohner dieses Ghettos, ihre eigenen Häuser in Brand zu setzen.

Derweil wird ein flüchtender Plünderer vom jähzornigen Polizisten Krauss (Will Poulter) hinterrücks erschossen. Hinterher zeigt der Rassist keine Reue, wird jedoch nicht suspendiert, da jeder Polizist gebraucht wird. Er wird eine der zentralen Figuren des Filmes. Ebenso wie Larry (Algee Smith), dem Sänger der Soulband “The Dramatics”, der mit einem Auftritt vor Talentscouts aus dem Moloch herauskommen möchte. Doch just bevor das Gesangsquartett auf die Bühne treten will, wird der Saal wegen anhaltender Unruhen geräumt.

Dann wäre da noch der Security Beamte Melvin Dismukes (John Boyega), der tagsüber in einer Autofabrik arbeitet. Er, der Vietnamheimkehrer Greene (Anthony Mackie), die beiden jungen, hellhäutigen Damen Julie (Hannah Murray) und Karen )Kaitlyn Dever), sowie die anderen bereits erwähnten Charaktere, sie alle treffen, nachdem jemand aus Scherz mit einer Schreckschusspistole aus dem Fenster schoss, in einem Hotel aufeinander. Was folgt, ist eine intensive Nacht, in der die Bewohner sich willkürlicher Polizeigewalt stellen müssen…

Hui, was für ein Brett von einem Film. In knapp zweieinhalb Stunden schildert Bigelow uns was damals geschah, ohne wirklich auf das “Warum” einzugehen. Dafür gibt es Geschichtsbücher. Stattdessen konzentriert sie sich, ganz die Actionregisseurin, ebenso wie bei ihren beiden Vorgängern THE HURT LOCKER und ZERO DARK THIRTY, die ebenfalls aus der Drehbuchfeder Mark Boals stammen, auf die Rekonstruktion der Ereignisse. Stilistisch erinnert der Film hierbei oft an die hervorragende Serie THE SHIELD, die zwar nicht in den Sechzigern, jedoch ebenfalls in Armenvierteln spielte. Wer diese Serie, Bigelows andere Werke oder auch den Attentatsfilm BOSTON mochte, wird auch hier Gefallen dran finden. Ähnlich wie bei dem Mark Wahlberg Film, wurden auch hier Originalaufnahmen von einst und gespielte Szenen gemischt, was die Authentizität des Gezeigten noch untermauert. Alles mündet in einem Gerichtsverfahren, dessen Ausgang ich hier nicht spoilern möchte.

Die deutsche Veröffentlichung kommt mit sauberem Bild und Ton daher. Die Synchronisation ist ebenfalls hochwertig. An Bonusmaterial bekommen wir eine Featurette, ein Musikvideo, den Trailer in deutscher- und englischer Sprachfassung, eine Bildergalerie und ein paar Filmtipps.

Fazit:

Packendes Drama, dass brachial und gewalttätig trotz FSK 12 Freigabe dem Zuschauer an die Nieren gehen wird. Ein weiterer Knaller von Powerfrau Kathryn Bigelow, die hoffentlich nicht so schnell in Rente geht. Mit 66 Jahren fängt das Leben ja bekanntlich erst an.

Trailer:

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