Ready Player One (2018) – Ab sofort im Kino

Buchpuristen kotzen, seit sie erfahren haben, dass ausgerechnet das einstige Hollywood Wunderkind Steven Spielberg die Regie des Kultromans von Ernest Cline übernommen hat. Jetzt läuft das Effektewunder in unseren Kinos und wir haben uns hineingewagt um zu schauen, ob das Massenerbrechen gerechtfertigt war.

Regie: Steven Spielberg

Darsteller: Tye Sheridan, Olivia Cooke, Ben Mendelsohn, Simon Pegg

Artikel von Christian Jürs

Columbus, Ohio, 2045.

Die Welt ist im Arsch. Überbevölkerung und Umweltverschmutzung haben ihren Tribut gezollt. Die Menschen, die zumeist in dichtbesiedelten Wohnsiedlungen hausen, flüchten in die ultimative virtuelle Realität namens “Oasis”. In dieser unendlich großen, alternativen Welt kann jeder alles sein und alles machen, was immer er möchte.

Als der Spieleerfinder und Vollzeit-Nerd James Halliday (Mark Rylance) verstirbt, offenbart er der Welt, dass er ein Easteregg im Spieleuniversum versteckt hat, dass dem Finder den Besitz und somit die Macht über “Oasis” überschreibt. Der schüchterne Wade (Tye Sheridan), ein einfacher Junge aus einem ärmeren Viertel Columbus, der einst seine Eltern verlor, kämpft als sein alter Ego Parzival um den Hauptpreis. Ihm zur Seite steht die coole Atr3mis, sein bester Kumpel Aech und ein paar weitere Kämpfer, deren Besetzung ich hier aus Spoilergründen nicht nennen werde, denn ihre Identität wird erst in der zweiten Filmhälfte preisgegeben.

Doch die Suche wird ihnen erschwert und letztendlich sogar lebensbedrohlich im wahren Leben, denn die Firma “IOI”, geleitet durch den karrieresüchtigen Sorrento ( Ben Mendelsohn), geht, um an die Macht von “Oasis” zu kommen, über Leichen.

Viel mehr gibt es über die Handlung dieses 140 minütigen Blockbusters eigentlich nicht zu erzählen. Mehr braucht der Film jedoch auch nicht, um Filmfreunde der 80er und 90er zu erfreuen. Klar, Spielberg hat einige Passagen des Buches, welches ich selbst nicht gelesen habe, geändert. So ist die eigentlich kaputte Welt immer noch Spielberg-fröhlich. Der erste Schwenk über den Trailerpark, in den Wade sich zum Spielen zurückzieht, wirkt wie der Hinterhof in Hitchcocks FENSTER ZUM HOF. Auch wurde die erste Aufgabe im Kampf um das Easter egg, welches im Buch wohl eine Mischung aus Adventuregame und dem Film WARGAMES – KRIEGSSPIELE war, zu einem Autorennen. Klingt erstmal wenig spektakulär, aber wenn dann KING KONG, der T-Rex aus JURASSIC PARK, der DeLorean aus ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT und das Motorrad aus AKIRA mitmischen, dann bekommt man als Kind eben dieser Popkultur ein breites Grinsen im Gesicht. Und übrigens, JURASSICA PARK wurde auch nicht originalgetreu verfilmt, weswegen Jeff Goldblum im zweiten Teil überhaupt erst auftauchen konnte. Hat auch niemanden gestört. Wer zudem den Roman zu DER WEISSE HAI von Peter Benchley kennt, dürfte Spielberg für die Änderungen immer noch dankbar sein.

Von den im Film befindlichen Easter eggs bekommen wir hunderte um die Ohren geworfen. Ob ROBOCOP oder DUKE NUKE´EM, es gibt immer wieder etwas zu entdecken, wobei mir sicher Dutzende bei der Erstsichtung entgangen sind. Ein großer Szenenblock spielt gar in einem der ultimativen Horrorfilmklassiker, den ich hier nicht verraten werde. Die Nachstellung des Originalsets und der Originalkameraeinstellungen dieses Filmklassikers lies mich wirklich staunen.

Zum Staunen ist auch die optische Symbiose aus Realfilm und Tricksequenzen, die hier wunderbar funktioniert. Auch wenn das 3D nicht zu dem Sensationellsten seiner Art gehört, ist es doch ordentlich und unterstützt den Zuschauer beim Eintauchen in die digitale Welt. Hier dürfte jeder mit offener Kinnlade im Kinosaal sitzen.

Spielberg scheint das Kind in seinem Herzen noch nicht verloren zu haben, nach Flops wie BFG und ansonsten weitestgehend ernsteren Regieeinträgen wie BRIDGE OF SPIES kehrt der Meister zur leichtfüßigen Blockbusterunterhaltung zurück und meistert diese mit Bravour. Auch die weitestgehend unbekannten Darsteller (Tye Sheridan kannte ich bislang nur aus SCOUTS VS. ZOMBIES) machen einen prima Job. Simon Pegg taucht auch in einer kleineren, aber sehr wichtigen Rolle auf und wirkt wie immer sehr sympathisch.

Die schwindelerregende Kamera stammt von Stammkameramann Janusz Kaminski und ist, ebenso wie das Setdesign, oscarverdächtig. Die Musik stammt diesmal nicht von John Williams. Stattdessen komponierte diese Alan Silvestri, der viele Anleihen an bekannte Film- und Spieleklassiker einbaute. Genial!

Fazit:

Zwar nicht Spielbergs bester Unterhaltungsfilm, dennoch: Ich durfte für 140 Minuten nochmal Kind sein. Vielen Dank, Mister Spielberg. Jetzt habe ich Hoffnung für INDIANA JONES 5.

Trailer:

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